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„Die IT-Abteilungen von Banken mutieren zu bürokratischen Albträumen“

Businesswoman is cut Free from bureaucratic red tape.

Ich habe meinen ersten Job im Banking angetreten. Ich will mich zwar nicht selbst loben, aber ich gehöre zu den Leuten, die Banken verzweifelt suchen. Denn ich kann Digitalprojekte leiten, beherrsche die meisten modernen Programmiersprachen und habe bereits Produkte in anderen Branchen an den Start gebracht, über die Banken erst jetzt nachzudenken beginnen. Doch nach zwei Jahren im Banking habe ich die Nase voll.

Mich stört nicht die legere Kleidung im Büro, das Schreiben auf Whiteboards, die agilen Arbeitsmethoden oder der kostenlose Erhalt von Früchten. Vielmehr spielen Banken die Klaviatur richtig, um IT-Spezialisten anzuziehen. Dennoch hängt eine große, bedrohliche Wolke über der gesamten Branche: die Bürokratie. Leider handelt es sich nicht um etwas, das die Banken leicht abstellen könnten. Es stellt einen Teil ihrer DNA dar, die durch ihre Adern fließt und ihre ganze Funktionsweise bestimmt.

Wenn ich zurückdenke, welche Projekte ich im vergangenen Jahr durchzusetzen vermochte, dann stellt sich bei mir Frustration ein. Um ehrlich zu mir selbst zu sein: Meine Ergebnisse in den vergangenen zwölf Monaten wären in einer anderen Branche innerhalb von vier Wochen erreichbar gewesen. So etwas ist wirklich deprimierend. Auch wenn die Bezahlung üppig ausfällt, bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich den mangelnden Fortschritt meiner Projekte noch länger ertragen kann.

Mir ist bewusst: Banken sind riesige multinationale Konzerne, die mehr Regularien unterliegen als sich die meisten überhaupt vorstellen können. Dies führt dazu, dass sie sehr vorsichtig sind, grünes Licht zu erteilen. Aber als IT-Experte, der an den Druck von Deadlines gewohnt ist, ist es schon sehr frustrierend und befremdlich darauf zu warten, bis eine ganze Reihe von Leuten ihr OK gibt. Die Banken sind die Könige des komplexen Managements: Selbst unwichtigste Entscheidungen müssen von mehreren Personen abgesegnet werden, was einfach nur auf eine gigantische Zeit- und Geldverschwendung hinausläuft. Meiner Meinung nach sollten wir bezahlten werden, um etwas voranzubringen. Stattdessen verbringen wird unzählige Stunden damit, Papier hin- und herzuschieben und darauf zu warten, dass sich das Management zusammensetzt. Selbst wenn einmal etwas abgesegnet worden ist, besteht immer die Gefahr, dass die Entscheidung zurückgenommen wird.

Dabei zerfallen die Mitarbeiter in zwei Fraktionen: Entweder kümmern sie sich intensiv um den Papierkram und versuchen das Management verzweifelt von der Dringlichkeit des Projektes zu überzeugen oder sie geben einfach auf, starren den ganzen Tag auf ihre Bildschirme oder spielen mit ihrem Smartphone, bis irgendwelche Arbeit auf ihrem Tisch landet.

Für Banken, die angeblich die besten und hellsten Köpfe anlocken wollen, stellt das schon ein ernsthaftes Problem dar. Ich kenne eine Reihe von Leuten, die einfach gekündigt haben und zu Fintech-Unternehmen gegangen sind. Das stellt zwar einen riskanten Schritt dar und auch die Bezahlung fällt niedriger als bei Banken aus, aber wenigstens können sie wieder tatkräftig an einem Projekt arbeiten, Probleme lösen oder neue Produkte schaffen. Die Banken müssen unbedingt ihre Funktionsweise reformieren, wenn sie nicht ausgerechnet ihre besten Mitarbeiter verlieren wollen. Mein kurzer Ausflug in die Bankenwelt ist jedenfalls vorbei, zwar bleibe ich der IT treu, aber in einem anderen Sektor.

Bei Graham Mansfield handelt es sich um ein Pseudonym. Kürzlich hat er eine Führungsrolle in der IT einer großen Investmentbank im Londoner Finanzzentrum Canary Wharf aufgegeben.

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