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Aufsichtsbehörden umwerben Absolventen

Sie wollen einen Job im Bereich Finanzdienstleistungen? Von den USA bis Großbritannien, von Frankreich bis Deutschland, sucht die Finanzdienstleistungspolizei nach Nachwuchskräften.

Nie waren die Aufsichtsbehörden so beschäftigt wie heute. Nach Skandalen wie Enron, Parmalat oder dem umstrittenen Eurobond-Deal der Citigroup haben sie mehr als genug Arbeit, um beschäftigt zu bleiben. Kein Wunder also, dass viele von ihnen Maßnahmen ergriffen haben, um für Hochschulabsolventen interessanter zu werden.

Die britische Financial Services Authority (FSA) plant im Jahr 2005 die Einstellung von rund 60 Hochschulabsolventen, nach 46 im Vorjahr. Die US-amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) bot 2004 erstmals 50 Praktika für Studenten der Betriebs- Finanz- und Wirtschaftswissenschaften an. Als Ergebnis plant die Behörde die Festeinstellung von 25 Hochschulabsolventen in diesem Jahr.

Doch FSA und SEC sind nicht die einzigen, die Nachwuchskräfte umwerben. Seit sie 2002 gegründet wurde, hat die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mehr als 100 zusätzliche Kräfte eingestellt, viele davon Nachwuchskräfte. Zusätzlich bietet die Allfinanz-Aufsichtsbehörde mit Dienstsitzen in Bonn und Frankfurt jährlich rund 30 Ausbildungsplätze an.

L’Autorité des marchés financiers (AMF), die französische Aufsichtsbehörde, beschäftigt jährlich 30 Praktikanten für je 6 Monate. Jedes Jahr stellt sie 5 Nachwuchskräfte fest ein.

BaFin und AMF

Bewerber bei der BaFin kommen typischerweise aus den Bereichen Jura, Wirtschafts- oder Naturwissenschaften, berichtet BaFin-Sprecher Benjamin Fischer. Eine Arbeit bei der Aufsichtsbehörde ist laut Fischer auf keinen Fall die einfachste Möglichkeit. “Die Hürde für Leute, die sich hier bewerben, ist recht hoch: Es gibt viel mehr Bewerber als Jobs.”

Anfang des Monats kündigte die BaFin zusätzlich an, sich “personell und organisatorisch” auf weitere Aufgaben einzustellen. Einer diesen neuen Aufgaben wird die Prüfung sämtlicher Wertpapierprospekte einschließlich der Börsenzulassungsprospekte sein. Ab 1. Juli 2005 wird die Behörde voraussichtlich die Zulassungsstellen der Börsen als zentrale Stelle ablösen.

Claire Castanet, Personalchefin bei der AMF, berichtet, dass die französische Aufsichtsbehörde jedes Jahr lediglich 5 Nachwuchskräfte einstellt. Diese hätte typischerweise einen Masters- bzw. BAC 5-Abschluss in Jura, Finanzwissenschaft, Kapitalmärkten oder Rechnungswesen. Die französischen Trainees gehören dabei zu den am schlechtesten bezahlten: Sie erhalten lediglich rund 30.000 Euro.

Eigengewächse bei der FSA

Umesh Damiana, Leiterin der Absolventenanwerbung der FSA, berichtet, das Ziel der Aufsichtsbehörde sei es, rund 10 Prozent ihres Personals inhouse im Rahmen des Absolventenprogramms auszubilden. Derzeit seien es 5,5 Prozent.

Die FSA sucht Absolventen aller Fachrichtungen, sagt Damiana, solange sie einen guten Abschluss vorweisen können. Die Bezahlung mit Jahresgehältern von rund 38.150 Euro ist dementsprechend, zuzüglich eines einmaligen Lebenshaltungszuschusses von rund 1.440 Euro, das es dem neuen Personal erleichtern soll, sich in London niederzulassen. Dies entspricht Personalvermittlern zufolge in etwa den Einstiegsgehältern von Compliance-Spezialisten in Investmentbanken.

Das Trainee-Programm der FSA dauert zweieinhalb Jahre und beinhaltet das Durchlaufen verschiedener Abteilungen der Behörde sowie eine Station in der freien Wirtschaft. Nach Abschluss der Traineezeit bleibt eine erstaunliche Anzahl von Trainees an Bord. “Seit wir das Programm 1999 begonnen haben, sind nur 22 Leute abgesprungen”, berichtet Damiana stolz.

Die Station in der freien Wirtschaft am Ende der Traineezeit kann Damiana zufolge als ein Realitätstest betrachtet werden, der viele Kräfte davon abhält, dem Lockruf höherer Gehälter im Bankwesen zu folgen. “Wir können ihnen eine höhere Lebensqualität bieten. Die meisten kommen um 8.45 Uhr und gehen um 17 Uhr. Im Endeffekt ist es also ein Nine-to-Five-Job, und so etwas ist in der Finanzdienstleistungsbranche doch eher selten.”

Begehrte SEC

Die amerikanische SEC hat keine Probleme, Bewerber für ihre Trainee-Programme zu finden. 2004 bewarben sich rund 700 Absolventen auf 50 Plätze, berichtet Terri Ellison, Chef der Personalabteilung der amerikanischen Aufsichtsbehörde. Viele von ihnen haben einen sehr guten Abschluss.

Diese Studenten bewarben sich für das neue Summer Honours Business-Programm, dass auf angehende MBAs, Studenten in ihrem letzten Jahr mit ausgezeichneten Leistungen oder frisch Graduierte aus den Fachrichtungen Rechnungswesen, Finanz- und Betriebswirtschaft abzielt. “Wir wollten sehen, ob wir genügend junge Leute mit den entsprechenden Qualitäten anwerben können”, sagt Ellison. “Wir waren beeindruckt, welches Kaliber die Bewerber hatten.”

Den besten 25 Trainees wurden Plätze im nächsten zweieinhalbjährigen Trainee-Programm der SEC angeboten, das im Juni in Washington beginnt. Die Trainees werden dann ein Jahresgehalt von rund 60.000 US-Dollar (45.800 Euro) bekommen.

Links zu weiteren Informationen:

FSA-Karrieren: https://www.fsa.gov.uk/Pages/About/Careers/index.shtml

SEC-Karrieren: https://www.sec.gov/jobs.shtml

AMF: https://www.amf-france.org

BaFin: https://www.bafin.de

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