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Juristen im Glück: Banken bieten Rechtsexperten glänzende Perspektiven

Juristen

Banken beschäftigen immer mehr Juristen (Foto: Getty Images)

Die unendliche Regulierung, diverse Rechtsstreitigkeiten und jetzt auch noch der Brexit: Die Nachfrage nach Juristen aus den Finanzdienstleistungen kennt kein Halten. Dies belegt schon ein kurzer Blick in die Statistik: Laut der Bundesrechtsanwaltskammer gab es Anfang 2015 exakt 900 Fachanwälte für Bank- und Kapitalmarktrecht, immerhin 9,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit handelt es sich um eine der am schnellsten wachsenden Gruppen unter den Fachanwälten. Doch dies stellt nur die Spitze des Eisbergs dar.

Gute Berufschancen

„Der Brexit wird die Nachfrage nach Juristen weiter verstärken“, schätzt Headhunter Mike Boetticher von der match personalberatung in Frankfurt. Für den Umzug von Geschäftstätigkeiten von der Themse an den Main müssten viele rechtliche Fragen geklärt und die Produkte an deutsches Kapitalmarktrecht angepasst werden.

„Man muss aber nicht Fachanwalt für Banken- und Kapitalmarktrecht sein, um bei Finanzdienstleistern eine Chance zu bekommen“, erläutert Boetticher. Vielmehr seien auch jüngere Juristen mit zwei bis drei Jahren Berufserfahrung sehr gefragt.

„Bei Banken gibt es nirgendwo bessere Chancen als in den Rechtsabteilungen“, meint Headhunter Patrick Riske von Fricke Finance & Legal in Frankfurt, der selbst Jurist ist. Juristen würden nicht allein in den klassischen Rechtsabteilungen unterkommen, auch die Compliance beschäftige mehr und mehr Juristen. „In der Vergangenheit arbeiteten hier viele Betriebswirte, heute sind es eher Juristen“, beobachtet Riske. Daneben gebe es in anderen Bereichen Chancen wie etwa dem Wealth Management. „Im Stiftungsbereich oder bei Nachfolgeregelungen – da ist z.B. auch juristischer Input gefragt.“

Juristen kämen darüber hinaus in der Investmentbranche unter – von Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Master-KAG bis hin zu Depotbanken. „Gefragt sind dort vor allem gute Kenntnisse im Kapitalanlagegesetz und im Investmentrecht“, erläutert Riske. Die „Population“ in der Investmentbranche sei indes deutlich kleiner als im Banking. „Dennoch brauchen sich die Juristen hier um ihre berufliche Zukunft keine Sorgen zu machen“, sagt Riske. „Die finden immer wieder in den Sattel und werden auch gut bezahlt.“

Das Märchen von den Prädikatsexamen

Üblicherweise würden internationale Rechtsanwaltskanzleien ein Vollbefriedigend, und damit ein Prädikatsexamen, in beiden Staatsexamen verlangen. „Die Kanzleien sind aber mittlerweile bereit, auch Juristen zu nehmen, die nur ein Vollbefriedigend und ein Befriedigend im oberen Bereich besitzen“, beobachtet Boetticher. „Es besteht ein gewisser Spielraum, wenn die Kandidaten zusätzliche Qualifikationen mitbringen. Die Anforderungen bei Banken sind dagegen nicht so hoch. Hier sind überdurchschnittliche Staatsexamen ausreichend, 15 Punkte sollten beide Examen zusammen aber schon haben,“ meint Boetticher.

„Es gibt auch Leute, die mit zwei Befriedigend oder einem Vollbefriedigend und einem Ausreichend bei Banken und Großkanzleien unterkommen“, bestätigt Riske. „Wenn Sie z.B. vor dem Studium eine Banklehre gemacht haben und dann als Werkstudent bei einer Bank gearbeitet haben, dann stellt das gar kein Problem dar.“ Nur etwa 15 Prozent der Absolventen würden ein Prädikatsexamen machen; dies reiche nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen.

Die Relevanz der Noten falle bei Arbeitgebern unterschiedlich aus. So legten Großkanzleien weiterhin großen Wert darauf. In den Banken herrsche hingegen zumeist eine Kultur, die von Betriebswirten geprägt sei, und wo nach dem gelungenen Karriereeinstieg die Erfahrung für das berufliche Fortkommen ausschlagebender als Noten sei. „Auch in der Compliance werden geringere Anforderungen an die Examen gestellt“, weiß Riske.

Internationalität als wichtiges Karriereplus

Für Banken und Großkanzleien sei die internationale Anbindung sehr wichtig.  Von daher stelle ein LLM, also ein Master in Jura, mit einem Auslandsaufenthalt ein großes Plus dar. „Auch eine Promotion wird gern gesehen, aber ein LLM ist noch besser“, sagt Boetticher. „Juristen mit einem LLM können tatsächlich besser Englisch und sind weltoffener“, kommentiert der Headhunter.

Große Spreizung bei den Gehältern

Im Investmentsektor könnten Juristen mit fünf Jahren Berufserfahrung 80.000 Euro verdienen, was auf über 110.000 Euro steigen könne. Teamleiter würden 120.000 Euro aufwärts verdienen. Bei Führungskräften könnten es aber auch 200.000 oder gar 250.000 Euro sein. „Das hängt ganz von der Größe des Finanzdienstleisters ab“, erläutert Riske. Da Banken Juristen in sehr unterschiedlichen Bereichen beschäftigen, fielen die Bruttogehälter ebenso unterschiedlich aus.

Worauf Einsteiger achten sollten

Jurastudenten, die bei Banken oder Fondsgesellschaften anfangen wollen, empfiehlt Riske dringend, die entsprechenden Schwerpunktfächer zu belegen. Auch Praktika, Werksstudententätigkeit und vor allem eine Station im Referendariat bei einer Bank würden gern gesehen. „Dann hat man auch Chancen, wenn die Examensnoten nicht ganz so gut ausgefallen sind.“

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