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Gastkommentar: Wechselbereitschaft deutscher Investmentbanker

David Howell, Managing Partner und Mitgründer der Londoner Executive Search-Firma EM Group, beobachtet einen Mentalitätswechsel junger deutscher Investmentbanker beim Jobwechsel.

In Deutschland hat ein häufiges Wechseln des Arbeitsplatzes keine große Tradition. Noch in den Neunziger Jahren war es üblich, dass ein deutscher Angestellter 10 Jahre und länger bei einem Arbeitgeber blieb, um Stabilität und auch Loyalität gegenüber dem Brötchengeber zu zeigen. Noch heute wird das zu häufige Wechseln des Arbeitgebers sowohl von Arbeitgebern als auch von den Arbeitnehmern selbst als negativ angesehen – auch unter Bankern.

Doch deutsche Investmentbanker beginnen, die Arbeitsmodelle ihrer britischen oder US-amerikanischen Arbeitskollegen in Bezug auf die Bereitschaft, regelmäßig ihre Jobs zu wechseln, zu übernehmen. Dazu mag beitragen, dass immer mehr junge deutsche Investmentbanker mit einer international orientierten Ausbildung ins Berufsleben starten.

Besonders junge Ostdeutsche sind in punkto Fremdsprachen hervorragend ausgebildet und können oftmals internationale Praktika vorweisen. Darin zeigt sich die Bereitschaft, wettbewerbsfähig zu sein und Top-Positionen einnehmen zu wollen. Die meisten Deutschen haben inzwischen eingesehen, dass ein Wechsel des Arbeitgebers nach zwei bis drei Jahren nicht nur absolut akzeptabel ist, sondern auch finanzielle Zugewinne bringen kann und das Erklimmen der Karriereleiter erleichtern kann.

Bodenständig und heimatverwurzelt

Auf der anderen Seite sind die Deutschen traditionell bodenständig und heimatverwurzelt. Daher gibt es durchaus die Tendenz, zwar beruflich flexibel zu sein, jedoch nur innerhalb einer bestimmten Region. Selbst Umzüge zwischen den Finanzzentren waren nicht immer eine Selbstverständlichkeit: Arbeitgeber hatten es schwer, Kandidaten dazu zu bewegen, von Hamburg nach Frankfurt oder von Frankfurt nach München zu ziehen. Und Pendeln ist in Deutschland teuer und zeitaufwändig.

Hinzu kommt, dass die Deutschen mit Mitte Zwanzig anfangen, Häuser zu bauen um einer Familie Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Beim Versuch, einen deutschen Banker zum Umzug zu bewegen, muss man daher damit rechnen, dass viele Kandidaten nach einem finanziellen Ausgleich für eine doppelte Haushaltsführung fragen, um so neben einer Mietwohnung am Arbeitsort das eigene Zuhause behalten zu können.

Ein neuer positiver Trend kommt aus den neuen Bundesländern, wo die Chancen auf qualifizierte Jobs geringer sind. Viele junge Ostdeutsche zwischen 25 und 35 Jahren sind bereit, für einen neuen Job einen Umzug in Kauf zu nehmen. Londoner Banken raten wir, sich auf der Suche nach deutschen Bankern insbesondere hier umzusehen, da die Wahrscheinlichkeit größer ist, die Bereitschaft zu finden, beispielsweise nach London zu ziehen, wo sie von niedrigeren Steuersätzen und wertvollen internationalen Erfahrungen profitieren können – mehr als sie von einem Umzug innerhalb Deutschlands erwarten können.

Insgesamt ist festzustellen, dass deutsche Banker inzwischen bereit sind, überall in Europa zu arbeiten. Die neue Generation der Deutschen ist weltoffen und sieht den Nutzen von Auslandsaufenthalten für die berufliche und persönliche Entwicklung. Sie wissen, dass deutsche Banken inzwischen Kandidaten mit internationalen Erfahrungen bevorzugen. Wenn es in Frankfurt keine beruflichen Herausforderungen mehr gibt, werden Orte wie die Schweiz aufgrund des Gehaltsniveaus und des Lebensstandards attraktiv. Auch London steht aufgrund der erreichbaren Gehälter und der Karrierechancen ganz oben auf der Liste.

Kommentare (1)

Comments
  1. Sehr geehrter Herr Berkenkopf,

    ich gehe vollkommen konform mit Ihrer Meinung. Sie stellen meiner Meinung nach absolut richtig die Zusammenhänge dar.
    Ein kleines Fragezeichen steht meiner Meinung nach lediglich über Ihrem vorletzten Absatz.

    Nach meinem Kenntnisstand sind auf nationaler Ebene die wenigsten Investmentbanker im Ostteil der Republik angesiedelt. Wenn Londoner Banken jedoch vermehrt dort suchen sollen, dann gibt es ausgesprochen wenige Institute, die diesem Anspruch gerecht werden und solche Leute hervorbringen. Diese wären dann folglich nach wenigen Tagen “leergekauft”.
    In unseren nationalen Finanzzentren ist es nur schlicht unmöglich, ad hoc auf die Ostdeutschen unter uns zu kommen, denn meist erkennt man diese ja kaum an der Nasenspitze! :-)

    Wie sollen die ausländischen Banken oder Recruiter das denn bewerkstelligen?

    Einigen wir uns am besten darauf, dass die Flexibilität außerordentlich groß geworden ist- unabhängig vom Geburtsort. Das liegt, wie Sie schreiben, am potentiellen Karriereschub und auch sicherlich an Verdienst (-aussichten) und den zu leistenden Abgaben. Mir fallen noch viele Gründe ein … !

    Viele Grüße

    Ihr

    Björn Graf

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