Rund 4300 Mitarbeiter vor die Tür gesetzt: Commerzbank rechnet für 2010 wieder mit Gewinn

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Der Jubel in der Chefetage der Commerzbank über die Geschäftszahlen des zweiten Quartals ist groß. "Wir haben bisher gesagt, dass wir spätestens 2011 wieder Gewinne erzielen werden. Aufgrund der erfreulichen Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr gehen wir nun davon aus, das Gesamtjahr 2010 in einem stabilen Marktumfeld mit einem Gewinn abzuschließen," sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Vordergründig sehen die Geschäftszahlen auch gut aus. So konnte die Commerzbank im ersten Quartal einen Gewinn von 1,060 Mrd. Euro einfahren, während das Unternehmen im Vorjahreszeitraum noch einen Verlust von 1,625 Mrd. Euro verkraften musste.

Starke Mittelstandsbank und schwaches Privatkundengeschäft

Zu dem Erfolg trugen die einzelnen Bereiche der Bank allerdings sehr unterschiedlich bei. So erwies sich die Mittelstandsbank mit einem operativen Gewinn von 383 Mio. Euro als Goldesel, gefolgt vom dem Bereich Corporates & Markets mit 114 Mio. Euro. Dagegen verzeichneten das Privatkunden- und Osteuropageschäft lediglich Minigewinne von 20 und 8 Mio. Euro.

"Während die Mittelstandsbank eines ihrer bisher besten Quartale hatte, war das Privatkundengeschäft durch das niedrige Zinsniveau und die Umstellung der Filialen auf die neue Marke belastet", kommentierte Finanzvorstand Eric Strutz die Zahlen. Das schwache Ergebnis im Retailgeschäft gehe auch auf die beträchtliche Belastung des Personals durch die Integration der Dresdner Bank in den Konzern zurück.

Kahlschlag bei Personalkosten und geringere Risikovorsorge retten die Commerzbank ins Plus

Doch bei eingehenderer Betrachtung wirken die Geschäftszahlen ernüchternder. So resultiert der steigende Gewinn zu einem beträchtlichen Teil aus der Verringerung der Risikovorsorge im zweiten Quartal um 36 Prozent auf 639 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Den Hauptteil an dem Erfolg tragen jedoch die Mitarbeiter. Denn per 30. Juni wurde die Mitarbeiterzahl um 6,6 Prozent oder 4271 Personen auf nur noch 60.870 Beschäftigte zusammengestrichen. Dabei sank die Zahl der Beschäftigten im Ausland überproportional um 15,2 Prozent auf 15.199 Mitarbeiter; dagegen nahm die Zahl im Inland lediglich um 3,3 Prozent auf 45.671 Beschäftigte ab.

Damit geht der Stellenabbau laut Finanzvorstand Strunz schneller voran als erwartet. Ursprünglich hatte die Bank bis zum 30. Juni nur mit einem Abbau von 3000 Stellen gerechnet. Insgesamt seien somit zwei Drittel der insgesamt 9000 zu streichenden Stellen bereits unter Dach und Fach.

Fast 40 Prozent der Investmentbanker haben die Bank verlassen

Noch höher als der Personalabbau fallen die Einsparungen beim Personalaufwand aus, der im ersten Halbjahr um 8,9 Prozent auf 2,181 Mrd. Euro einbrach. Rein rechnerisch wandte die Commerzbank im ersten Halbjahr für einen Mitarbeiter durchschnittlich gut 35.800 Euro auf. Im Vorjahreszeitraum waren es noch rund 1000 Euro mehr gewesen.

Den heftigsten Kahlschlag musste das Investmentbanking einstecken. In Corporate & Markets brach die durchschnittliche Mitarbeiterzahl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 38,8 Prozent auf rund 1900 Beschäftigte ein, im Privatkundengeschäft und im Bereich "Sonstiges" (Infrastruktur) sank die Zahl um jeweils 12,3 Prozent auf 20.140 und 18.459. Dagegen kam die Mittelstandsbank mit einem Abbau um 6,9 Prozent auf rund 9800 Beschäftige vergleichsweise glimpflich davon. Den Personalaufwand für die einzelnen Segment listet die Commerzbank leider nicht auf.

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