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Wirtschaftsprüfer suchen den Karrierekick über einen MBA

Jüngste Studienergebnisse der Association of MBAs (AMBA) belegen, dass das Gehalt nach Abschluss eines MBA üblicherweise um 18 Prozent steigt. Drei bis fünf Jahre nach dem Abschluss beträgt der Anstieg sogar mehr als 50 Prozent. Sechs von zehn MBA-Absolventen sind innerhalb von fünf Jahren in höhere Management- oder Vorstandspositionen aufgerückt.

Allerdings dauert ein MBA zwei lange und harte Studienjahre und kostet obendrein (wenn der Arbeitgeber die Kosten nicht übernimmt) rund 58.000 Euro ( 40.000). Die Frage ist, ob ein Wirtschaftsprüfer wirklich einen MBA braucht.

Rund 1.500 Wirtschaftsprüfer sind davon offensichtlich überzeugt, denn 15 Prozent der AMBA-Mitglieder stammen aus den Reihen der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Weltweit sind das knapp unter 10.000 Mitglieder.

Jeanette Purcell, Geschäftsführerin von AMBA, meint: “Arbeitgeber achten auch bei Top-Managern zunehmend auf “Soft Skills” wie zwischenmenschliche Kommunikation, Teamfähigkeit, strategisches Denken und Kreativität. Während der Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer werden solche Fähigkeiten wenig entwickelt, wohingegen MBA-Studiengänge auch darauf Wert legen.”

Das macht einen MBA aber noch längst nicht für jedermann zu einer lohnenden Investition.

“Ob es sich lohnt, hängt vom Tätigkeitsfeld ab. Für Wirtschaftsprüfer, die z.B. als M&A-Berater tätig sind, kann ein MBA eine wichtige Zusatzqualifikation sein”, glaubt Lee Sweeney von Sharp, einem auf Wirtschaftsprüfer spezialisierten Personalberatungshaus aus Leeds. “Als Controller oder als Leiter der Finanzabteilung könnte der MBA dagegen weniger nützlich sein.”

Sweeney warnt vor dem Irrglauben, dass ein MBA automatisch die Gehaltserhöhung mit sich brächte. “Typischerweise verweisen MBA-Dozenten darauf, dass ihre Seminare zu Gehaltssteigerung von rund 20 Prozent führen. Ich glaube allerdings, dass das nicht allein auf diese Zusatzqualifikation zurückführbar ist. Der MBA spricht eine Klientel an, die ohnehin zu den Spitzenverdienern gehören würde.”

“Für sehr ambitionierte Menschen macht der MBA Sinn”, fügt Sweeney hinzu. “Wer ein sechsstelliges Gehalt und Bonuspaket anstrebt, der sollte in jedem Fall einen MBA machen. Wenn man jedoch ein einfacher Wirtschaftsprüfer ist, der es nicht auf Spitzenpositionen abgesehen hat, würde ich mir nicht die Mühe machen. Bei einem Jahresgehalt von 45.000 bis 60.000 Euro lohnt sich ein MBA nicht wirklich.”

Hinzu kommt, dass der MBA-bedingte Gehaltsanstieg zwischen den Jahren 2002 und 2004 von 39 Prozent auf 18 Prozent gesunken ist.

“Der Rückgang könnte zum Teil die Verlagerung des Schwerpunktes weg von hohen Grundgehältern hin zu Prämien und anderen variablen Vergütungssystemen widerspiegeln. Man kann aber auch einen dämpfenden Effekt durch den starken Anstieg an MBA-Absolventen in den letzten Jahren beobachten”, meint Carl Tams, Pressesprecher der AMBA.

Außerdem könnte es sein, dass Arbeitgeber, die bislang ihren Mitarbeitern einen MBA-Abschluss finanziert haben, solche Belohnungen nicht mehr nötig haben, um einen MBA-Absolventen im Team zu halten. Darüber hinaus ist es auch gut möglich, dass der Internethype Ende der Neunzigerjahre die Nachfrage nach MBA-Absolventen künstlich aufgebläht hat.

