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„Meine Frau brachte mich dazu, das Trading aufzugeben“

Wife trader

Man kann Nick Segrue nicht vorwerfen, es nicht ernsthaft versucht zu haben. Nach einem Praktikum bei der Royal Bank of Scotland und fünf Jahren als Trader festverzinslicher Wertpapiere bei Marex Spectron in London, wechselte er ins Headhunting – spezialisiert auf Fixed Income-Experten. Schließlich rang er sich dazu durch, die Branche vollständig zu verlassen.

„Um ehrlich zu sein: Meine Lebensgefährtin sagte mir, dass ich meine Trading-Karriere nicht weiterverfolgen dürfe“, erzählt Segrue. „Wir wollten ein Baby und das passte nicht zu meiner Arbeit als Trader.“

Trading stellt einen sehr zeitaufwendigen Beruf dar. Hedgefonds-Manager Greg Coffey ließ beispielsweise seine Bildschirme an jeden Ort bringen, zu dem er reiste – auch während des Familienurlaubs. 2012 gab er schließlich seinen Job auf, um mehr Zeit für seine Frau und seine Kinder zu haben. Doch in Segrues Fall ging es gar nicht um die Zeit, die er mit dem Traden verbrachte. Vielmehr stellte sein sozialer Umgang das Problem dar, der mit dem Traden verbunden war.

„Das fällt von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich aus, aber in den meisten Handelssälen herrscht eine sehr kollegiale Atmosphäre“, sagt Segrue. „Sie beginnen um 6.30 Uhr und sie gehen um 18.30 Uhr mit 15 anderen Leuten aus Ihrem Team einen trinken. Es gab Nächte, in denen ich bis 3.30 Uhr in der Früh unterwegs war und oft kam ich unter der Woche um 23.30 Uhr nachhause.“

Die ausgewachsene Trinkkultur kann sowohl bei Sales- als auch in Trading-Jobs zu einem Problem werden. In Sales wird von Ihnen erwartet, mit Ihren Kunden einen trinken zu gehen und im Trading mit Ihren Kollegen oder Brokern. „Das beginnt schon bei den Einstiegsprogrammen“, sagt Segrue. „Zunächst herrscht die Erwartung, dass Sie mit Ihrem Team losziehen und sie machen dabei mit, um keine Beförderungschance zu verpassen.“

Segrue gab das Trading 2013 auf. Ein weiteres Jahr verbrachte er als Headhunter, in dem er Experten fürs Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren vermittelte. Dann verließ er die Branche endgültig. „Ich dachte, bei der Personalberatung handle es sich um eine einfachere Option und dass ich meine Trading-Kontakte nutze könne“, erzählt er. „Aber im Headhunting gibt es weitaus weniger Geschäft als in der Vergangenheit und viel zu viele Leute streiten sich um den kleineren Kuchen.“

Heute arbeitet Segrue für CaretoShare, einer Website für den Austausch von Kompetenzen, die er entwickelt hat, als er noch in der Personalverbindung arbeitete. Die Seite erlaubt den Nutzern ohne Geldleistungen gegenseitig Kompetenzen auszutauschen wie z.B. für Renovierungsarbeiten. Die Website hat bereits 1000 User und befindet sich inmitten eine Crowdfunding-Kampagne, um ihr Geschäft auszubauen.

Unterdessen bedauert es Segrue nicht, den Handelssaal verlassen zu haben. „Es ist gut, wenn Sie jung und ungebunden sind“, meint er. „Aber es wird zu einem Problem, wenn Sie ein Leben außerhalb der Arbeit haben wollen. Sie sehen diese kampfgestählten Leute, die 15 oder 20 Jahre hier arbeiten und sich über ihre schlechte Gesundheit beklagen und laut fragen, ob sie nicht ihren Alkoholkonsum einschränken sollten…. Ich habe mittlerweile eine Tochter und ich kann mehr Zeit mit ihr verbringen als wenn ich noch im Trading arbeiten würde.“

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