Eiszeit: Erfolgreiche Jobsuche in Zeiten des Einstellungsstopps

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Einstellungsstopp

Die Commerzbank baut Stellen ab, die Deutsche Bank auch und dann sagt Konzernchef John Cryan auch noch, dass vergleichbare Banken mit der Hälfte des Personals auskommen. Darüber hinaus sind die ersehnten Brexitjobs in Frankfurt noch nicht angekommen. Ohnehin ist unklar, wie viele Londoner ihrem Job hinterherziehen werden. Auf dem Arbeitsmarkt für Banker herrscht also Eiszeit, dennoch lassen sich immer noch Jobs finden. Hier die besten Tipps für die Jobsuche in Zeiten von Einstellungsstopps.

1. Einstellungsstopp heißt nicht Einstellungsstopp

Es klingt paradox, doch Einstellungsstopps bedeuten keinesfalls, dass die betroffenen Banken nicht einstellen. Denn ausgenommen sind regelmäßig Jobs aus den Bereichen Compliance, Regulierung, Risikomanagement und Digitalisierung. Auch geschäftskritische Positionen werden regelmäßig nachbesetzt und die Einstellungen von Absolventen geht schon aus demografischen Gründen munter weiter.

„In bestimmten Bereichen haben Banken einfach Bedarf. In Compliance und Regulierung sind alle Banken auf der Suche“, bestätigt Headhunter Thomas von Ciriacy-Wantrup von Fricke Finance & Legal in Frankfurt. Auch in anderen Bereichen gebe es regelmäßig Jobs, die Banken mit Einstellungsstopp besetzen müssten. „Die müssen dann die Stelle von ein oder zwei Instanzen mehr absegnen lassen.“

2. Bitten Sie Kontakte auf internen Karriereseiten für Sie zu suchen

„Bei einem Einstellungsstopp und bei Personalabbauprogrammen werden offene Stellen weniger nach außen kommuniziert“, sagt von Ciriacy-Wantrup. „Die Bank kann nicht auf der einen Seite tausende von Stellen abbauen und gleichzeitig Stellen ausschreiben. Der Bedarf ist aber da.“

Laut von Ciriacy-Wantrup gelten Einstellungsstopps regelmäßig nur für externe Bewerber. Auf den internen Websites würden auch weiterhin Vakanzen ausgeschrieben. Die Hoffnung dahinter: Vom Abbau betroffene Mitarbeiter finden intern einen neuen Job. Der Mitarbeiter vermeidet Arbeitslosigkeit, der Arbeitgeber spart sich teure Abfindungen und selbst der Betriebsrat kann einen kleinen Sieg feiern.

Daher rät von Ciriacy-Wantrup Jobsuchenden Kontakte aus ihrem Netzwerk bei der betreffenden Bank zu bitten, sich für sie auf den internen Stellenportalen nach passenden Jobs umzuschauen. Laut dem Personalprofi könnten viele Vakanzen nicht intern besetzt werden. Wenn sich dann ein passender externer Bewerber im richtigen Moment „initiativ“ melde, dann stünden die Chancen gut.

3. Pflegen Sie den Kontakt zu Headhuntern

„Wir haben immer wieder Kunden, für die wir diskret nach Personal suchen“, berichtet von Ciriacy-Wantrup. Da Banken mit Abbauprogrammen ihre offenen Jobs nicht aktiv nach außen kommunizieren könnten, würden sie regelmäßig auf Headhunter zurückgreifen. „Wir sprechen dann passende Kandidaten direkt an oder schreiben die Stelle stark anonymisiert aus.“ Daher rät von Ciriacy-Wantrup Jobsuchenden ihre Kontakte zu einschlägigen Headhunter zu pflegen. Damit steige die Chance, dass der Personalprofi an einen denke, sobald eine passende Vakanz zur Verfügung stehe.

„Man kann nicht tausende von Stellen abbauen und gleichzeitig auf den Stellenbörsen Jobs ausschreiben. Das geht einfach gar nicht“, meint auch Headhunterin Stefanie Storck von TF Executives in Frankfurt. „Die Unternehmen haben dann kaum eine andere Wahl als die Stellen über Personalberater oder Netzwerke zu besetzen.“

4. Der Trick mit dem Active Sourcing

Bei „active sourcing“ handelt es sich um ein Modewort in den Personalabteilungen. Dabei ist die Sache banal: Um Geld für teure Headhunter zu sparen, durchstöbern unternehmenseigene Recruiter die beruflichen Netzwerke nach passenden Kandidaten. „Daher sollten Sie Ihre Profile in den sozialen Netzwerken aussagekräftig gestalten. Auf diese Weise werden Sie leichter gefunden“, betont von Ciracy-Wantrup.

5. Bei Einstellungsstopps gewinnen Gerüchte an Bedeutung

Die Finanzdienstleistungen sind eine überschaubare Branche und Gerüchte reisen in Orten wie Frankfurt oder Zürich schnell. „Gerade in den Banken wabern Gerüchte durch den Markt“, sagt von Ciriacy-Wantrup. „Da muss man ganz genau zuhören.“ Dies stelle nur einen weiteren Grund für die Wichtigkeit von Netzwerken dar. Ein Großteil der Stellen werde unter der Hand vergeben.

6. Initiativbewerbungen

Initiativbewerbungen sind nur etwas für Leute, die bereits ihre Kündigung erhalten haben oder arbeitslos sind. Für ungekündigte Bewerber ist das Risiko einfach zu groß, ertappt zu werden. „Mit Initiativbewerbungen kann man in die Breite gehen“, sagt von Ciriacy-Wantrup. Mit etwas Glück komme die Bewerbung genau im richtigen Zeitpunkt, wenn eine passende Stelle zur Verfügung stehe. Doch selbst bei einer hohen Zahl an Initiativbewerbungen sollten sich Bewerber nicht allzu große Hoffnungen machen. „Die Chancen über eine Initiativbewerbung einen neuen Job zu finden, fallen eher gering aus.“

7. Einstellungsstops erhöhen Chancen für Contractors und Consultants

In Zeiten des Einstellungsstopps sind alle Augen auf Mitarbeiterzahl und die Personalkosten gerichtet. Doch längst nicht alle Leute, die für eine Bank arbeiten, werden tatsächlich unter diesen Kategorien verbucht. Die Bankenanalysten von JP Morgan schätzen z.B., dass die Deutsche Bank neben ihren knapp 100.000 Mitarbeitern etwa 30.000 „Consultants“ beschäftigt. Bei der Credit Suisse kommen nach den jüngsten Quartalszahlen zu den knapp 47.000 Festangestellten noch 22.000 Contractors und Consultants hinzu. Diese Heerscharen von Beratern, Leiharbeitern oder Contractors werden über den Sachaufwand bezahlt. Gerade in Projektjobs fällt es Abteilungsleitern leichter, einen Contractor anzuheuern als jemanden fest einzustellen.

„Besonders IT-Spezialisten können dann versuchen als Contractor über die IT-Beratungen wieder bei Banken unterzukommen“, sagt Storck. „Wenn die Abteilungen keinen Headcount bewilligt bekommen, dann werden die Aufgaben einfach an die Beratungen vergeben.“

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