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Auch Citi plant Jobverlagerung nach Frankfurt: Was über die Brexit-Pläne der Banken bekannt ist

citigroup compliance

Spekulationen über Spekulationen. Bei den Verlagerungen von Arbeitsplätzen von London in die Rest-EU ist kaum etwas entschieden, dennoch wird munter geplant. Doch wichtige Entscheidungen weisen meist einen entsprechenden medialen Vorlauf auf. Jetzt spricht sich auch die Citigroup kaum verholen für eine Teilverlagerung von der Themse an den Main aus.

Citi: Gute Chancen für Frankfurt

Jim Cowles, Chef des Geschäfts für Europa, den Mittleren Osten und Afrika macht in einem FAZ-Gespräch Frankfurt große Hoffnungen. „Deutschland zählt zu unseren Favoriten“, sagte Cowles. Er kündigte eine baldige Entscheidung an. „Wir müssen die Frage bis zur Jahresmitte klären.“

Cowles lobte vor allem die „Professionalität“ der deutschen Finanzaufsicht BaFin. „Sie hat die notwendige kritische Masse – eine breite Expertise und eine ausreichende Größe“, sagte Cowles. Doch Frankfurt sei nicht der einzige Kandidat. „Wir führen Gespräche mit den Aufsichtsbehörden in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Irland, den Niederlanden und Luxemburg.“ Es gebe 25 Auswahlkriterien, zu denen u.a. Verfügbarkeit an Arbeitskräften, Wohnungen und internationale Schulen zählen.

Im Gespräch ist eine Verlagerung von wenigen hundert Arbeitsplätzen. Da Citi am Main aber nur rund 370 Mitarbeiter beschäftigt, würde diese eine signifikante Erhöhung bedeuten.

Cowles unterstrich, dass die Bank nicht das Risiko eingehen wolle, die Ergebnisse der Brexit-Verhandlungen abzuwarten. „Wir lassen uns gerne positiv überraschen. Aber wir planen für einen harten Brexit“, sagte Cowles. „Das ist der worst case, und ich bin der Meinung, dass wir uns auf diesen einstellen müssen.“

Einen Vorzug von Frankfurt gegenüber London, aber auch gegenüber Standorten wie Paris und Luxemburg, dürften die vergleichsweise niedrigen Kosten darstellen. So betonte Michael Lavelle, Vize-Chef des Corporate and Investment Banking der Citi bereits Ende 2016: „Es gibt kosteneffizientere Standorte als London, um Leute anzusiedeln und auch aus ihrer Perspektive fallen die Lebenshaltungskosten niedriger aus.“

Goldman Sachs: Lauwarmes Dementi zu Verlagerungsplänen nach Frankfurt

Bereits im Januar hatte das Handelsblatt berichtet, Goldman Sachs wolle 1000 Mitarbeiter nach Kontinentaleuropa verlagern. Im Gegenzug solle in London die Beschäftigung von noch 6500 auf künftig 3000 abgespeckt werden. Betroffen seien namentlich Sales & Trading für europäische Kunden sowie die erforderlichen Compliance-Positionen. Ein – allerdings lauwarmes – Dementi folgte umgehend. Noch sei nichts entschieden, hieß es von Goldman Sachs damals.

Doch laut Insidern plane die US-Investmentbank weiterhin einige hundert Mitarbeiter nach Frankfurt zu verlegen. Die Zahl 1000 sei allerdings zu hoch gegriffen. Von der Verlagerung könnten indes auch andere Goldman Sachs-Standorte in der Rest-EU profitieren. Außerdem spiele Goldman mit dem Gedanken, Leitungsfunktionen von London zurück nach New York zu verlagern. Angesichts der modernen Kommunikations- und Verkehrsmittel sei eine Konzentration an einem Hub wie London nicht länger erforderlich.

Morgan Stanley: 300 Jobs für Frankfurt oder Dublin

Der Endspurt um die ersten 300 Brexitjobs scheint zwischen Frankfurt und Dublin ausgefochten zu werden. Insider haben der Nachrichtenagentur Bloomberg verraten, dass sich die US-Investmentbank in beiden Städten nach zusätzlichen Büroraum umschaue. Eine von beiden Städte werde das Rennen wohl machen.

UBS: Ermotti nährte Spekulationen in Davos

Während einigen US-Banken nachgesagt wird, sie könnten ihre Eurozonen-Geschäfte in einer Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bündeln, hat die Schweizer Großbank mit der Schaffung der UBS Europe SE in Frankfurt bereits Fakten geschaffen. Offiziell dient dieses Vehikel zunächst nur dazu, die Wealth Management-Aktivitäten der Großbank in der Eurozone zu bündeln. Allerdings verfügt die Europe SE mit Stefan Winter auch über einen eigenen Investment Banking-Vorstand, womit die organisatorischen Voraussetzungen für weitere Verlagerungen bereits geschaffen wurden.

Ebenfalls bereits im Januar hat UBS-Chef Sergio Ermotti beim Weltwirtschaftsforum in Davos seine Qualitäten als Orakel zur Schau gestellt. Die Bank beschäftige in London noch rund 5000 Mitarbeiter, von denen 20 bis 30 Prozent vom Brexit bedroht sein könnten – macht also gut 1000 potenzielle Jobs für die Rest-EU. Zu den möglichen Fluchtzielen sagte der Tessiner: „Wir haben einen Frankfurter Standort, wo wir unsere Wealth Management-Aktivitäten gebündelt haben und nicht nur das… Wir verfügen über den Rahmen und die Infrastruktur, die bei Bedarf ausgebaut werden können.“ Allerdings betonte auch Ermotti, dass noch nichts entschieden sei: „Wir brauchen einen höheren Grad an Sicherheit, andernfalls könnte es extrem teuer werden.“

Bei HSBC wird Frankfurt wohl Paris unterliegen

Weiter scheinen die Brexit-Pläne der britischen Großbank HSBC gediehen zu sein. „Der Plan sieht aktuell vor, dass wir in den kommenden beiden Jahren sukzessive 1000 Jobs von London nach Paris verlagern könnten – entsprechend den Fortschritten der Verhandlungen“,  zitiert die französische Zeitschrift Le Point aus einer aktuellen Meldung der Bank an die Börse in Hongkong. Damit sinken die Chancen, dass auch die deutsche Tochter HSBC Trinkaus in Düsseldorf etwas vom Brexit-Stellensegen abbekommt.


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