Banken drohen erneut hohe Abschreibungen - Effekt auf Personalpolitik unklar

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Das Elend geht weiter. Wegen der jüngsten Verwerfungen und extremen Kursschwankungen rechnen Analysten damit, dass Banken im dritten Quartal erneut hohe Abschreibungen auf faule Kredite und Kreditderivate vornehmen müssen.

"Auch wenn die deutschen Banken nicht direkt von der Lehman-Insolvenz betroffen zu sein scheinen, werden sie die Finanzkrise heftig zu spüren bekommen und im dritten Quartal weitere Abschreibungen ausweisen, sagte Unicredit-Analystin Kerstin Vitvar der Nachrichtenagentur Dow Jones. Das vierte Quartal werde ebenfalls turbulent bleiben.

Statt die Märkte nun aber auf das Unvermeidliche vorzubereiten, machen die deutschen Banken die Schotten dicht. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich zu den Positionen der Bank gegenüber einzelnen Kunden ebenso wenig äußern wie die Commerzbank, Postbank und Dresdner Bank.

Dagegen lassen sich die Kosten des Lehman-Konkurses für einige Staatsbanken bereits beziffern. Bei der Staatsbank KfW beträgt das gesamte Exposure 536 Mio. Euro. Davon entfällt der größte Teil - keine Überraschung - auf die am Montag versehentlich überwiesene Swap-Zahlung in Höhe von rund 350 Mio. Euro.

Die ebenfalls angeschlagene BayernLB könnte nach Dow-Jones-Informationen Verluste von rund 300 Mio EUR verbuchen. Dagegen wollte sich die HSH Nordbank zu Kundenbeziehungen nicht äußern. Eine interessante Aussage, schließlich hat die hamburgisch-schleswig-holsteinische Landesbank erst vor wenigen Monaten die UBS wegen umstrittener Kreditprodukte in den USA auf Schadensersatz verklagt.

Auf die WestLB wirkt sich die Lehman-Pleite angeblich nur geringfügig aus. Die Bank habe kein unbesichertes Exposure in Anleihen und strukturierten Papieren mit Lehman Brothers als Emittentin in ihren Büchern stehen, hatte das Institut bereits am Dienstag mitgeteilt. Das Nettoexposure bei Derivaten liege im niedrigen einstelligen Millionen-Bereich. Kreditlinien mit Lehman Brothers bestünden nicht.

Ob sich die erwarteten Abschreibungen auf die Personalpolitik der betroffenen Banken auswirken kann zumindest für die Commerzbank und Dresdner Bank ausgeschlossen werden, die im Rahmen des Zusammenschlusses ohnehin 6.500 Stellen in Deutschland streichen wollen. Und die genannten Landesbanken hatten bereits zu früheren Zeitpunkten angekündigt, im Durchschnitt mehrere hundert Arbeitsplätze zu streichen.

Anders dürfte die Situation bei der Deutschen Bank aussehen. Die einzige deutsche Bank mit globalem Investmentbanking-Geschäft muss vermutlich erneut große Wertpapier- und Kreditbestände nach unten korrigieren.

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