Der ultimative Führer für IT-Absolventen, die sich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten

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Der ultimative Führer für IT-Absolventen, die sich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten

Während meiner langen Karriere habe ich zahllose Vorstellungsgespräche für Banken wie Citi, Credit Suisse, Goldman Sachs und JP Morgan durchgeführt. Im Laufe der Jahre hat sich einiges verändert und oft haben die Studenten, die ich bei Campus-Veranstaltungen treffe, keinen blassen Schimmer, was auf sie in den Vorstellungsgesprächen zukommt. Daher habe ich hier einen Führer für IT-Absolventen zusammengestellt.

Der Online-Test zu den IT-Kenntnissen

Dabei handelt es sich um eine relativ junge Entwicklung, die viel Stress für die Bewerber bedeutet. Wenn Ihr Lebenslauf anständig ist, dann werden Sie nach der Bewerbung zu einem Online-Programmiertest auf einer Plattform wie Hackerrank, Codility oder Hirevue eingeladen. Normalerweise werden Ihnen dabei eine Reihe von Programmieraufgaben gegeben – eine leichte und eine etwas schwierigere. Dann wird Ihnen eine Stunde oder so Zeit gelassen, um diese Aufgaben zu bearbeiten. Nachdem Sie das erledigt haben, zeichnet die Plattform ein Video von Ihnen auf, auf dem Sie Ihren Ansatz und Ihre Lösung erklären. Meiner Meinung nach ist ein solches Video schon ein wenig grausam und es lädt zu Vorurteilen ein. Die Programmiercodes, die Punkte und die Videos werden unter den IT-Associates verteilt, um diese zu beurteilen und anschließend an die Personalabteilung weiterzuleiten.

Ich weiß wirklich nicht, ob ich diese selbst als Student bestanden hätte. Persönlich habe ich mehr Zeit mit Biertrinken als mit dem Lernen von Algorithmen verbracht. Ich würde sagen, dass auch viele Kandidaten schummeln, wahrscheinlich indem sie kluge Freunde bitten, ihnen abseits der Kamera zu helfen. Denn sobald sie in den IT-Vorstellungsgesprächen auftauchen, haben sie keine Ahnung. Wie dem auch sei hilft ein wenig Übung auf solchen Websites wie Hackerrank oder Leetcode auf jeden Fall weiter. Üblicherweise fällt die Schwierigkeit der Fragen dabei etwas leichter als bei einem berufserfahrenen Kandidaten aus. Vielleicht haben Sie aber auch Pech.

Das Vorstellungsgespräch

Als ich noch bei JP Morgan gearbeitet habe, haben wir die Bewerber im Vorstellungsgespräch gebeten, den Programmiercode auf einen Zettel zu schreiben, doch das hat sich mit dem Online-Text erledigt. Das Vorstellungsgespräch zu den IT-Kenntnissen gleicht heute eher einem Quiz mit vom Blatt abgelesenen Fragen. Doch manchmal gehen die Interviewpartner auch ihre eigenen Wege und stellen Ihnen eigene Fragen. Mit Sicherheit werden Ihnen Fragen zur allgemeinen Strukturierung der Daten, zu Datenbanken oder dazu, wie das Internet funktioniert, gestellt. Oftmals gehen die Interviewpartner in ihren Spezialgebieten etwas tiefer. Ich persönlich spreche gerne über die Implementierung von Streuwerttabellen, sofern der Bewerber weiß, was eine „map“ ist.

Das Kompetenz-Interview

Wer die ersten beiden Hürden überstanden hat, kommt hier an. Bei den Kompetenz-Interviews handelt es sich um ganz traditionelle Vorstellungsgespräche. Manchmal schließen diese Szenarien ein, die den Bewerbern vorher ausgehändigt werden und beantwortet werden sollen. Dazu genügt der Alltagsverstand. Sie müssen sich einfach eine gute Antwort auf die Frage zurechtlegen, wieso Sie bei „Citi“ anfangen wollen und was Sie sich von der Aufgabe versprechen. Wir achten auf Begeisterung und gute, klare Antworten.

Gruppenübungen

Ich hasse Gruppenübungen. Sie sind unangenehmen, langweilig und man erfährt wenig von den Kandidaten. Als Bewerber wird Ihnen ein Szenario übergeben und die Rolle, die Sie darin spielen. Ihr Job besteht darin, sich für das Ihnen überreichte Ziel einzusetzen. Generell sehen wir es gerne, wenn die Kandidaten sich gegenseitig zum Sprechen bringen, das Gespräch steuern und sich kurzfassen. Wenn Sie in den fachlichen Gesprächen punkten konnten, geht es nur noch darum zu erkennen, ob Sie irgendwelche Kommunikationsmängel aufweisen.

Die Nachbesprechung

Nachdem sämtliche Gespräche durchgeführt wurden – normalerweise führen wir parallel Gespräche mit zwölf Kandidaten – setzt sich das Interviewer-Team mit der Personalabteilung zusammen und geht jeden Kandidaten einzeln durch und entscheidet, ob er eingestellt wird oder nicht. Die Entscheidung hängt hauptsächlich von den fachlichen Aspekten ab. Wer es schafft, wird üblicherweise am nächsten Tag darüber informiert.

Bei Heath Turner handelt es sich um ein Pseudonym. Er arbeitet in der IT einer Investmentbank.

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