Frohes Neujahr, hier Ihr neuer Brexit-Arbeitsvertrag

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Lange hat’s nicht gedauert. Mittlerweile sind fast alle Finanzprofis aus der Weihnachtspause zurück und schon verlangen Banken von ihren Mitarbeitern wegen des Brexits den Umzug in die Rest-EU und die Unterzeichnung neuer Arbeitsverträge. In einigen Fällen wurden den Betroffenen für ihre Unterschrift nur einige Tage Bedenkzeit gewährt.

Angeblich soll einer signifikanten Zahl Angestellter von BNP Paribas, Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley bereits neue Arbeitsverträge vorliegen, die einen Umzug nach Europa – vornehmlich Paris – vorsehen. Bei einigen Mitarbeitern von Morgan Stanley soll die Deadline sogar schon am 3. Januar abgelaufen sein. Einigen Angestellten der Bank of America wurde unterdessen Zeit bis zum Freitag gegeben.

Wenn es um ihre Brexitpläne geht, geben sich die meisten Banken schmallippig. Von der Bank of America wird erwartet, rund 200 Mitarbeiter in Paris anzusiedeln. Dazu wollte sich die Bank allerdings nicht äußern. Laut Insidern verlangt die BNP Paribas, dass einige Londoner Trader und die meisten Sales-Leute – außer denen für Großbritannien – nach Paris umziehen. Auch die französische Bank wollte hierzu keine Stellungnahme abgeben.

Unterdessen hat Rechtsanwalt Dan Begbie-Clench von Doyle Clayton diverse Anrufe von Londoner Bankern erhalten, die mit ihren neuen Verträgen unzufrieden sind. „Ich habe mit Leuten zu tun, die mit sehr engen Deadlines konfrontiert sind“, erzählt er. „Den Leuten werden neue Vergütungsbedingungen angeboten, die niedriger als die britischen Gehälter ausfallen und einige Zusatzleistungen – wie z.B. zur Altersvorsorge – so nicht enthalten.“

Besonders verschnupft über die neuen Einstellungsbedingungen scheinen die Mitarbeiter der BNP Paribas zu sein. So klagen zwei Banker, die von London nach Paris wechseln, dass ihre neuen britischen Arbeitsverträge eine geringere Bezahlung vorsehen als sie sie in London erhalten haben. Während einigen Leuten der BNP Paribas die gleiche Summe zum aktuellen Wechselkurs angeboten wurde, sollen andere einen Abschlag von 20 Prozent hinnehmen.

Die französische Großbank scheint den Unmut darüber mit großzügigen Umzugspaketen abmildern zu wollen. Wohl sollen auch die niedrigeren Lebenshaltungskosten für die niedrigeren Vergütungen kompensieren, was allerdings nicht sämtliche Betroffene überzeugt. „Von uns wird verlangt, weniger Geld zu erhalten als derzeit und weniger Arbeitssicherheit als in Frankreich“, klagt einer.

Laut Begbie-Clench haben viele auch mit Steuerfragen zu kämpfen, die mit dem Umzug verbunden sind. „Die Leute sind sehr unglücklich mit der Qualität der Steuerberatung, die sie erhalten“, erzählt der Anwalt. „In einigen Fällen unterliegen die Leute, die umziehen, recht unterschiedlichen und potenziell deutlich höheren Steuern – besonders wenn ihre Partner in Großbritannien bleiben oder in ein anderes Land gehen.“

Die Probleme rund um den Wechsel seien sehr komplex, meint Begbie-Clench. Durch die geringe Zeit, die ihnen für die Entscheidung bleibt, könnten sich die Betroffenen kaum einarbeiten. Wer seinen neuen Vertrag nicht fristgerecht unterzeichnet, droht vor die Tür gesetzt zu werden.

Die Banken haben allerdings gute Gründe auf das Gaspedal zu treten. „Die Zeit läuft ab und die meisten Banken wollen einfach wissen, wer wechselt und wer nicht – besonders in den Sales-Teams“, erzählt ein Headhunter, der anonym bleiben möchte. „Wir werden in den kommenden zwei oder drei Wochen noch mehr von diesen Deadlines sehen.“

Wenn die übrigen Banken ihre neuen Verträge vorlegen, könnten sich die Bedingungen von BNP Paribas sogar als vergleichsweise großzügig erweisen. Laut Headhuntern fallen die Gehälter üblicherweise in Paris um 30 Prozent geringer als in London aus. Falls dies zutreffen sollte, würden die Ex-Londoner-Mitarbeiter mit einem Abschlag von 20 Prozent womöglich immer noch besser abschneiden als die Leute, die ihr gesamtes Arbeitsleben in Paris verbracht haben. Damit steigt aber auch die Gefahr, dass sich die alten Pariser Mitarbeiter über eine Zweiklassengesellschaft beschweren. Laut einem Pariser Headhunter erhöht die BNP Paribas aus diesem Grunde bereits Gehälter in der französischen Hauptstadt.

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