Moderat angehen lassen

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Hochschulabsolventen in Deutschland müssen derzeit ihre Gehaltsvorstellungen nach unten korrigieren. Die wirtschaftliche Lage hat beinahe allen Studienrichtungen die Einstiegsgehälter verhagelt.

Wer glaubt, nach dem Abschluss der Hochschule endlich das große Geld scheffeln zu können, befindet sich in Deutschland in den meisten Branchen am falschen Ort. Die Gehaltsstudie 2005 der Recruitingagentur alma mater hat festgestellt, dass Berufseinsteiger derzeit mit merklich weniger Grundgehalt auskommen müssen als noch im Jahr 2001. Auch zwischen den einzelnen Branchen bestehen deutliche Unterschiede.

Für die Studie wurden 1.038 Gehaltsangaben ausgewertet, die Personalverantwortliche aus Unternehmen in einer Fragebogenaktion beantwortet haben. Unter den Studienteilnehmern waren in etwa gleichen Anteilen alle Unternehmensgrößen vertreten: D.h. kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern, KMU zwischen 100 und 999 Mitarbeitern, mittelgroße Unternehmen zwischen 1.000 und 5.000 Angestellten sowie Großunternehmen mit über 5.000 Mitarbeitern.

Arme Personaler, reiche Entwickler

Die Gehaltsspannen bewegten sich zwischen 34.000 Euro Minimum (Personal) und 40.300 Euro maximales Einstiegsgehalt (Forschung & Entwicklung). Natürlich handelt es sich bei allen Werten nur mittlere Werte, die in Einzelfällen durchaus abweichen können. Nichtsdestotrotz müssen sich die deutschen Hochschulabsolventen bei ihren Gehaltsverhandlungen darauf einstellen, dass "Maß halten" das Gebot der Stunde ist.

Naturwissenschaftler und Ingenieure sind der Studie zufolge weiterhin die Gewinner auf dem Arbeitsmarkt. Die aktuelle wirtschaftliche Lage konnte ihrer Gehaltentwicklung im Vergleich zu anderen Branchen nichts anhaben. Während die Durchschnittsgehälter in Marketing, Vertrieb und Einkauf knapp 1 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt liegen, müssen Berufseinsteiger in klassische betriebliche Servicefunktionen wie Finanzen und Controlling sowie Personal ihre Laufbahn mit Gehältern von 2 bis 5 Prozent unter dem Gesamtdurchschnitt beginnen. Dieser Rückgang ist nicht zuletzt auf ein Überangebot an ausgebildeten Betriebswirten zurückzuführen.

Die Unternehmensgröße entscheidet

Die Gehälter haben sich nach den Boomzeiten zwischen 1998/1999 und 2001 deutlich nach unten angepasst. Das zeigt sich insbesondere in der Einkommensentwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen, die sich im Gegensatz zu großen Unternehmen hinsichtlich der Einkommen schneller der rückläufigen Wirtschaftslage anpassen konnten. Die Gehaltsspanne zwischen Angestellten in Großunternehmen mit über 5.000 Mitarbeitern und Angestellten von Kleinunternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten lag knapp 5.000 Euro. Damit können Absolventen, die ihre Karriere in einem Großunternehmen beginnen, gegenüber den Angestellten in einem Kleinunternehmen einen Gehaltsvorsprung von bis zu 12 Prozent erzielen.

Insgesamt konnte beobachtet werden, dass das Einstiegsgehalt proportional zur Unternehmensgröße anstieg. Prozentual liegen die Einsteiger in Kleinunternehmen damit 6,7 Prozent unter dem Einkommensdurchschnitt. Die Angestellten in einem Großunternehmen verfügen im Vergleich über 4,8 Prozent mehr Gehalt als der Durchschnitt. Die tarifliche Bindung der Gehälter ist vor allen Dingen in Großunternehmen besonders hoch, worauf auch die überdurchschnittliche Vergütung zurückzuführen ist.

Auf die Branche kommt es ebenfalls an

Nicht nur die Unternehmensgröße, sondern auch die Branche übt maßgeblich Einfluss auf die Höhe des Einstiegsgehalts aus. Demnach sind Berufseinsteiger in der Versorgungsindustrie die Spitzenverdiener. Das geht jedoch auch auf den Umstand zurück, dass die Untersuchungsteilnehmer aus der Versorgungsbranche fast ausschließlich zu den großen oder mittelgroßen Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern zählten. Berufseinsteiger im Dienstleistungssektor bildeten mit 33.656 Euro die Schlusslichter auf der Gehaltsliste. Aber auch die Berufseinsteiger in den Bereichen Finanzen und Banken, IT und Logistik müssen ihre berufliche Laufbahn mit unterdurchschnittlichen Einstiegsgehältern beginnen.

Maß halten und Geduld haben

Gerade die Einsteiger in die Sektoren Finance und Controlling sowie IT sind die Hauptleidtragenden der wirtschaftlichen Rückentwicklung. Während sie noch vor wenigen Jahren zu den Top-Verdienern unter den Berufseinsteigern gezählt haben, mussten sie sich im Jahr 2005 in die Reihen der Durchschnittsverdiener eingliedern. Aber auch die Durchschnittsgehälter in den Branchen EDV, Banken und Unternehmensberatung zählen nicht mehr zu den Spitzengehältern. Viele Unternehmen haben die Einstiegsgehälter für Absolventen den aktuellen Rahmenbedingungen angepasst. Gehälter um die 40.000 Euro, die vor vier Jahren noch in bestimmten Branchen als durchschnittliches Einstiegsgehalt galten, sind derzeit nur für "High Potentials" erzielbar. Auch vereinzelte Ausreißer über die 50.000-Euro-Grenze dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass heute vielfach der Berufseinstieg zwischen 35.000 und 39.000 Euro beginnt.

Nichtsdestotrotz: Auch das vergleichsweise niedrige Niveau wird sich bei entsprechender Leistung und wirtschaftlicher Lageverbesserung schnell steigern. Im internationalen Vergleich verfügen die deutschen Berufseinsteiger ohnehin weiter über überdurchschnittlich hohe Einstiegsgehälter.

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