Wieso jeder angehende Banker Python lernen sollte

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Wieso jeder angehende Banker Python lernen sollte

Mein Freund, die Python. (Foto: Getty Images)

Die Zeiten als Programmierkenntnisse im High-Tech-Elfenbeinturm der IT-Abteilungen eingesperrt waren, sind längst passé. „Die Logik und die Konzepte, wie sich geschäftliche Prozesse digitalisieren lassen, werden in allen betriebswirtschaftlichen Bereichen eine Rolle spielen“, ist sich Matthias Cáton, Programmdirektor an der Frankfurt School of Finance and Management, sicher. „Sicherlich gilt das für die Finanzdienstleistungen, die traditionell viel mit Zahlen hantieren. Aber es wird auch fernere Bereiche wie etwa das Marketing erfassen. Früher wurde Marketing oft als kreativere Richtung verstanden, heute werden hier schon Unmengen an Daten ausgewertet.“

Da sowohl für Datenanalyse als auch für Digitalisierung Grundkenntnisse im Programmieren unerlässlich sind, hat die Frankfurt School mittlerweile einen Programmierkurs verpflichtend für alle Studenten ins erste Semester des Bachelor-Curriculums aufgenommen. Damit begreift sich die private Hochschule als Pionier. „Mir ist nicht bekannt, dass dies eine andere Hochschule in Deutschland ähnlich handhabt“, meint Catón. Der Kurs umfasst 44 Stunden. Davon entfallen rund drei Viertel auf die Programmiersprache Python und ein Viertel auf die Excel-Sprache VBA. „Wir haben uns für Python entschieden, weil sie relativ leicht zu erlernen und sehr vielseitig verwendbar ist und sich gut für statistische Analysen eignet“, erläutert Catón. Wenn dann im zweiten Semester der Pflichtkurs Statistik ansteht, werde hier mit Python und nicht mit R gearbeitet, was durchaus eine Alternative wäre.

Die Studenten haben das auch nötig. „Unsere Studenten sind zwar mittlerweile alle ,digital Natives‘ und können spielend mit Smartphone und Computer umgehen, Programmierkenntnisse bringen aber die wenigsten mit“, erzählt Catón. Dabei gehe es gar nicht darum, künftige Entwickler heranzuziehen. „Die wenigsten unserer Studenten werden später einmal programmieren.“ Vielmehr gehe es darum, Grundbegriffe des Programmierens wie „Bedingungen“ und „Schleifen“ zu verstehen, um besser mit Entwicklern zusammenarbeiten zu können.

Tatsächlich scheinen Programmierkenntnisse zu einem Glanzpunkt in einem Lebenslauf zu avancieren. „Es gibt hunderte, wenn nicht tausende von Jobs in Banken, aber auch ganz anderen Branchen, die Programmierkenntnisse verlangen“, meint Headhunter Thore Behrens von Banking Consult in Frankfurt. „Ich würde jedem Studenten empfehlen, an einem Programmierkurs teilzunehmen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.“

Allerdings fällt die Bedeutung für eine Karriere im Investmentbanking recht unterschiedlich aus. „Es gibt keine Kunden, die von einem M&A-Kandidaten Programmierkenntnisse verlangen“, beobachtet Behrens. Obgleich Python und Java hier weniger wichtiger seien, gelte dies nicht für die Excel-Sprache VBA. „VBA ist in M&A zunehmend sehr gefragt, um damit größere Excel-Sheets zu automatisieren“, sagt Behrens. Anders sieht dies in Sales and Trading aus. „Mit dem elektronischen Handel und all den Algorithmen sind hier Programmierkenntnisse fast schon Pflicht.“

Wer an seiner Hochschule keinen Platz in einem Grundkurs Programmieren findet, kann sich dies übrigens auch selbst aneignen. So gibt es zahllose Bücher und Online-Tutorien zu Python. Einen sechsstündigen Einführungskurs finden Sie hier.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

 

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