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Exbanker überreicht Kundendaten an Wikileaks: Haben Schweizer Banken ein Führungsproblem?

Unter großem Medienecho hat der Schweizer Exbanker Rudolf Elmer die Daten von 2000 prominenten Kunden an Wikileaks-Gründer Julian Assange in London zur Veröffentlichung übergeben. Diese Datensätze sollen angeblich brisante Kundendaten über Steuerhinterziehung enthalten. Laut Elmer betrifft dies auch 40 Politiker aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, den USA und Asien.

Wikileaks werde die Daten genau prüfen und anschließend auf dem üblichen Wege veröffentlichen, versicherte Assange. Laut Elmer seien ihm von dritter Stelle 500.000 Franken geboten worden, um von der Veröffentlichung Abstand zu nehmen. In seiner Rolle als “Whistleblower” empfände er es als moralisch verwerflich, hierfür Geld zu nehmen, ergänzte Elmer. “Ich will, dass die Gesellschaft weiß, wie das System funktioniert. Es schädigt die Gemeinschaft.”

Elmer hatte von 1994 bis 2002 für Julius Bär auf den Cayman Inseln gearbeitet, die eine Hauptadresse für Offshore-Banking weltweit darstellen. Sein ehemaliger Arbeitgeber geht unterdessen gerichtlich gegen Elmer vor, dem im Falle eines Schuldspruches eine Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren droht. Die Übergabe der Daten hat Elmer indes nur zwei Tage vor dem Prozessbeginn in Zürich inszeniert.

Der Fall Elmer reiht sich in eine lange Serie von Datendiebstählen bei Schweizer Banken ein. So wurden diverse Datensätze von Schweizer und Liechtensteiner Instituten für Millionenhonorare an den deutschen Fiskus verkauft. Doch was machen die Schweizer und Liechtensteiner Häuser falsch, dass sich eine wahre Flut entwendeter Daten über dem Rest der Welt ergießt?

Selbst erstklassige Sicherheitstechnik kapituliert vor schlechter Mitarbeiterführung

“Natürlich ist das ein Thema in der Banken-IT”, sagt ein Schweizer IT-Berater. Doch die IT-Mitarbeiter würden bei vielen Banken lediglich als Kostenfaktor gesehen, die überdies keine Erträge generieren. Der Kostendruck sei entsprechend groß.

Dennoch handle es sich bei den durchsickernden Kundendaten nicht um ein technisches Problem. Die Sicherheitssysteme und die kryptologischen Verfahren zur Verschlüsselung der Daten befänden sich auf sehr hohem Niveau. Der Zugriff auf die Daten lasse sich überdies minutiös nachprüfen.

Letztlich gehe es um den Faktor Mensch. “Ist Herr Müller wirklich loyal? Man muss schon wissen, wen man einstellt und wem man Zugang zu den brisanten Daten gewährt,” ergänzt der IT-Berater. Somit handle es sich bei den Datenlecks nicht um eine IT-Angelegenheit, sondern um eine Frage der Mitarbeiterführung. Um derartige Vorkommnisse in Zukunft zu vermeiden, müssten die betreffenden Mitarbeiter mehr Wertschätzung erfahren und die Führungsqualität in einem Unternehmen stimmen.

Daher geht der IT-Berater auch von einem tiefgehenden Zerwürfnis von Elmer zu seinen ehemaligen Vorgesetzten aus – zumal es Elmer scheinbar nicht um Geld gehe. So viel ist jedenfalls sicher: Die Abfrage eines einwandfreien Leumunds und ein makelloser Strafregisterauszug, wie sie längst branchenüblich sind, bieten keine Gewähr für die Entwendung sensibler Daten.

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