“Es ist von Vorteil, einen MBA zu besitzen, aber der Abschluss allein ist nicht automatisch der Schlüssel zu einem besseren Job”, meint Stevan Rolls, Personalleiter bei Ernst & Young. “Es zeigt, dass man durchaus zu Mehrarbeit bereit ist und kann der Karriere damit langfristig nützlich sein. Der eigentliche Wert hängt jedoch von der individuellen Situation und der Branche, in der man tätig ist, ab.”

Wenn man in die große Geschäftswelt einsteigen will, könnte ein MBA eine gute Ausgangsposition sein.

Hilary Sears, stellvertretende Geschäftsführerin bei AT Kearney Executive Search, informiert MBA-Absolventen über weitere Karriereschritte: “Ein MBA ist ein guter Anfang, um als Wirtschaftsprüfer in die freie Wirtschaft zu wechseln, da Sie eine breitere Spanne an Qualifikationen vorweisen können und Sie mit Themen konfrontiert werden, die Ihnen zuvor noch nicht begegnet sind, wie z.B. Personalwesen und Marketing”, meint Sears. “Die traditionell größten Branchen, die MBA-Absolventen eingestellt haben, Investment Banking und Unternehmensberatungen, haben seit zwei oder drei Jahren einen Einstellungsstopp. Dort wurden auch die besten Gehälter gezahlt. Nun stellen sie wieder ein, aber in der Zwischenzeit sind MBA-Absolventen hinsichtlich ihrer Gehaltsvorstellungen realistischer geworden. Und auch die Industrie – sogar kleinere Unternehmen – zeigen zunehmend Interesse an MBAs.”

ACCA (Vereinigung vereidigter Wirtschaftsprüfer – Association of Chartered Certified Accountants) und CIMA (Institut der betrieblichen Rechnungsprüfer – Chartered Institute of Management Accountants) bieten beide MBA-Kurse an. ACCAs Seminare sind exklusiv auf die ACCA-Mitglieder ausgerichtet und werden in Zusammenarbeit mit der Oxford Brookes University durchgeführt. Die Kurse erkennen bereits frühere, während des Studiums besuchte Rechnungs- und Finanzseminare an. Die Studenten studieren online und benutzen besonders gestaltete Seminarunterlagen. Momentan absolvieren mehr als 200 Mitglieder einen MBA.

Mitglieder der CIMA werden von 50 Prozent des MBA-Programms des Henley Management College befreit. Nach der Umwandlung von bereits erbrachten Leistungen steigen CIMA-Mitglieder gleich in den dritten Teil des Henley MBA-Programms ein. “Sehen Sie sich auch noch nach weiteren Business Schools um”, meint Purcell. Details finden sich auf der AMBA-Webseite. Und sie fügt hinzu, dass auch andere Business Schools Studenten mit finanzwissenschaftlichen Vorkenntnissen Teile der Seminare erlassen würden.

Wenn Sie sich für einen MBA entscheiden sollten,…

· Nehmen Sie sich ausreichend Zeit und wählen Sie mit Bedacht – es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, einige haben einen besseren Ruf als andere. Für weitere Informationen über Programme checken Sie: www.mbaworld.com

· Überprüfen Sie, ob Sie durch Ihr finanzwissenschaftliches Vorwissen von einigen Seminaren befreit werden könnten.

· Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber nach finanzieller Unterstützung, bevor Sie selbst das Geld aufbringen.

· Machen Sie keinen MBA direkt nach dem Abschluss des Wirtschaftsprüfers. Untersuchung von AMBA haben ergeben, dass Angestellte mit fünf bis neun Jahren Berufserfahrung vor dem MBA durchschnittlich 11 Prozent mehr verdienen als Angestellte mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung.

· Denken Sie über ein Vollstudium nach: MBAs, die ein zweijähriges Vollstudium absolviert haben, beziehen anschließend ein höheres Durchschnittsgehalt als jene Kollegen, die ein einjähriges Teilzeit- oder ein Fernstudium absolviert haben.

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