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Rückblick 2010 – eine kurze Bilanz des ersten Nachkrisenjahres in der Branche

2010 war ein gutes Jahr für…

Deutsche Bank

“Wer hat, dem wird gegeben”, heißt es im Matthäus-Evangelium. Bei der Deutschen Bank gilt diese Bibelweisheit unbestritten. So erwirtschaftete der deutsche Branchenprimus von Januar bis September 2010 einen Vorsteuergewinn von 3,3 Mrd. Euro – der Spitzenplatz in der deutschen Bankenlandschaft. Damit wird die Deutsche Bank jedoch im Gesamtjahr voraussichtlich nicht an den Vorsteuergewinn von 5,2 Mrd. Euro aus dem Vorjahr heranreichen, was aber angesichts der Marktverwerfungen während der Eurokrise immer noch beachtlich ist.

Das Investmentbanking als traditioneller Goldesel der Deutschen Bank kehrte indes zur gewohnten Stärke zurück und verzeichnete in den ersten neun Monaten des Jahres einen Vorsteuergewinn von 5,3 Mrd. Euro, was eine Steigerung von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ergibt.

Auch die Kapitalerhöhung von über 10 Mrd. Euro konnte die Bank im Herbst ohne Schwierigkeiten stemmen und damit die Übernahme der Postbankmehrheit zum Jahresende vollziehen. Damit kommt die Deutsche Bank ihrem Ziel näher, dem starken, aber risikoreichen Investmentbanking eine Stütze im risikoarmen Retailbanking gegenüberzustellen. Allerdings steigen jetzt die Befürchtungen, dass die Konsolidierung der Postbank mit einem Stellenabbau in beiden Häusern verbunden sein könnte.

Hypo Vereinsbank

Die Hypo Vereinsbank (HVB) hat in der Unicredit Group eine schwierige Stellung. So schwächelt die deutsche Tochter ausgerechnet im Retailbanking – einem Hauptgeschäftsfeld der Italiener – und erwirtschaftete im Privat- und Firmenkundengeschäft nur einen winzigen Vorsteuergewinn von 13 Mio. Euro.

Dennoch konnte die HVB als Ganzes im gleichen Zeitraum einen Vorsteuergewinn von knapp 1,7 Mrd. Euro generieren, woran allerdings die Investmentbanker einen Anteil von 1,4 Mrd. Euro oder über 80 Prozent beitrugen. So kennen wir die Investmentbanker: unbeliebt, aber ertragsstark.

Allianz und Munich Re

Die Versicherungsbranche scheint die Finanzkrise gut überstanden zu haben. In den ersten neun Monaten 2010 steigerte der europäische Branchenprimus Allianz sein Konzernergebnis um 25 Prozent auf über 4 Mrd. Euro und übertraf damit die Erwartungen.

Bei dem Lokalrivalen Munich Re, der neben dem Rückversicherungsgeschäft auch die Erstversicherungsgruppe Ergo betreibt, sieht es ganz ähnlich aus. So konnte die Munich Re mit knapp 2 Mrd. Euro in den ersten neun Monaten bereits ihre Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr erzielen.

Allerdings ziehen düstere Wolken über der Versicherungsbranche auf. So scheint das Zinsniveau auch weiterhin niedrig zu bleiben, was die Allianz bereits zu einer Verringerung der Gesamtverzinsung ihrer Lebensversicherungen zwang. Noch größere Risiken dürfte die Eurokrise für die Versicherungsbranche verheißen.

2010 war ein schlechtes Jahr für…

Commerzbank

Gute Nachricht für die Bank, schlechte für die Mitarbeiter. Die Commerzbank kommt bei der Sanierung auf der Kostenseite schneller voran als erwartet. So konnte das krisengeschüttelte Institut in 2010 bereits die Hälfte des geplanten Abbaus von 9000 Stellen umsetzen, weitere 25 Prozent wurden vertraglich vereinbart. Betroffen hiervon waren allein rund 1500 Investmentbanker.

