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J.C. Flowers gibt auf und leitet den Rückzug aus Deutschland ein

Die US-Beteiligungsgesellschaft J.C. Flowers zieht die Notbremse und verabschiedet sich in Raten aus Deutschland. Das teilte ein auf Krisenmanagement spezialisierter Kommunikationsberater am Montag im Auftrag des Unternehmens mit. Das Büro in Hamburg bleibe noch eine Zeitlang bestehen. Wieviele Mitarbeiter deshalb ihren Arbeitsplatz verlieren, wurde nicht mitgeteilt.

Der Amerikaner Christopher Flowers (49) wollte mit Minderheitsbeteiligungen an der Landesbank HSH Nordbank und dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) am Börsengang bzw. an der Sanierung der Institute verdienen. Tatsächlich entpuppte sich das Engagement – nicht zuletzt wegen der Finanzkrise – als Fass ohne Boden.

Die Beteiligung an der Münchener HRE wird künftig von London und New York gemanagt. Das von der WestLB übernommene Aktienpaket der HSH Nordbank wird dort bereits seit dem Kauf 2006 verwaltet.

Offenbar hat der ehemalige Goldman-Sachs-Banker auf weitere Abenteuer in “Good Ole Germany” keine Lust mehr. “Neuinvestitionen stünden in Deutschland derzeit nicht im Fokus, hieß es in der Mitteilung weiter.

Die Deutschland-Chefin von J.C. Flowers, Renate Krümmer, verlässt das Unternehmen “auf eigenen Wunsch” Ende März. Außerdem legt sie ihr Aufsichtsratsmandat bei der angeschlagenen HRE nieder.

Ein Nachfolger für Krümmer im Kontrollgremium der HRE ist noch nicht bestimmt worden. Flowers kontrolliert zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft Grove knapp 25 Prozent an dem Immobilienfinanzierer und verfügt bisher über drei Aufsichtsratssitze.

Die beiden deutschen Engagements wurden für Firmenchef Christopher Flowers zu Milliardengräbern: Für die HRE hatte er noch im vergangenen Sommer 1,1 Mrd. Euro (22,50 Euro je Aktie) auf den Tisch gelegt. Am Montag lag der Kurs bei nur noch einem Euro. Nun droht dem Harvard-Absolventen im Zuge der vom Bund angestrebten Verstaatlichung der Bank auch noch die Enteignung.

Bei der HSH Nordbank war Flowers vor drei Jahren eingestiegen. Er war der erste Privatinvestor, der sich in großem Stil bei einer Landesbank engagierte. Als Ziel hatte er den Börsengang der HSH Nordbank ausgegeben.

In Folge der Finanzkrise traten bei der HSH Nordbank aber immer tiefere Löcher auf. Nach einem Verlust von 2,8 Mrd. Euro im vergangenen Jahr braucht das Institut nun 3 Mrd. Euro frisches Kapital zum Überleben. Die Rettungsaktion wird von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gestemmt.

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