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GASTKOMMENTAR: Investmentbanking versus Management Consulting

Ich liebe das Investmentbanking und ich war in meinem früheren Leben ein ebensolcher Banker. So werde ich jetzt nicht zu einer Orgie der Banker-Beschimpfung ansetzen.

Ich habe jeden Moment meiner Zeit als Investmentbanker Spaß gehabt und genossen (ich bin an dieser Stelle nicht sarkastisch): die langen Arbeitszeiten, die engen Deadlines, die Arroganz, die Oberflächlichkeit und sogar der sonderbar verrückte Direktor (der offenbar in seinem Büro einige Jahre zu lange gefangen war).

Doch nachdem ich einige Jahre im Investmentbanking (aber nicht zu viele) verbracht habe, habe ich mich dazu entschlossen, ein wenig vom Consulting-Leben zu kosten. Meine Mitinvestmentbanker konnten natürlich nicht verstehen, wieso jemand ausgerechnet ins Consulting wechselt – insbesondere wenn man nicht freigesetzt oder rausgeschmissen worden ist. Ihrer Meinung nach handelt es sich beim Consulting um einen Rückschritt. Damals habe ich ihnen zugestimmt und lustigerweise bin ich auch heute noch dieser Meinung.

Doch nachdem ich diesen Schritt getan habe, habe ich festgestellt, dass es zumindest drei Aspekte im Consulting gibt, die ich empfehlen kann:

Work/Life Balance

In der gesamten Zeit, in der ich im Consulting arbeite, habe ich vielleicht zwei Wochenenden und eine Handvoll Nächte mit Arbeit verbracht – nicht weil ich das von irgendeinem Management Director hineingewürgt bekommen hätte, sondern weil ich im Herzen immer noch ein Investmentbanker bin und weil die richtige Arbeit nur nach dem Spielende eines normalen Arbeitstages geleistet werden kann.

Doch abgesehen von diesen Vorkommnissen war ich üblicherweise zwischen 17.30 und 19 Uhr zuhause. Falls es eine Deadline seitens des Kunden gab, dann wurde mir gesagt, das könne warten (natürlich nur, wenn der Kunde zustimmte – was alle taten).

Die Einstellung bestand schlicht darin, dass die Welt nicht zusammenbricht, wenn die Deadline verschoben werden muss. Und wieso sollte man arbeiten, wenn man doch im Pub sein könnte?

Seitdem ich im Consulting arbeite, habe ich mich niemals für eine Email oder eine Arbeit abgehetzt oder ein Fußballspiel am Sonntagmorgen zugrunde gerichtet, um ein Geschäftsmodell oder irgendeine andere Arbeit zu erledigen, die offenkundig auch bis Montagmorgen warten konnte.

Gehalt

Als ich den Schritt unternommen habe, wusste ich nur eins: Es gibt hier keine großen Boni. Aber nachdem ich die Angelegenheit durchgerechnet habe, konnte ich feststellen, dass ich mir für mein Landhaus zwar keinen Swimming Pool, aber immerhin das Landhaus selbst würde leisten können.

Die Basisgehälter bewegen sich um plus/minus 10 Prozent in der gleichen Gehalts- und Steuerklasse. Mein Bonus wird sicherlich niemals außerordentlich ausfallen, doch umgerechnet auf die Arbeitsstunde fällt mein Gehalt im Consulting höher aus als im Investmentbanking. Dabei bleiben die Boni allerdings unberücksichtigt, doch die Boni im Banking werden nicht mehr die gleichen sein wie in der Vergangenheit.

Das Kaliber der Kollegen

Der faszinierendste Aspekt am Consulting war die Entdeckung (und es schmerzt, das zu sagen), dass Consultants ein wesentlich kenntnisreicheres Völkchen sind und immer sein werden als Investmentbanker.

Sie mögen nicht so schlau und gerissen, aber auch nicht so arrogant wie die Investmentbanker sein, die ich in meinem früheren Leben kennengelernt habe, doch was ihnen an einem Alpha-Männchen fehlt, machen sie durch ihre profunde Branchenkenntnisse wett.

Ein Branchen-Zar in einer Investmentbank zu sein und als Bursche zu gelten, der sein gesamtes Leben dem Verständnis einer speziellen Branche widmet, ist sicherlich eine sehr erniedrigende Erfahrungen.

Gleich ob Energie- oder Telekommunikations-Branche – ich bin noch nie einem Investmentbanker begegnet, der ebenso viel über einen bestimmten Bereich wusste wie ein Consultant.

Ich denke, dass ist eben jener Punkt, an dem die Grenze gezogen werden muss. Investmentbanker müssen nicht viel wissen, um als Experte in irgendeiner Branche zu gelten. Solange sie eine Transaktion abwickeln, ist alles in Ordnung.

Dagegen nehmen Consultants ihre Fehler mit ins Grab. Sobald sie ein eigenes Urteil abgeben, ist ihr persönliches Ansehen betroffen. So müssen sie ihre Branche regelrecht verkörpern, um als Experten zu gelten. Falls Sie dieses vertiefte Wissen, vernünftige Arbeitszeiten und ein hohes Gehalt anstreben, dann sind sie zum Consultant geeignet. Falls Sie hohe Boni, hohes Ansehen und Alpha-Männchen als Gefährten wünschen, dann sind Sie ein Banker.

Kommentare (3)

Comments
  1. “Doch abgesehen von diesen Vorkommnissen war ich üblicherweise zwischen 17.30 und 19 Uhr zuhause.”

    Mir ist kein Consultant bekannt bei dem dies üblicherweise zutrifft….

  2. Mir schon, aber bestimmt nicht im M&A Umfeld!

  3. Ich würde gerne ebenfalls wissen in welchem Beratungsunternehmen man nur bis 17:30 oder gar 19:00 arbeitet… Zumindest bei den großen lautet die Devise eher bis 20:00 dann Abendessen, dann weiter arbeiten bis 00:00 oder auch länger! Im Hotel gibt es ja nicht besonders viel zu machen.

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