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“Interim-Manager brauchen ein dickes Fell” – Interview

eFinancialCareers sprach mit Alexander Plaschko, 41, Interim-Finanzvorstand, über das Leben als freiberufliche Führungskraft.

Sie arbeiten seit Anfang der 90er Jahre überwiegend als “Freelancer”-CFO. Warum tun Sie das?

Ich bin nach meinem BWL-Studium in den Bereich Auftragstätigkeiten reingerutscht und dort hängengeblieben. Seitdem habe ich mehr als 20 Positionen auf Zeit innegehabt. Mir gefällt die Herausforderung schwieriger Aufgaben, die Möglichkeit immer etwas Neues zu sehen und mich als Mensch und Manager weiterzuentwickeln.

Wie lange dauern Ihre Stationen normalerweise?

In der Regel arbeite ich sechs bis neun Monate in einer Position, ich habe aber auch schon einmal 15 Monate auf der gleichen Stelle gearbeitet.

Wie unterscheidet sich die Arbeit zu einem festangestellten CFO?

In den meisten Fällen werde ich als CFO für Unternehmen in Veränderungssituationen oder als Krisenmanager verpflichtet. Am Anfang ist deshalb nie klar, wie lange die Tätigkeit dauern wird. Als Interim-CFO habe ich keine Vergangenheit und keine Zukunft in dem Unternehmen. Das heißt, ich kann Entscheidungen treffen, mit denen ich mich nicht beliebt mache. Andererseits kann ich nicht auf eine Hausmacht zurückgreifen wie ein festangestellter Manager, außerdem gibt es weniger Ruhephasen.

Welche Vorteile hat der Auftraggeber davon?

Ich bringe Erfahrung aus vielen Branchen und Unternehmen mit. Dies erlaubt es mir, sehr schnell die Optimierungspotentiale des Unternehmens zu erkennen. Wenn das externe Know-how eines Interim-CFO mit dem internem jahrelangen Wissen des bestehenden Managements zusammentrifft und man sich gegenseitig in seiner Unterschiedlichkeit anerkennt, dann werden oft ungeahnte betriebswirtschaftliche Potentiale freigesetzt. Außerdem bin ich sofort verfügbar und benötige nur eine kurze Einarbeitungszeit. Viele Unternehmen stellen Manager auf Zeit auch ein, um Zeit zu überbrücken. Dann nämlich, wenn ein Posten freigeworden ist, ein permanenter Nachfolger aber in der Kürze der Zeit nicht gefunden werden kann.

Wann lohnt sich ein Interim-Manager überhaupt?

In Standardsituationen macht ein Interim-Manager eigentlich keinen Sinn, sondern vor allem dann, wenn ein Unternehmen eine Krisensituation überstehen muss, oder ein Manager für einen absehbaren Zeitpunkt ausfällt, zum Beispiel durch Schwangerschaft oder Krankheit. Außerdem sollte das Unternehmen eine bestimmte Größe haben, also mindestens 100 Mitarbeiter beschäftigen, damit sich ein Manager auf Zeit überhaupt lohnt.

Wo arbeiten Sie zurzeit?

Zum wiederholten Male arbeite ich als CFO für ein Unternehmen, welches von einer Beteiligungsgesellschaft gekauft wurde. Aktuell ist es ein internationales Medienunternehmen.
Die Private-Equity-Gesellschaften sind übrigens ein Treiber der stärker werdenden Nachfrage nach Interim-CFOs: Viele Familienunternehmen finden keine geeigneten Nachfolger, und Töchter von Konzernen, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören, werden an eine Beteiligungsgesellschaft verkauft. Diese Firmen werden dann auf Profitabilität und Effizienz getrimmt. Da kann man als Interim-CFO seine Erfahrung, Unabhängigkeit und “out-of-the-box”-Denken sehr gut einbringen.

Wie kommen Sie an Ihre Aufträge?

Den aktuellen Auftrag hat mir Michael Page vermittelt, die eine langjährige Expertise in der Vermittlung von Interim-Managern haben.

Was für Eigenschaften braucht ein Interim-Manager, um erfolgreich zu sein?

Die fachlichen “skills” sind ähnlich wie bei einem festangestellten CFO – verschiedene Bilanzierungsstandards, Controlling, Strategie, Personal und IT. Hinzu kommen meistens die Anforderung nach Know-how im “Change”-Management und Krisenmanagement. Außerdem muss man sich in diesem Beruf ein dickes Fell aneignen, damit man mit dem Stress fertig wird. Sozialkompetenz ist ebenfalls unerlässlich: Als Interim-Manager muss ich mich schnell in einem neuen Unternehmen zurechtfinden und herausfinden, wer die “Key Player” sind und wie sie ticken. Nur wenn ich schaffe, die Manager vor Ort in die nötigen Veränderungen miteinzubinden, dann kann ein Vorhaben wie eine nachhaltige Erhöhung der Profitabilität oder Neuausrichtung gelingen.

Ein Interim-Manager ist also eher ein Teamplayer als ein Einzelkämpfer?

Es ist oft ein Drahtseilakt. Einerseits kann ich als Manager auf Zeit nur dann etwas in dem Unternehmen verändern, wenn ich mit den Mitarbeitern und Kollegen klar komme. Andererseits bin ich durch die Aufgabenstellung meines Jobs oft gezwungen, unpopuläre Maßnahmen zu treffen.

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