Kolumne: Warum ich meine Bankkarriere zugunsten einer Jacht aufgegeben habe

eFC logo

Die Glaubwürdigkeit der Bankenbranche hat zuletzt kräftig gelitten, da darf man schon mal über Alternativen nachdenken. Nur welcher Beruf kann bei den hohen Verdiensten mithalten?

Nach einem Zwischenstopp in London, den obligatorischen pastellfarbenen Hemden und dunklen Anzügen, dem täglichen U-Bahn-Chaos und Vitamin-D-Mangel, bin ich zur Jacht zurückgekehrt, genauer gesagt zu einer Superjacht.

Sich um das Spielzeug der Mega-Reichen zu kümmern, ist eine große Herausforderung in einer spannenden und hektischen Nischenindustrie. Wenn Sie je davon geträumt haben, für Weltreisen und einen aktiven sowie abenteuerlichen Lebensstil gut bezahlt zu werden, dann ist das das richtige.

Der Kapitän einer Superjacht kann pro Jahr 250.000 Euro verdienen, plus einem Bonus zwischen 50 und 100 Prozent, wenn der Chef zufrieden ist. Wir reden also von 375.000 Euro bzw. 625.000 Euro vor Steuern und Sozialabgaben - schließlich ist das mit dem Wohnsitz so eine Sache, wenn es um Steuern und internationale Gewässer geht. Wer als Jacht-Kapitän, Jacht-Ingenieur oder Jacht-Koch für einen Plutokraten arbeitet, kann so relativ schnell selbst zum Millionär aufsteigen.

Da man die meiste Zeit an Bord bleibt, sind die persönlichen Ausgaben niedrig. Dafür isst man wie ein König, schließlich beschäftigen die Superreichen die besten Köche und hüpfen praktisch von einem Glamour-Hafen zum nächsten.

Das Leben der Über-Reichen ist tatsächlich außergewöhnlich. Zu meinen jüngsten Begegnungen zählten ein von schwerbewaffneten Bodyguards geschützter, entehrter Formel-1-Manager und der reichste Mann der Welt - Microsoft-Menschenfreund Bill Gates. Tatsächlich sind die meisten Geschichten zu unglaublich, um sie zu erzählen; es ist wirklich eine andere Welt.

Die Aufträge und Wünsche kommen in allen Größen und Schattierungen. Natürlich muss die Mannschaft einer Jacht stressimmun sein. Eine Stunde Vorbereitung für eine Cocktailparty für 60 Personen, Miet-U-Boote und eine Blitzreise zum Mond werden immer mehr zur Norm.

Es ist ein schillernder Job, anspruchsvol und manchmal rücksichtslos. Schließlich handelt es sich hier um Elite-Geschäftsleute, die es gewohnt, dass zu bekommen, was sie wollen - und diese Erwartungshaltung bringen sie mit in den Urlaub. Sie lehnen das Wort "nein" ab, hassen Grenzen und kennen auch Begriffe wie "unmöglich" nicht. Soweit, damit Sie verstehen, um was es hier geht.

Die vergangene Mittelmeer-Saison hat meinem Logbuch einen Zuwachs von 3.500 Seemeilen beschert - und mindestens 70 verschiedene Häfen und Ankerplätze, einige davon habe ich ein Dutzend Mal gesehen. Überflüssig zu sagen, dass es eine chaotische Charter-Saison in einem verdichteten Zeitrahmen war.

Trotz aller Hektik kann man Super-Jachting mit Zocken kombinieren. Ob man nun vor einer Insel in der Karibik ankert oder am Chelsea-Pier in Manhattan, Zeit zum Daytraden bleibt immer. Drahtloses Breitband-Internet empfängt man über das Bord-Satelliten-System. Und nachdem man einige Positionen eingegangen ist, bleibt genug Zeit, um mit Haien zu tauchen oder auf den Wellen zu reiten. Dazu noch die sich ständig ändernde Aussicht, so etwas kann ein Büroarbeitsplatz natürlich nicht bieten.

Wenn ich eines in diesem Nischenmarkt gelernt habe, dann das: Das Büro ist mobil und der Lebensstil alles. Kennt jemand einen Schneider, der meinem Neoprenanzug Nadelstreifen verpasst?

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close