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Zunehmende Industrialisierung bedroht nur wenige Versicherungs-Jobs

Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Ängste vor radikalem Stellenabbau in der Branche wohl übertrieben sind.

Die Allianz ist nicht nur Riese der deutschen Versicherungsbranche, die Münchner sind auch Vorreiter eines aktuellen Trends der deutschen Versicherungswirtschaft: der zunehmenden Industrialisierung.

Gerhard Rupprecht, Chef der Allianz Deutschland AG (ADAG), hat seinem Unternehmen Vereinheitlichungen und Konzentrationsprozesse in der Sachbearbeitung aller Versicherungssparten verordnet. Während das Unternehmen sich noch nicht konkret über das Ausmaß eventuellen Outsourcings äußern will, wittern Mitarbeiter und Gewerkschaften eine Bedrohung zahlloser Arbeitsplätze. Das Unternehmen hat bislang die zwischenzeitlich genannte Zahl von 8.000 bei der Allianz gefährdeten Arbeitsplätzen dementiert.

Stellenabbau weniger bedrohlich

Aus der aktuellen Cap Gemini-Studie “Trends in der Versicherungswirtschaft”, die auf der Befragung von 38 Entscheidungsträgern deutscher Versicherungsunternehmen basiert, geht nun hervor, dass die Auslagerung von Prozessen in der deutschen Versicherungswirtschaft wohl weitaus weniger Arbeitsplätze bedroht als oft befürchtet.

Die Branche setzt demnach unbestreitbar zunehmend auf eine der Industrieproduktion entlehnten industriellen Fertigung. Zu den davon betroffenen Sektoren zählen insbesondere viele IT-Bereiche sowie beispielsweise von Call Centern erbrachte Service- und Supportprozesse, Human Resources-Abteilungen und das Rechnungswesen. Diese Bereiche werden bereits heute von vielen Versicherern an externe Dienstleister vergeben.

Fast die Hälfte der Assekuranzen dürfte gemäß der Cap Gemini-Studie zufolge aber auch bislang wenig antastbare Bereiche wie die Vertragsbetreuung für Bestands- und Neugeschäft beziehungsweise die Schadens- oder Leistungsbearbeitung zumindest zu Teilen an Drittanbieter vergeben. Die Allianz macht es nun wohl seinen Mitbewerbern vor.

Insgesamt sehen mehr als die Hälfte der in der Studie Befragten die Notwendigkeit zur Industrialisierung der Versicherungsunternehmen als groß oder sehr groß an. Dennoch wird ein Stellenabbau in großem Umfang nicht befürchtet.

Zwar rechnen alle 38 Teilnehmer der Studie mit negativen Auswirkungen für die Beschäftigten der deutschen Versicherungswirtschaft, allerdings geht nahezu die Hälfte der Entscheidungsträger davon aus, dass lediglich maximal 5% der Angestellten deutscher Versicherungen aufgrund von Outsourcing & Co ihre Jobs verlieren könnten. Lediglich jeder sechste Befragte befürchtet, dass zwischen 10% und 30% der Belegschaft vom Stellenabbau betroffen sein könnten.

Imageverluste befürchtet

Gründe für diesen prognostizierten moderaten Stellenabbau liefert die Studie gleich mit: Zum einen scheut die Branche Imageverluste. Fast ein Drittel der Befragten befürchtet eine negative Außenwirkung durch die Auslagerung von Arbeitsplätzen.

Zum anderen bleibt ein Großteil der ausgelagerten Arbeitsplätze “in der Familie”: Schon aus rechtlichen Gründen ist die Auslagerung bestimmter Prozesse ins Ausland nicht oder nur sehr schwierig umzusetzen. Dies betrifft insbesondere die Bearbeitung personenbezogener Daten wie Adress- und Kontoinformationen oder Schaden- oder Leistungsdaten.

Zudem wird angesichts des hohen Sicherheitsbewusstseins der Branche vielfach eine Zusammenarbeit mit Unternehmen der eigenen Branche – sei es über Kooperationen und Netzwerke oder über die stärkere Ausprägung von Kernkompetenzen einzelner Unternehmen, z.B. als reine Abwicklungs-“Fabriken” – anderen Alternativen gegenüber bevorzugt.

Rahmenbedingungen könnten Jobabbau stoppen

Doch auch für die potenziell von Auslagerungen Betroffenen gibt es Hoffnung – in Form von veränderten Rahmenbedingungen in Deutschland, die die Top-Entscheider der deutschen Assekuranzen davon abhalten könnten, Geschäftsprozesse zu verlagern.

Neben sinkenden Arbeitskosten zählen auch ein gelockerter Kündigungsschutz und niedrigere Steuern zu den Gründen, die die Industrialisierung in der deutschen Versicherungswirtschaft zu Lasten deutscher Arbeitsplätze stoppen könnten.

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