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Citigroup: Der nächste Ausverkauf im Investmentbanking

Die größte Bank der Welt reiht sich ein in den Riegen der Kreditinstitute, die Entlassungen im Investmentbanking ankündigen. Auch deutsche Banken taten dies zuletzt – bis auf einige rühmliche Ausnahmen.

Der Februar 2005 endete mit einer weiteren Hiobsbotschaft für Investmentbanker: Charles Prince, CEO der Citigroup, des weltgrößten Bankkonzerns, bestätigte die bereits seit Tagen in US-amerikanischen Medien kolportierte Entlassung von 1.400 Angestellten, der Großteil davon Kräfte im Investmentbanking.

Von den Stellenkürzungen betroffen sind damit rund 3 % der bislang noch 48.000 Arbeitsplätze der betroffenen Geschäftsbereiche Investmentbanking und Firmenkunden.

Auch Citigroups Investmentbanker in Europa werden nicht ungeschoren davonkommen: Den Angaben zufolge werden Analysten der Researchtochter Citigroup Smith Barney freigesetzt.

Mit dieser Maßnahme setzt Prince das bereits zuvor angekündigte Kostensenkungsprogramm um, das das Investmentbanking wieder profitabler machen soll. Der einstige Vorzeigesektor der Citigroup war in den letzten Monaten aufgrund diverser umstrittener Machenschaften in die Schlagzeilen und auch in den Fokus von Börsenaufsichten und Staatsanwaltschaften geraten. Aus den Schlagzeilen wieder heraus wird diese Maßnahme die Citigroup wohl auch nicht bringen.

Auch deutsche Banken räumen auf

Auch die Manager der großen deutschen Kreditinstitute verkündeten in den letzten Wochen einen Stellenabbau im Investmentbanking. Von den angekündigten 6.400 Entlassungen der Deutschen Bank werden 2.700 durch die Zusammenlegung von Renten- und Aktienhandel an den Standorten London und New York direkt den Bereich Investmentbanking betreffen. Dabei wird sogar vor großen Namen nicht halt gemacht, nicht wenige Managing Directors stehen wohl auf den “schwarzen” Listen.

Auch ein Teil der restlichen 3.700 Entlassungen wird Investmentbanker tangieren, allerdings “nur” in den administrativen Bereichen. “Der Abbau geht quer durch alle Bereiche und alle Hierarchieebenen”, kommentiert Claes Smith-Solbakken, Mitinhaber der Personalberatung Smith & Jessen in Frankfurt, den derzeitigen Exodus aus den Frankfurter Doppeltürmen.

Der innerdeutschen Konkurrenz geht es da nicht anders: Den Anfang machte im Dezember 2004 die Dresdner Bank unter der Leitung des ehemaligen Deutsche Bank-Vorstands Walter mit der Ankündigung von 240 Stellenstreichungen im Investmentbanking, die Commerzbank folgte mit 400 geplanten Entlassungen.

Nach Einschätzung des Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken, Rolf E. Breuer, drohen angesichts der schwächelnden Renditen bei den deutschen Banken auch in den nächsten Jahren weitere Stellenstreichungen in allen Unternehmensbereichen – und damit auch im Investmentbanking.

“Die Renditen der hiesigen Banken sind im internationalen Vergleich einfach zu gering. Wenn sich das nicht ändert, sind die mittelfristigen Aussichten düster”, ergänzte der Bankenpräsident.

Absolventensuche trotz Stellenabbau

Trotz den sowohl von den Banken als auch von deren Spitzenverband angekündigten Streichungen von seit Anfang 2004 insgesamt mehreren 10.000 Stellen planen die vier Großbanken Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank und HypoVereinsbank in den nächsten Monaten rund 850 Universitätsabsolventen einzustellen.

Einer aktuellen Umfrage des Job- und Wirtschaftsmagazins Junge Karriere zufolge werden die privaten Großbanken in Deutschland 2005 wieder Uni-Abgänger im großen Stil einstellen. Eine Entwicklung, die angesichts der Entlassungen im Stammpersonal und der Flaute bei den Absolventeneinstellungen in den vergangenen Jahren durchaus überrascht.

Der größten Bedarf an Hochschulabgängern kündigt sich bei der Commerzbank an, die im Laufe des Jahres die Einstellung von rund 300 Branchennewcomern plant. Auch die Deutsche Bank sucht eigenen Angaben zufolge bis zu 250 Abgänger, Dresdner und HypoVereinsbank jeweils rund 150 Absolventen. Gesucht sind neben Wirtschaftswissenschaftlern und -ingenieuren zunehmend auch Mathematiker, Physiker und Juristen.

WestLB: Neuaufbau im Investmentbanking

Während die großen deutschen Privatbanken also noch mitten im Kehraus stecken, hat die größte deutsche Landesbank diesen bereits hinter sich. Die krisengeschüttelte WestLB aus Düsseldorf, hat bereits seit Beginn des vergangenen Jahres an der Bewältigung der auch durch das einstmals starke Investmentbanking hervorgerufene Schieflage in bilanzieller und Ertragshinsicht gearbeitet.

Die gute Nachricht aus Nordrhein-Westfalen für die ganze Branche: Der Umbau der Konzernstruktur ist vollständig abgeschlossen, der personelle Aderlass ist so gut wie beendet. Im Investmentbanking-Bereich mussten 800 Angestellte gehen, doch erste nennenswerte Neueinstellungen vor allem in Deutschland konnten bereits Ende 2004 beobachtet werden.

Im Geschäftsjahr 2004 hat die WestLB das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf 696 Mio. Euro erheblich verbessern können, aufgrund einer Strafzahlung an die Europäische Kommission in Höhe von 1,4 Mrd. Euro steht unter dem Strich aber nochmals ein Verlust: Nach vorläufigen Zahlen ist der Jahresfehlbetrag der Bank von 2,32 Mrd. auf 920 Mio. Euro gesunken.

Nach einer erheblichen bilanziellen Bereinigung mit Beteiligungsverkäufen in Milliardenhöhe sieht WestLB-Vorstand Manfred Puffer die Landesbank für die Zukunft gerüstet. “Jetzt haben wir die Freiräume, um uns intensiv um die neu gesetzten Prioritäten zu kümmern”, so Puffer. Im Jahr 2005 müsse sich die Werthaltigkeit des neuen Geschäftsmodells erstmals für ein volles Geschäftsjahr bewähren.

In diesem neuen Geschäftsmodell, das die Bank weg von den bisher überwiegenden hochverzinslichen Geschäften führen soll, scheinen die Investmentbanker wieder eine tragende Rolle zu spielen. “Hier in Düsseldorf gab es seit dem Spätsommer viele neue Gesichter in allen Investmentbanking-Bereichen der WestLB,” so ein Investmentbanker der Landesbank. “Darunter sind viele erfahrene Kollegen aus anderen Häusern.”

Derzeit verzeichnet der Sektor Investmentbanking der WestLB rund 1.300 Beschäftigte, über die Hälfte davon im Ausland.

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