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GASTBEITRAG: Junge Investmentbanker sind Kanonenfutter

Das muss nicht sein.

Das muss nicht sein.

Falls Ihnen gleich nach der Uni der Einstieg bei einer Top-Investmentbank gelungen ist, dann können Sie sich offensichtlich durchsetzen. Sie bringen einen anständigen Abschluss von einer renommierten Uni mit und haben auch sonst vieles richtig gemacht. Vielleicht halten Sie sich sogar für etwas Besseres? Doch sind Sie das auch? Womöglich gehören Sie auch nur zu den selbstverliebten Millennials, die sich durchzuwurschteln vermochten.

Aber ich möchte Ihre Illusionen nicht zerstören. Dennoch dienen Analysten in einer Investmentbank oft als Kanonenfutter. Ihnen obliegen die einfachen Tätigkeiten, die demnächst sowieso automatisiert werden. Von dem Gerede, Sie seien etwas Besonderes und Ihnen gehöre die Zukunft, sollten Sie sich nicht täuschen lassen. Schließlich werden alljährlich zahllose Leute wie Sie eingestellt, von denen rasch ein Drittel wieder verschwindet – freiwillig oder nicht.

Ich hoffe, ich konnte Ihr Selbstvertrauen zumindest ein wenig erschüttern. Denn nichts ist schlimmer als ein Investment Banking-Analyst in seinem ersten Jahr mit einem übersteigerten Selbstwertgefühl. Wer das nicht beachtet, der wird unweigerlich Schiffbruch erleiden.

Wer es in der Branche weit bringen möchte, muss seine Babyjahre in der Branche detailverliebt arbeiten, absolut zuverlässig und motiviert sein. Sie müssen sich eingestehen, dass Sie nichts wissen und alles von der Pike auf lernen müssen. Sie müssen professionell agieren und akzeptieren, dass Sie zunächst nicht viel mit den Großverdienern zu tun haben werden. Auch sollten Sie ein plötzliches Karriereende einkalkulieren.

Zunächst müssen Sie sich selbst beweisen. Sie können nicht einfach einsteigen und glauben, Sie seien etwas Besonderes. Alle sind ersetzbar, auch Sie. Falls Sie sich allerdings bei Transaktionen beweisen und ernsthafte Fehler vermeiden, dann sollten Gehalt und Verantwortung steigen. Um die Karriereleiter letztlich hinaufzuklettern, müssen Sie sich jedoch zuerst abrackern.

Vielleicht haben Sie das nicht erwartet und gehofft, früher mit Kunden zu arbeiten? Doch wieso sollte jemand einen Nachwuchsbanker auf Kunden loslassen, die für Provisionen in Höhe von 10 Mio. Euro stehen? Das Risiko fällt einfach zu groß aus. Kunden sind kein Testgelände, auf dem sich junge Banker beweisen können.

Daher sollten Sie sich in Bescheidenheit üben. Sie müssen lernen unter ungeheurem Druck effizient zu arbeiten, Sie müssen sich gut in Finanzmodellierung und Excel auskennen und Sie müssen zu einem Experten in der Produktion tadelloser Verkaufspräsentationen, den „Pitch Books“, werden. Wenn Sie im Kapitalmarktgeschäft beschäftigt sind, dann sollten Sie sich mit sämtlichen Finanzierungsweisen und –vehikeln gut auskennen und genau wissen, wie diese funktionieren.

Die meisten Banken streben derzeit offiziell an, die Arbeitsbelastung ihrer jungen Investmentbanker zu senken. Dennoch müssen Sie bereit sein zu arbeiten, wenn ein Kunde am Samstagmorgen anruft und seinen Milliardendeal am Montag ausgeführt sehen will. Kunden interessiert Ihre Arbeitsbelastung überhaupt nicht. Schließlich zahlen sie dafür. Da muss man auf sein Wochenende und seinen Urlaub verzichten können. Darüber hinaus haben erstklassige Kunden keinen Bedarf an Bankern, auf die sie sich nicht völlig verlassen können. Ansonsten sind Sie rasch Geschichte – auch wenn Sie es noch nicht wissen.

Bei Philippe Ersatz handelt es sich um ein Pseudonym. Früher war er als Führungskraft im Geschäft mit Aktienemissionen (Equity Capital Markets) beschäftigt.

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