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PEINLICH: Commerzbank verliert Prozess um Millionen-Abfindung

Wie erwartet ist die Commerzbank vor Gericht mit Ihrem Versuch gescheitert, einem ehemaligen Dresdner Banker die zugesagte Millionenabfindung nachträglich mit Verweis auf die Millionenverluste zu verweigern.

Der 50 Jahre alte Kläger, Jens-Peter Neumann, zog es vor, dem Trubel im Frankfurter Arbeitsgericht fernzubleiben. Statt dessen genoss der frühere “Global Head of Capital Markets” der Dresdner-Investmentbanking-Tochter Dresdner Kleinwort diesen kalten Oktober-Tag lieber in seinem warmen Exil auf der Mittelmeerinsel Zypern.

Das Wiedersehen mit ehemaligen Kollegen wäre der Temperatur in Deutschland auch entsprechend frostig ausgefallen. “Herr Neumann hat schon genug Geld bekommen, er könnte gut darauf verzichten”, sagte der ehemalige Betriebsratschef der Dresdner-Bank-Zentrale, Hans Georg Binder.

Davon wollte Neumanns Anwältin Tanja Karhausen freilich nichts wissen. Das Minus habe “nicht viel zu tun mit der Leistung des Klägers”.

Der vorsitzende Arbeitsrichter Klaus Köttinger stellte in der Verhandlung fest, dass die Bank bereits einen Verlust von 2,9 Mrd. Euro erwartet hatte, als sie den Aufhebungsvertrag mit Neumann im Januar unterzeichnet hatte. Was für die Commerzbank nichts anderes bedeutete als eine öffentliche Ohrfeige.

“Es ist nicht erkennbar, dass die Ertragslage des Unternehmens in irgendeiner Form zur Geschäftsgrundlage des geschlossenen Aufhebungsvertrages erhoben worden war,” sagte Köttinger in typischem Juristen-Deutsch. Aus diesem ergebe sich vielmehr, dass die gesamten 4,5 Mio. Euro “als besondere Wertschätzung der Bank” gezahlt werden sollten, falls Neumann bis zum Abschluss der Übernahme bliebe.

Neumann, darf nicht nur den Garantie-Bonus von drei Mio. Euro behalten, sondern bekommt auch noch die vertraglich garantierte Abfindung von 1,5 Mio. Euro.

Dass gilt natürlich nur, wenn die teilverstaatlichte Bank ihren aus PR-Sicht populären, aber juristisch naiven Konfrontationskurs endlich aufgibt.

Unmittelbar nach der Urteilsverkündung wollte sich die Bank noch nicht geschlagen geben. Ob sich das Institut dem Urteil beugen oder tatsächlich in die Berufung gehen wird, ist nach Angaben von Banksprecher Martin Halusa noch unklar. “Wir werden das in wenigen Wochen vorliegende schriftliche Urteil genau prüfen und behalten uns vor, Rechtsmittel einzulegen.”

Ex-Betriebsratschef Binder sprach nach Urteilsverkündung von einer “falschen, fatalen Signalwirkung für die übrigen Mitarbeiter”. Hoffnung, dass die Berufsinstanz das Urteil aufheben könnte, hat er aber nicht. “Ich befürchte, dass der Vertrag wasserdicht ist.”

Neumanns ehemaliger Chef Stefan Jentzsch hatte auf seinen Bonus für 2008 verzichtet, war aber mit einer Abfindung von acht Mio. Euro gegangen. Jentzsch hat inzwischen bei der Investmentbanking-Boutique Perella Weinberg angeheuert.

Am 21. Oktober steht übrigens ein weiterer Termin beim Frankfurter Arbeitsgericht mit Dresdner-Bank-Beteiligung an: Rund ein Dutzend früherer Mitarbeiter der Frankfurter Niederlassung von Dresdner Kleinwort klagt ihre Boni ein. Ihre ersten Gütetermine waren gescheitert.

Was meinen Sie? War die Commerzbank gut beraten, es auf einen Prozess ankommen zu lassen? Und was hätten Sie an Stelle von Neumann gemacht: Geklagt oder lieber auf die Abfindung verzichtet, in der Hoffnung, doch noch einen Job bei einer anderen Bank zu finden?

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