Kommentar - Warum Frankfurt gegen London gewinnen kann - oder auch nicht!

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Napier Scott.

Auf diese Nachricht haben Deutschlands Banker gewartet: Der Finanzplatz Frankfurt holt im Vergleich zu New York und London auf. Schreibt die Helaba, in ihrem dritten Finanzplatzvergleich seit 2006.

Keine Ahnung, was die Autoren in den ersten beiden Studien geschrieben haben. Aber nach dem Lesen der Pressemitteilung darf man vermuten, dass der Abstand zwischen Frankfurt und Konkurrenten wie New York und London eher wachsen als schrumpfen wird. Auch wenn die Autoren dieser "Expertise" das Gegenteil behaupten.

Schließlich findet sich in dem Papier nicht ein einziger Hinweis, der auf Strukturänderungen in Deutschland schließen ließe. Oder sollte der Öffentlichkeit entgangen sein, dass die Regionalbörsen und die meisten Landesbanken aufgelöst worden sind? Und inwieweit die Fusion von Commerz- und Dresdner-Bank den Finanzplatz Frankfurt stärkt, erschließt sich dem Leser auch nicht.

Mangels Fakten ruhen die Annahmen/Hoffnungen der Autoren vor allem auf den Auswirkungen der Finanzkrise. Weil London und New York von der Finanzkrise viel härter getroffen worden seien als Frankaforte, müsse der Abstand zwischen den beiden Champions-League-Mannschaften und dem zweitklassigen Team aus Hessen schrumpfen, schließt die Helaba ebenso scharf wie mathematisch korrekt.

Tatsächlich habe die Finanzmarktkrise "einen tiefgreifenden Veränderungsprozess in der weltweiten Bankenlandschaft angestoßen", ließ sich Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud vernehmen. Geschäftsmodelle und vormals boomende Marktsegmente, wie strukturierte Wertpapiere und Verbriefungen, stünden auf dem Prüfstand. Sowohl im Wholesale- als auch im Retail-Geschäft finde eine Rückbesinnung auf Kernkompetenzen statt.

Welche das sind erfährt die interessierte Öffentlichkeit aber leider nicht!

Der seit Jahren zu beobachtende Trend, dass sich die deutsche Bankbeschäftigung verstärkt in der Main-Metropole konzentriert, dürfte "durch die Krise noch stärker akzentuiert werden."

Einige Tausend Dresdner-Co-Banker werden diese "Akzentuierungs"-These sicher gerne bestätigen.

In diesen schwierigen Zeiten soll/muss mal wieder die Europäische Zentralbank Frankfurt auf die Beine helfen. Traud: "Der Euro hat sich innerhalb von nur zehn Jahren als internationale Währung mit breiter Akzeptanz etabliert und dabei in mancher Hinsicht den Abstand zum Dollar verringern können. Inmitten der Marktturbulenzen hat sich der Euro als Hort der Stabilität behauptet."

Das ist zwar richtig, ebenso der Hinweis, dass das britische Pfund schwächelt - nur hat all das nicht verhindern können, dass London den Währungshandel - vor allem das Euro-Geschäft - weiter dominiert.

Die Helaba-Expertin will außerdem beobachtet haben, dass Deutschland als bedeutende Volkswirtschaft in der Gunst der Marktteilnehmer "vermehrt an Ansehen gewinne". So habe sich der Spread innerhalb der Eurozone deutlich ausgeweitet und deutsche Staatsanleihen gehören zu den Favoriten der Anleger; der Markt für Bundesanleihen inklusive der entsprechenden Absicherungsinstrumente befindet sich im Wesentlichen in Frankfurt.

Wahnsinn! Super! Echt! Und wie viele Arbeitsplätze sind deshalb in Frankfurt entstanden?

"Die Veränderungen in der deutschen Bankenlandschaft werden vermutlich geringer ausfallen als beispielsweise in Großbritannien, zumal das klassische Kreditgeschäft am hiesigen Finanzplatz traditionell eine größere und Verbriefungen eine kleinere Rolle spielen als in London."

Genau "vermutlich", "vielleicht", "könnte sein", "mal gucken" ...

Dazu Traud: "Insgesamt ist der deutsche Bankensektor weniger von der Krise betroffen als der britische. Die Notwendigkeit zu Abschreibungen im Wertpapier- und Kreditportfolio der Banken ist geringer und die Kreditversorgung der heimischen Wirtschaft bislang besser als in Großbritannien oder auch im restlichen Euroraum.

Pardon me? Welche Großbank in Deutschland hat im vergangenen Jahr nicht Milliardenbeträge abgeschrieben und hohe Verluste verzeichnet? Und wie hat die Helaba eigentlich die Qualität der Kreditvergabe in Deutschland und Großbritannien gemessen und verglichen? Vermutlich überhaupt nicht, sonst hätte sie das wohl belegen können.

