Welche Jobs selbst Goldman Sachs schwer besetzen kann

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Jo Hannaford Goldman Sachs

Laut der US-Investmentbank finden sich die besten IT-Experten in Europa.

Wer einen IT-Job bei Goldman Sachs in Europa bekommen möchte, sollte sich den Namen Jo Hannaford merken. Seitdem Hannaford die Leitung der IT der US-Investmentbank in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika übernommen hat, beginnt sie ihren Tag normalerweise damit, die jüngeren IT-Mitarbeiter wegen einer Überprüfung des Programmiercodes anzurufen. Schließlich stellt sie die Hüterin der zweieinhalb Milliarden Programmzeilen von Goldman Sachs dar. Darüber hinaus obliegt ihr das letzte Wort, wenn es um Neueinstellungen in diesem Teil der Welt geht.

In einem Podcast des Unternehmens spricht Hannaford davon, wie schwierig es selbst Goldman Sachs falle, talentierte Softwareingenieure zu finden. Der anstehende Brexit dürfte die Sache kaum einfacher machen. Studenten aus Kontinentaleuropa tendieren laut Hannaford dazu, mehrere Abschlüsse zu erwerben. Außerdem gäbe es dort viele technische Hochschulen und eine hohe Zahl von IT-Absolventen.

Wenn dieser Talenpool nach dem Brexit austrocknet, dürften sich die Personalengpässe am Standort London häufen. Wie eFinancialCareers bereits berichtete, hat Goldman Sachs kürzlich das Einstiegsgehalt für IT-Experten mit einem Masterabschluss auf 98.000 Pfund (113.000 Euro) angehoben.

Glücklicherweise stellt London für Goldman Sachs nur so etwas wie einen IT-Außenposten dar. Darüber hinaus besitzt die US-Bank noch ein IT-Zentrum in Warschau, wo über 600 Mitarbeiter in den Bereichen IT, Risikomanagement, Finance, HR und in Securities Strats beschäftigt sind. Für ihr elektronisches Trading heuert Goldman Sachs besonders gern Mathematiker und quantitativ geschulte Absolventen aus Frankreich an. Damit stehen die Chancen gut, dass die entsprechende Abteilung in Paris nach dem Brexit ausgebaut wird.

Während Goldman Sachs im vergangenen Jahr etwa 850 IT-Absolventen einstellte, waren es zwei Jahre zuvor erst 450.

In dem Podcast führt Hannaford weiter aus, dass die geplante Online-Bank Marcus für IT-Fachkräfte besonders attraktiv sei. Goldman Sachs will mit Marcus eine Retailbank in den USA, Großbritannien und Deutschland aufbauen. Da die Online-Bank quasi auf der grünen Wiese entsteht und es keine störenden Legacy-Systeme gebe, komme die Entwicklung rasch voran.

Doch nicht nur das Anheuern von IT-Experten stellt keinen Zuckerschlecken dar. Laut Hannaford sei es ebenfalls keine leichte Aufgabe, sie bei der Stange zu halten. So habe die Bank beispielsweise Software-Ingenieure an die medizinische Forschung verloren. „Die Tonnen von Anwendungen, die wir für Markt- und Kreditrisiken betreiben, übertragen sie auf die Krebsbehandlung.“

Hannaford selbst ist im armen Londoner Osten aufgewachsen und strebte ursprünglich eine akademische Laufbahn an. Sie sei lediglich ins Banking gegangen, „um ihrer Schwester ein wirklich schönes Hochzeitsgeschenk kaufen zu können.“ Schon als sie vor 23 Jahren bei Goldman Sachs begonnen habe, versuchte die Bank ihr Research zu automatisieren.

Vor 30 Jahren habe die IT noch als guter Job für Frauen gegolten, erinnert sich Hannaford. Erst zwischenzeitlich habe es sich zu einer Männerdomäne entwickelt. „Ich schaue mich um und frage mich, wo sind alle diese Frauen bloß geblieben?“

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