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GASTBEITRAG: Wieso es die meisten Banker nicht zum Managing Director bringen

Becoming an MD in banking

Im Investment Banking gibt es zwei Kategorien von Juniors: die mit einem Blick auf das große Ganze und die, die nur das sehen, was sich vor ihrer Nase auf dem Bildschirm tut. Einmal dürfen Sie raten, wer es von beiden bis zum Managing Director (MD) bringt…

Als ich noch selbst als MD für Goldman Sachs gearbeitet habe, sind mir diese beiden unterschiedlichen Typen von Associates ständig über den Weg gelaufen. Viele saßen auf ihrem Hosenboden und haben Präsentationen und Modelle erarbeitet. Wenige haben indes hinterfragt, was in ihrem Sektor vor sich ging, was ihre Kunden wirklich benötigten und wie sie ihnen dabei helfen konnten. Sie wollten den Kontext verstehen; sie wollten verstehen, wohin sie gehören.

Indem sie das große Ganze gesehen haben, kannten sie auch das Schlachtfeld. Und sobald man das Schlachtfeld übersieht, kann man seine eigene Strategie entwickeln. Wer als junger Banker erfolgreich sein möchte, muss die Angelegenheit strategisch angehen. Sie müssen Ihre internen und externen Netzwerke ausbauen, mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten und Ihre Zeit und Energie auf die richtigen Projekte konzentrieren.

Die strategischsten Associates hatten das Szenario von A bis Z durchgeplant – inklusive diverser Eventualitäten. Sie haben vier bis fünf Schritte vorausgedacht und die Folgen antizipiert, die ihre Maßnahmen in dem Unternehmen auslösen würden. Beispielweise haben sie vorausgesehen, dass ein ertragsreiches Projekt hereinkommen werde. Anstatt darauf zu warten, diesem Projekt zugeordnet zu werden, haben sie alles daran gesetzt, dass dies auch tatsächlich eintritt. Sie haben mit den Projektverantwortlichen gesprochen und ihnen dargelegt, wie gut sie dafür geeignet wären. Sie haben ihre Einblicke in ihre Gespräche mit den MDs einfließen lassen. Sie haben ähnliche Projekte herausgesucht und ihre Recherchen ihrem Chef vorgelegt. Sie besaßen ebenfalls das hierzu erforderliche Netzwerk.

Die besten jungen Investmentbanker haben ihre Fehler auch frühzeitig eingestanden, Feedback angenommen und daraus gelernt. Sie sind früh und häufig gescheitert, aber daran gewachsen. Die schlimmsten Banker sind hingegen jene, die niemals ihre Unvollkommenheit einsehen. Als ich noch bei Lehman Brothers gearbeitet habe, hatte ich einen Associate, der sich genau so verhielt. Sein Ego war groß und ständig hat er erzählt, was ein großartiger Kerl er doch sei. Dabei unterliefen ihm stets Fehler, aber er war nicht bereit, aus ihnen zu lernen. Er war allerdings schlau, konnte das große Bild sehen und dachte strategisch. Dennoch konnte er keine Fehler eingestehen und aus ihnen lernen. Er wechselte als Vice President bei Lehman Brothers zum Associate bei Jefferies. Er kletterte also die Karriereleiter hinab.

Interessanterweise sind es heute genau diese beiden Eigenschaften – das große Ganze zu sehen und Fehler einzugestehen, die gute Unternehmer auszeichnen. Wenn mir junge Banker erzählen, sie wollten das Banking verlassen und Unternehmer werden, dann sage ich ihnen, dass das gar nicht erforderlich ist. Auch in den Finanzdienstleistungen können Sie unternehmerisch denken und handeln. Solche Leute werden sukzessive befördert, während die anderen sich langsam aus der Branche verabschieden. Ein guter junger Investmentbanker gibt tatsächlich einen ebenso guten Unternehmer ab. Es dreht sich alles um die gleichen Kompetenzen und Einstellungen.

Der Autor arbeitete als Managing Director bei Goldman Sachs und bloggt auf „What I Learned on Wall Street“ (WilowWallStreet.com).

 

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