Ähnlich haben sich auch die französischen Institute in den zurückliegenden turbulenten Monaten besser geschlagen als die britischen, so dass Frankfurt auch die Finanzplatzkonkurrenz in Paris im Auge behalten sollte."

Und ausgerechnet die Deutsche Bank hat mitgeholfen, als sich der Branchenprimus bei der Versteigerung der Düsseldorfer Citibank von einer weitgehend unbekannten französischen Genossenschaftsbank überbieten ließ. Soooo viel wollte sich die Deutsche die seit Jahren mit Verve geforderte Konsolidierung dann doch nicht kosten lassen.

Im Übrigen, so die Helaba-Experten weiter, habe sich das für Deutschland typische Universalbankensystem verglichen mit dem angelsächsischen Investmentbankenmodell als stressresistenter gezeigt. "So sind die Kosten der Bankenrettung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt am britischen Bankenstandort besonders umfangreich."

Irgendwelche Zahlen, mit denen sich das belegen ließe, sind natürlich Fehlanzeige.

Zudem könnte es sich für London unter Wettbewerbsgesichtspunkten als belastend erweisen, wenn das bisherige globale Deregulierungsbestreben in einen anhaltenden Trend zur verstärkten Kontrolle der Finanzmärkte umschlägt; generell sind für den langfristigen Erfolg eines Finanzstandortes Regulierungen mit Augenmaß wichtig.

Könnte! - Leider verliert dieses Argument an Zugkraft, wenn man bedenkt, dass sich die Tommys seit Jahren weigern, dem Euro beizutreten. Warum sollten sie nun Abstriche bei ihrer bis vor kurzem auch von deutschen Kommentatoren gelobten "Light-Touch-Regulierung" machen?

Dass der britische Finanzsektor besonders unter der Krise leidet, dürfte dem Image Londons als führender europäischer Finanzplatz nicht gerade zugute kommen.

Genau, es gibt mindestens null Banken, die angekündigt haben, London aus Imagegründen zu verlassen und statt dessen ins Frankfurter Exil zu gehen?

Als größte Volkswirtschaft Europas bzw. viertgrößte der Welt rangiert Deutschland nicht nur vor Großbritannien und Frankreich, die Konjunkturerholung dürfte sich hierzulande auch früher bzw. deutlicher vollziehen.

Klingt gut! Mal sehen, ob sich die Helaba in einem Jahr, wenn die Zahlen zum Wachstum in den verschiedenen Ländern vorliegen, noch an diese von Wunschdenken geleitete These erinnern will.

"Unterstützt von den umfangreichen fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen ist eine Stabilisierung der deutschen Wirtschaftsentwicklung absehbar", prognostiziert Traud. "Allerdings wird der stimulierende Effekt der staatlichen Konjunkturprogramme im kommenden Jahr stärker ausfallen als im laufenden, so dass dann mit einer Konjunkturerholung in Deutschland zu rechnen ist.

Ähm, in Großbritannien aber auch, und in den USA, Japan, Frankreich, ...

Dies kommt dem Finanzplatz Frankfurt ebenso zugute wie das umfangreiche Unterstützungsangebot seitens der Bundesregierung für die hiesigen Institute, obgleich die bankspezifischen Rettungsmaßnahmen bislang erst begrenzt in Anspruch genommen wurden und noch keine nationale Lösung für die ausfallgefährdeten Bankaktiva beschlossen wurde."

Ja, was denn nun?

Insgesamt stehen die Chancen recht gut, dass der Finanzplatz Frankfurt zusammen mit der deutschen Konjunktur 2010 wieder auf einen Erholungspfad einschwenken kann. Schließlich trägt das Prosperieren einer Volkswirtschaft maßgeblich zur Stärke ihres Finanzzentrums bei.

Nein, wirklich?

Frankfurt kann selbstbewusst darauf hinweisen, dass es eine Fülle von Stärken aufweist;

... und weil das so viele sind, sparen wir es uns, auch nur eine aufzuschreiben.

mit Frankfurt Main Finance hat der hiesige Standort nun ein schlagkräftiges Marketing-Organ.

Daran hat es dem Standort bislang auch am meisten gefehlt ...

Wenn der Anpassungsprozess in der Bankenwelt erst einmal vollzogen ist, hat der Finanzplatz Frankfurt mit seinen zahlreichen Standortvorteilen, die sich auch in Krisenzeiten als beständig erwiesen haben, womöglich Boden im europäischen Finanzplatz-Wettbewerb gut machen können.

Und wenn nicht, ist es auch egal, schließlich erinnert sich in wenigen Tagen, Stunden, Minuten, kein Mensch mehr an unsere Studie!

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