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Megathema Digitalisierung: Welche Trends 2017 in der Banking-IT vorherrschen

Leider ein vertrautes Bild in Banken.

Leider ein vertrautes Bild in Banken.

Neben dem Endlosthema Regulierung stellt IT den einzigen Bereich im Banking dar, wo viel und auf breiter Front eingestellt wird. Dieser Trend dürfte sich 2017 eher noch verstärken. Wir haben mit Personalberatern aus Frankfurt und Zürich über die aktuellen Entwicklungen und die begehrtesten Profile gesprochen.

Outsourcing, Insourcing oder beides?

„Seit 20 Jahren beobachte ich nun, wie die Banken mit dem Outsourcing der IT zu kämpfen haben“, berichtet IT-Headhunter Mark Dowsett von Stamford Consultants in Zürich. „Die Patentlösung scheint noch niemand gefunden zu haben. Ich kenne nur einen einzigen Manager, der sagt, dass es bei ihnen gut laufe.“

Das Outsourcing von Entwicklungsaufgaben nach Osteuropa oder Asien sei zwar kostengünstiger, aber anspruchsvoll. Die IT der Banken sei häufig komplex; unzählige Leute vom Geschäft, über Architekten bis hin zu den Entwicklern würden sich mit den Systemen beschäftigen. „Wenn Sie so viele Leute und eine so komplexe Problematik über Kontinente hinweg koordinieren müssen, dann stellt das schon eine enorme Herausforderung dar.“

Ganz ähnlich sieht das Personalberater Hans Mantell von Indigo Headhunters in Frankfurt: „Mit Outsourcing ist immer auch ein Knowhow-Verlust verbunden.“ Die räumliche Nähe von Entwicklung und Business stelle einen großen Vorteil dar. Die neuen agilen Projekt- und Entwicklungs-Methoden würden flexibles Arbeiten, enge Abstimmung und eine rasche Umsetzung einschließen. „Das fällt deutlich schwerer, wenn das Geschäft und die IT über Kontinente und Zeitzonen verteilt sind. Nicht zuletzt sind auch die regulatorischen Anforderungen an Banken im Bereich Outsourcing strenger geworden.“ Dies scheint auch bei einigen Banken angekommen zu sein. So hat die neue IT-Chefin der Deutschen Bank Kim Hammonds bereits vor Monaten angekündigt, wieder mehr intern erledigen zu wollen.

Finanzdienstleister verfolgten auch innerhalb der Organisation unterschiedliche Ansätze. So übernähmen mittlerweile externe Anbieter ganze Geschäftsprozesse von Banken über Business Process Outsourcing, was bei Aufgaben jenseits des eigentlichen Geschäfts wie z.B. IT-Support, Accounting, HR, Legal oder Procurement durchaus sinnvoll sein kann, sagt Mantell. Auf der anderen Seite werden in der Organisation verteilte und verwandte Aufgaben in Shared Service Centern gebündelt, was eher einem „internem Outsourcing“ gleicht.

Java-Programmierer immer noch begehrt

„In der Software-Architektur und -Entwicklung werden vor allem Spezialisten gesucht, die sich Front-to-Back im Java-Universum auskennen“, berichtet Mantell. Gute Entwickler, Architekten oder Projektmanager für Banken zu gewinnen, falle allerdings gar nicht so leicht. „Viele wollen eher zu FintTechs oder Technologie-Unternehmen gehen. Das ist einfach spannender für sie“, berichtet Mantell. Daher müssten Banken gerade auch in der IT an ihrem Employer-Branding arbeiten. Gefragt seien indes weniger die reinen Nerds, sondern „Professionals“ mit guten kommunikativen und methodischen Fähigkeiten – eine Kombination, die nicht leicht anzutreffen sei.

Megathema Cyber-Sicherheit

An Bedeutung gewinnt unterdessen die IT-Sicherheit. „Alle neuen Angebote wie Mobile-Banking oder integrierte Services bringen neue Schnittstellen mit“, erzählt Mantell. Und mit jeder neuen Schnittstelle gebe es auch einen weiteren potenziellen Angriffspunkt für Hacker. Kein Wunder, dass Experten für Cyber-Security derzeit bei Banken heiß begehrt sind.

Architekten

Bei der Deutschen Bank waren bis vor kurzem noch über 1000 IT-Lösungen im Einsatz – Effizienz sieht anders aus. Der Trend zur schlanken, standardisierten und kosteneffizienten IT-Strukturen halte an, sagt Mantell. Umso wichtiger seien Architekten, die verständen, wie sich die Anforderungen und Prozesse des Geschäfts sinnvoll in eine moderne und serviceorientierte Architektur (SOA) einfügen ließen.

Big Data auch 2017 gesucht

Die Banken stellen heute wahre Datenstaubsauger dar. Doch noch immer werden die Kundendaten nicht hinreichend genutzt, um neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die den jeweiligen Kundenbedürfnissen tatsächlich entsprechen. „Es genügt nicht, nur die Daten zu sammeln, sondern man muss sie auch zu nutzen verstehen“, sagt Mantell. Da hätten die Banken ihre Hausaufgaben noch lange nicht erledigt. „Die Daten müssen sinnvoll gebündelt und an den verschiedenen Kundenschnittstellen (Omnichannel) genutzt werden, um ein kundenzentrierten und maßgeschneiderten Service zu ermöglichen.“ Daher rechnet Mantell mit einer anhaltenden Nachfrage nach Experten für Smart Data.

Regulierung bleibt auch 2017 Topthema in der Banking-IT

Laut Dowsett werde die Umsetzung neuer Regulierungen wie die Anlegerschutzrichtlinie MiFID II und die neuen Eigenkapitalvorschriften nach Basel III in 2017 ein beherrschendes Thema für die Banking-IT darstellen. Die Implementation der neuen Regulierung sei noch längst nicht bewältigt.

Der Wandel muss in den Köpfen ankommen

Banken haben ohne Automatisierung und Digitalisierung keine Zukunft. „Wer jetzt noch nicht verstanden hat, dass die IT ins Business gehört, der wird Probleme bekommen“, prophezeit Mantell. Die Konkurrenz aus den FinTechs würde wesentlich schneller reagieren als die Banken, die darüber hinaus auch noch die Altlast veralteter und wartungsintensiver IT-Systeme im Back-End mit sich herumtrügen. Der Strukturwandel und die Transformation sei aber noch längst nicht bei allen im Tagesgeschäft angekommen. So mancher hätte die moderne Lösung bereits vor sich stehen, arbeite aber immer noch nach den alten Abläufen und Mustern. „Der notwendige Wandel muss daher intensiv kommuniziert und begleitet werden, um in den Köpfen anzukommen. Der Banker der Zukunft wird sicherlich ‚more tech-savvy‘ sein.“

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