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Verdienen Banker zu viel?

Die Anzahl der Banker in Deutschland, die für 2007 mehr Boni erhalten haben als im Vorjahr, ist stark gesunken, während die Anzahl der geringer Vergüteten stark gestiegen ist. Dennoch ist ganz aktuell eine Diskussion über gierige Banker, zu hohe Bonifikationen und stattliche Gehaltsregulierung entbrannt.

Banker haben sich zum Lieblings-Angriffsziel der Verfechter von Gehaltsregulierungen gemausert. Bundespräsident Horst Köhler beispielsweise warf jüngst der Finanzindustrie vor, den Bezug zur Realwirtschaft zu haben. “Dazu gehören auch bizarr hohe Vergütungen für einzelne Finanzmanager”, so Köhler, der mehr staatliche Kontrolle für angebracht hält.

In dieser Woche trafen sich die EU-Finanzminister in Brüssel. Einem vertraulichen Dokument zufolge soll eine mögliche Regulierung der Gehälter von Top-Managern und Bankern eines der Themen gewesen sein. Ein Dorn im Auge sollen den Finanzministern dabei insbesondere hohe Abfindungen, aber eben auch Aktien-Optionen und Bonifikationen sein.

Einschränkung der Gehaltshöhen

Die Politik favorisiert dabei derzeit Modelle, die keine unmittelbaren Gehaltsobergrenzen vorschreiben, sondern mittels der Begrenzung steuerlicher Geltendmachung von Zahlungen zu einer Einschränkung der Gehaltshöhen führen sollen.

Doch kann eine staatliche Regulierung – egal welcher Art – von Banker-Gehältern eine Lösung sein? Josef Ackermann, Deutsche Bank-CEO und Chairmann des internationalen Branchenverbands IIF spricht sich gegen jegliche Regulierung aus, räumt jedoch ein: “Die Vergütungssysteme könnten in einigen Fällen der Auslöser für das Eingehen exzessiver Risiken gewesen sein.”

Er spricht sich dafür aus, die Bonussysteme langfristiger auszulegen, um das kurzfristige Spekulieren durch (zu) hohe Risikoaufnahme zu umgehen. Die Hoheit über die Vergütungssysteme müsse jedoch weiterhin beim Senior Management der einzelnen Institute liegen.

Wall Street sollte sich schämen

Auch in den USA kennt man eine solche Diskussion angesichts der Rekord-Bonuszahlungen für 2007. Die fünf führenden US-Investmentbanken haben Berechnungen der Finanzagentur Bloomberg zufolge für das vergangene Jahr die Rekordsumme von 38 Milliarden Dollar an ihre Mitarbeiter ausgeschüttet. Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase, erklärte angesichts dieser Zahlen gegenüber der Welt am Sonntag: “Es stimmt, dass die Wall Street sich manchmal für ihre Gier schämen sollte.”

Dimon teilt dennoch Ackermanns Auffassung und hielte jegliche Art der Regulierung von Gehältern und Boni für einen schrecklichen Fehler. “Würde uns die Regierung vorschreiben, wie viel oder in welcher Form wir unsere Mitarbeiter bezahlen dürften und müssten, würden alle Top-Talente einfach in nicht regulierte Bereiche abwandern, zum Beispiel zu Hedgefonds.”

Um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen und deutschen Banken zu erhalten, darf es also keine Regulierungs-Alleingänge geben!

Kommentare (2)

Comments
  1. Die Conclusio trifft es: Wer nicht will, dass letztendlich alle fähigen Talente nach Singapur, Hong Kong oder so ähnlich abwandern, sollte sich Gehaltsregulierungen gut überlegen!

  2. Welchen ökonomischen Mehrwert bietet ein Fondsmanager für eine Volkswirtschaft? Und wieso sollte es vor diesem Hintergrund Jemanden interessieren ob dieser abwandert?

    Und was hat das “Gehalt eines Bankers allgemein” (das implizieren nämlich der Titel des Artikels und auch einige öffentliche Diskussionen) mit dem Gehalt eines Fondsmanagers zu tun?

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