Doch der Kahlschlag der verbleibenden gut 2000 Stellen bis Ende 2011 dürfte wesentlich schwerer fallen, wie zuletzt bekannt wurde. Beispielsweise sollen allein am Hauptsitz Frankfurt, wo die Bank gut 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, weitere 1000 Stellen gestrichen werden.

Auf der Einnahmeseite sieht es weiterhin düster aus. Die riesige Retailsparte erzielte in den ersten neun Monaten 2010 lediglich einen Minivorsteuergewinn von 72 Mio. Euro. Überdies bleibt zweifelhaft, ob die Commerzbank nach dem HGB-Abschluss einen Gewinn für das abgelaufene Jahr vorweisen kann. Falls dies nicht der Fall sein sollte, muss die Commerzbank auch weiterhin keine Zinsen für die Hilfszusagen des Bundes in Höhe von insgesamt gut 18 Mrd. Euro zahlen. In diesem Fall dürfte allerdings der Sanierungsdruck seitens der Politik weiter steigen.

Landesbanken

Während die Commerzbank wenigstens bei der Sanierung vorankommt, weiß bei der Konsolidierung des deutschen Landesbankensektors noch niemand, wo die Reise hingeht. So scheiterte im Herbst die angedachte Fusion von BayernLB und WestLB, schon bevor es zu einer eingehenden Buchprüfung beider Häuser kam.

Bei dem Verkauf der WestLB ist auch weiterhin kein ernstzunehmender Käufer in Sicht. Allerdings machen gelegentlich Gerüchte die Runde. So berichtete das Handelsblatt in der vergangenen Woche noch über das Interesse eines chinesischen Investors. Überdies muss derzeit auch der von der EU geforderte Verkauf der Immobilientochter Westimmo als gescheitert gelten. Die WestLB stoppte mangels attraktiver Kaufangebote selbst im Dezember das Verfahren.

Auch bei den übrigen Landesbanken ist keine Konsolidierung in Sicht, obgleich mehrfach Fusionspläne kolportiert wurden, in deren Mittelpunkt regelmäßig die Dekabank und die Helaba standen. Kleiner Trost am Rande: In den ersten neun Monaten des Jahres schrieben die meisten Landesbanken – mit Ausnahme der Landesbank Baden-Württemberg und der HSH Nordbank – wieder schwarze Zahlen.

Eine Konsolidierung dürfte kaum ohne einen weiteren Stellenabbau – auch über die geplanten Maßnahmen hinaus – auskommen. Im schlimmsten Fall droht sogar die Abwicklung ganzer Institute. Der Aufsichtsratschef der HSH Nordbank und frühere Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper hat zwischenzeitlich die WestLB als gänzlich überflüssig bezeichnet: “Niemand braucht die WestLB. Strich drunter und abwickeln.” Damit stünden allein bei dem Düsseldorfer Institut mehr als 4700 Stellen zur Disposition.

Sal. Oppenheim

Bei Sal. Oppenheim klingelte bereits im Frühjahr das Totenglöckchen. Zu diesem Zeitpunkt wurde die ehedem größte Privatbankengruppe von der Deutschen Bank übernommen und seither lässt der neue Eigentümer die Axt kreisen.

So wurden zunächst die werthaltigen Teile der Aktienanalyse und des Investmentbankings an die australische Macquarie-Bank verkauft, die damit ihr Europageschäft aufbauen konnte. Ein anderes Team wechselte freiwillig zur Privatbank Hauck&Aufhäuser. Das restliche Investmentbanking wird abgebaut.

Die ehemalige Sal. Oppenheim-Tochter BHF Bank mit gut 1500 Mitarbeitern wollte die Bank indes in 2010 versilbern. Allerdings sprangen auch hier die Bieter im Laufe des Verfahrens reihenweise ab. Zunächst zog sich das Bielefelder Bankhaus Lampe aus dem Bieterverfahren zurück und auch der lange favorisierten Liechtensteiner LGT Bank scheint eine Übernahme der ganzen BHF Bank mittlerweile nicht zu gefallen. Im Grund stellt sich ohnehin nur die Frage, wer die BHF Bank saniert, der alte oder der neue Eigentümer? Auch hier ist ein weiterer Arbeitsplatzabbau absehbar.

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