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Wieso das Scheitern der Fusion von BayernLB und WestLB ein Desaster für den Finanzplatz Deutschland ist

Schlechte Nachricht für die Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft. Laut Informationen der Financial Times Deutschland stehen die Fusionsverhandlungen zwischen WestLB und BayernLB kurz vor dem Scheitern. Gründe hierfür konnte die Zeitung nicht nennen. Mit dem Zusammenschluss wäre das drittgrößte Institut Deutschlands entstanden.

Die beiden angeschlagenen Landesbanken hatten am 20. September angekündigt, Fusionsverhandlungen aufzunehmen. Hierzu hatten beide Unternehmern gemeinsame Arbeitsgruppen gegründet und bei Treffen u.a. mit dem zuständigen EU-Kommissar Joaquin Almunia im November sollten die Pläne diskutiert werden. Bis zu einer eingehende Buchprüfung ist es gar nicht erst gekommen.

Für die milliardenschweren Staatshilfen hatte die EU-Kommission zur Auflage gemacht, die WestLB bis Ende 2011 zu verkaufen. Andernfalls müsse das Institut zerschlagen oder abgewickelt werden. Überdies sollte sich die WestLB bis Jahresende von ihrer Immobilientochter WestLB trennen, was bislang ebenfalls gescheitert ist.

Aus zwei schlechten wird keine gute Bank

Mit der geplatzten Fusion scheint sich die negative Einschätzung der EU-Kommission zu bewahrheiten. “Angesichts der Tatsache, dass sich beide Banken in einem Restrukturierungsprozess befinden, führt eine Fusion nicht automatisch zur Wiederherstellung ihrer langfristigen Lebensfähigkeit”, bemerkte Almunia schon zu Beginn der Verhandlungen. Andere Branchenexperten hatten Zweifel an einer Fusion gehegt, da die Beteiligten die in den Bilanzen verborgenen Risiken scheuten.

Mit dem Scheitern der Verhandlungen würde die Neuordnung des deutschen Landesbankensektors in weite Ferne rücken. Während der Finanzkrise mussten nicht nur WestLB und BayernLB, sondern auch LBBW und HSH Nordbank mit immensen Staatshilfen vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Seither gilt die Konsolidierung des Landesbankensektors als eine der größten Bürden für den Finanzplatz Deutschland.

Anteil der Banken am Bruttoinlandsprodukt wird immer geringer

Somit ist die negative Nachricht ein Desaster für den Finanzplatz Deutschland. Denn obgleich Deutschland in der Industrie an der Weltspitze mitspielt, rangiert der Finanzsektor in der Drittklassigkeit.

So trägt die Branche nach einer Studie der Helaba in Deutschland nur gut 3 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, in Frankreich sind es über 4 Prozent und in Großbritannien sogar annähernd 10 Prozent.

Unter den heimischen Instituten spielt lediglich die Deutsche Bank in der Weltliga mit, wobei hierfür vor allem die ansehnlichen Erträge aus dem Investmentbanking verantwortlich sind. Dies ist allerdings nicht in Frankfurt, sondern in der Londoner City angesiedelt.

Auch die Zahl deutscher Investmentbanker sinkt

Die Nummer zwei in Deutschland zieht sich indes sukzessive aus dem internationalen Geschäft zurück. So soll das Investmentbanking nach der Fusion von Commerz- und Dresdner Bank um die Hälfte auf 1650 Beschäftigte zusammengestrichen werden.

Abgesehen von Retail- und Privatbanken sowie den Vertriebsgesellschaften ausländischer Großbanken bleiben lediglich die Landesbanken als relevante Player auf dem deutschen Markt zurück. Doch mit der geplatzten Fusion rückt die Konsolidierung des Sektors in unabsehbare Ferne.

Die Konsequenzen dürften nicht folgenlos für die Beschäftigung sein. Laut einem Schweizer Headhunter aus London soll es schon heute kaum noch deutsche Investmentbanker geben. “Da gibt es einfach nicht mehr die Karrierewege”, ergänzt der Experte.

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