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Noch steht die Deutsche Bank zu ihrem Bonusversprechen für 2017

Financial Towers, Deutsche Bank at Dusk, Frankfurt

Die Deutsche Bank würde gerne als Bank gesehen werden, die wie Barclays kräftig einstellt. So versandte der Konzern in der vergangenen Woche eine Pressemitteilung, der zufolge die Bank den ehemaligen Goldman Sachs-Partner Paul Huchro angeheuert hat. In den vergangenen anderthalb Jahren habe das Institut rund 40 Sales- and Trading-Experten in Europa und den USA eingestellt. Eigentlich eine beeindruckende Zahl. Allerdings…

… muss die Deutsche Bank nicht wie Barclays verlorene Zeit gutmachen. Während die britische Großbank unter Jes Stale einen Einstellungsstopp von zwei Jahren verkraften musste, waren es bei der Deutschen Bank gerade einmal vier Monate. Leider macht Barclays keine genauen Angaben zur Beschäftigung in ihrem Investment Banking. Allerdings gelang es Staley allein in den ersten neun Monaten 2016 rund 13.600 Stellen in der Bank abzubauen. Dagegen hat die Deutsche Bank es lediglich geschafft, von 2015 bis Ende Juni 2017 184 von 17.100 Front Office-Stellen in ihrer Investmentbank einzusparen. Doch kann sich der Konzern die Neueinstellungen überhaupt leisten? Schließlich beläuft sich die Kostenquote in ihrer Investmentbank auf 83 Prozent, während es bei Barclays nur 70 Prozent sind. Davon scheint Konzernchef John Cryan überzeugt zu sein.

Einige der Trader und Senior Investmentbanker dürften daran indes zweifeln. Immerhin mussten die meisten von ihnen vom Vice President aufwärts auf ihren Bonus für das vergangene Jahr verzichten. Auch Mitarbeiterbindungsprogramme scheinen nicht das zu halten, was sie versprochen haben. Die Deutsche Bank hat zwar angekündigt, für 2017 wieder einen Bonus zu zahlen, die Geschäftszahlen spiegeln dies jedoch nicht wider. Vielmehr ist der Personalaufwand im ersten Halbjahr um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Die Neueinstelllungen der jüngsten Zeit dürften sich zu Jahresende ebenfalls in den Kosten bemerkbar machen.

Die Deutsche Bank wollte hierzu keine Stellungnahme abgeben. Dennoch scheinen Vice Presidents und Managing Directors immer noch optimistisch zu sein, was die Boni für 2017 angeht. „Ich habe mit dem Management gesprochen. Bislang kennen sie noch nicht die Größe des Bonustopfs, allerdings gehen sie davon aus, dass wir wie in einem normalen Jahr bezahlt werden“, erzählt ein Aktienhändler. „Um ehrlich zu sein, hoffen wir, dass es etwas mehr als im vergangenen Jahr geben wird.“

Unterdessen berichtet ein Investmentbanker, dass es noch keine formale Kommunikation zu den Boni gegeben habe. Dennoch gebe es eine „implizite Übereinkunft“ mit dem Management, wonach für 2017 ein Bonus gezahlt werde. „Andernfalls wären die Mitarbeiter sehr enttäuscht“, ergänzt er. Führende Investmentbanker gehen immer noch davon aus, dass die Aussage des damaligens Finanzchefs Marcus Schenk weiterhin gilt, wonach die anstehende Bonusrunde wieder „normal“ ausfallen werde.

Etwas mehr Klarheit werden wohl erst die Ergebnisse für das dritte Quartal bringen, die die Deutsche Bank am Freitag (27. Oktober) vorstellen möchte. Die glanzlosen Ergebnisse der US-Banken sprechen dafür, dass auch die Deutsche Bank-Zahlen nicht glorreich ausfallen. Angesichts bescheidender Ergebnisse und des Drucks der Aktionäre könnte sich Cryan gezwungen sehen, abermals an der Bonusschraube zu drehen. Die einfachste Lösung wäre wohl die Boni der Managing Directors zurechtzustutzen. Bei einer folgenden Kündigungswelle würde der Konzern überdies noch teure Abfindungen einsparen. Doch vorerst können sich die Investmentbanker der Deutschen Bank damit trösten, dass die jüngsten Neueinstellungen wie Huchro wohl keine Garantiboni erhalten haben. Denn viele von ihnen waren vorher unbeschäftigt.

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