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So holen Sie eine maximale Abfindung heraus!

Sechs von zehn Kündigungsschutzklagen enden mit einer Abfindung, schätzen Experten. Daher zahlen viele Arbeitgeber lieber, bevor es zum Prozess kommt.

Anspruch auf eine Abfindung hat der Arbeitnehmer nur dann, wenn er seinen Job wegen einer betriebsbedingten Kündigung im Zuge einer so genannten Betriebsänderung verliert. Dann ist ein Sozialplan zu erstellen. Ansonsten muss der Arbeitgeber keine Abfindung zahlen. Wilhelm Moll, Partner bei Heuking Kühn Lüer Wojtek in Köln: “Oft will er sich aber vom Risiko einer unwirksamen Kündigung freikaufen, und dann regelt ein Aufhebungsvertrag die Abfindung.”

Als Faustregel für die Höhe der Abfindung gilt ein halbes Monatsgehalt pro Dienstjahr. Doch Fachanwältin Ute Bilger-Jung, Partnerin bei der Heussen Rechtsanwaltsgesellschaft in Stuttgart, gibt den Hinweis: “Der Arbeitnehmer ist gut beraten, wenn er zur Sicherung seiner Verhandlungsposition zunächst etwa ein Dreiviertel Monatsgehalt pro Jahr als Abfindung verlangt.” Je fraglicher es ist, ob der Chef die Formalien in puncto Kündigungsfrist und Betriebsratsanhörung eingehalten hat und ob ein echter Kündigungsgrund vorliegt, desto mehr Chancen bestehen auf eine höhere Abfindung.

Die Praxis zeigt: Führungskräfte erhalten tendenziell höhere Abfindungssätze. Nach Erfahrung von Wolfgang Betz, Partner bei der Berliner Kanzlei Betz Dombek Rakete, bekommen etwa Abteilungsleiter häufig ein bis eineinhalb Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr, manchmal sogar noch mehr.

“Bei leitenden Angestellten dominieren Konflikte ohne echte Kündigungsgründe, sie können deshalb meist mehr herausschlagen”, sagt der Anwalt und Notar. Ohnehin muss die Abfindung nicht nur monetärer Natur sein. Der Gekündigte kann eine sogenannte Outplacement-Beratung aushandeln, sprich Hilfe während der Jobsuche, zudem die Erlaubnis, weiter zu Firmenpreisen einzukaufen oder den Dienstwagen privat zu übernehmen.

Mit welcher Strategie sollte der Mitarbeiter in die Abfindungsverhandlung gehen? Vorab rät Jan Kern, so zu tun, als käme die Kündigung völlig überraschend. “Erwecken Sie den Eindruck, Sie wollten oder müssten Ihren Job unbedingt behalten”, sagt der Partner bei Behrens & Partner in Hamburg.

Dann empfiehlt der Fachanwalt, den Arbeitgeber mit rechtlich erlaubten Kniffen zu nerven, damit dieser eine Abfindung anbietet, um den Störenfried sicher loszuwerden. Das erfordert allerdings Fingerspitzengefühl. Denn wer will schon ein schlechtes Zeugnis riskieren? Kern nennt ein paar pragmatische Beispiele: “Der Angestellte kann auch nach der Kündigung Bildungsurlaub verlangen.” Er könne zum Betriebsrat kandidieren, falls Wahlen anstünden, oder mit dem Chef über die Höhe seiner leistungsabhängigen Gehaltsbestandteile diskutieren. Grundsätzlich ist es wichtig, innerhalb von drei Wochen Kündigungsschutzklage einzureichen.

Wer alsdann auf eine zu hohe Abfindung pokert, kann leer ausgehen. Glaubt der Gekündigte aber, in einem Gerichtsverfahren Chancen zu haben, sollte er auch nicht zu bescheiden sein. “Ich empfehle dann, Position zu beziehen nach dem Motto: Entweder ich klage mich auf meinen Arbeitsplatz zurück oder Sie zahlen mir eine höhere Abfindung”, sagt Anwalt Betz.

Der häufigste Fehler ist, beim Gehaltspoker die Folgen für das Arbeitslosengeld aus den Augen zu lassen. Denn dieses kann durch die Abfindung womöglich beträchtlich gemindert werden. Entscheidend ist nämlich, ob das Beschäftigungsverhältnis fristgerecht gekündigt wurde. Kam es zu einer fristgerechten Kündigung, wird die Abfindung nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Fristgerecht bedeutet: Der Arbeitgeber muss die ihm auferlegte Kündigungsfrist eingehalten haben. Ist das nicht der Fall, und einigen sich beide Parteien durch einen Aufhebungsvertrag auf einen vorzeitigen Abschied, wird das Arbeitslosengeld reduziert.

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