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KOMMENTAR: Mit dem Abblasen des BHF-Bank-Verkaufs verrät die BaFin ihre eigenen Ziele

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist eine stolze Behörde. Mittlerweile schon 1900 Mitarbeiter – Tendenz steigend – sollen ein “funktionsfähiges, stabiles und integres deutsches Finanzsystem” gewährleisten, wie die Anstalt von sich selbst behauptet.

Falls die durchsickernden Informationen zutreffen, dann hat die BaFin jetzt die Übernahme der BHF-Bank durch die Liechtensteiner LGT ausgebremst. Nach dem Gesetz muss die Behörde ein Inhaberkontrollverfahren in Gang setzen, wenn eine ausländische Bank mehr als zehn Prozent an einem deutschen Institut übernehmen will, was auf den BHF-Bank-Deal zutrifft.

Laut der Süddeutschen Zeitung (SZ) sei der Verkauf “politisch nicht opportun” gewesen. Denn die LGT hatte in der Vergangenheit bei der Steuervermeidung deutscher Prominenter wie dem ehemaligen Postchef Klaus Zumwinkel mitgeholfen.

Wenn selbst die kapitalstarke LGT als Investor abgelehnt wird, wer bleibt dann noch übrig?

Hinter der Bank steht das Liechtensteiner Fürstenhaus mit seinem Milliardenvermögen, das durch die LGT verwaltet wird – schon so etwas gilt in der deutschen Neidgesellschaft als verdächtig. Doch als Stein des Anstoßes wertete die BaFin laut SZ, dass die LGT auffallend viel Geld in Singapur anzogen habe.

Damit wird unterstellt, die LGT wolle mit der Übernahme der BHF-Bank ein Geschäft machen, indem das Geld vermögender Deutscher illegal in Steueroasen umgelenkt wird. Absurd.

Doch mit dem Abblasen der Übernahme erweist die BaFin nicht nur den Mitarbeitern der BHF-Bank, sondern dem deutschen Bankensektor einen Bärendienst. Da sämtliche Geschäftstätigkeiten der BHF-Bank durch andere Bereiche des deutschen Branchenprimus abgedeckt werden, bleibt der Deutschen Bank nichts anderes übrig, als das Unternehmen voll zu integrieren, was auf eine Abwicklung und massiven Stellenabbau hinauslaufen dürfte.

Ein Teil dieser Stellen hätte bei der Übernahme durch die LGT dauerhaft erhalten werden können. Mithin trägt die BaFin an dem bevorstehenden Stellenabbau zumindest eine Mitschuld.

Doch noch schlimmer wiegt das Signal, das die BaFin an internationale Investoren aussendet. Denn die LGT hat eine Eigenkapitalquote (Tier 1) von 19,3 Prozent, was gegenüber so manchem schwach kapitalisierten deutschen Institut stark ist. Wenn selbst ein so potenter Kandidat in den Augen der BaFin nicht würdig ist, eine deutsche Bank zu übernehmen, wer sollte dann in Frage kommen?

Fanal zum Arbeitsplatzabbau

Der Verkauf von Banken erweist sich somit zunehmend als ungangbarer Weg zur dringend erforderlichen Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft. Doch wenn BHF-Bank, WestLB und diverse andere Institute sich nicht verkaufen lassen (WestLB) oder nicht verkauft werden dürfen (BHF-Bank), dann bleibt nur noch ein Weg zu Konsolidierung übrig: Die Zerschlagung von Instituten und der massive Stellenabbau, der jetzt nicht nur die Beschäftigten der WestLB, sondern auch die der BHF-Bank ereilen wird.

Einem “funktionsfähigem, stabilen und integren deutschen Finanzsystem” dient die Entscheidung der BaFin jedenfalls kaum. Mit der Entscheidung verrät die Behörde vielmehr ihre eigenen Ziele und trägt tatkräftig zu einer Deklassierung des Finanzstandortes Deutschland bei.

Kommentare (2)

Comments
  1. Man sollte langsam aufpassen, das nicht ein Quasimonopolist mit der Dt Bank entsteht, da die Landesbanken nicht mehr wirklich zählen, die CoBa noch am Staate hängt, und bei völliger Losgelöstheit vom Staat, erst einmal wieder das internationale Geschäft aufbauen muss.

    Nur die Dt. Bank hat derzeit das Format international mitspielen zu können – abzuwarten was mit der Neuregelung bzgl Tier1 Kapital in den USA passiert….

    Was bleibt sind zwei Privatbanken von der Elbe und eine mit der HSBC im Rücken. Die DZ gibt es auch noch – da war einmal der Zusammenschluß mit der WGZ angedacht – und die genossenschaftlichen Eigentümer mußten auch mit einer Finanzspritze aushelfen – immerhin ohne Staatsgelder!

    Aber es wird düster in diesem unserem Lande, was die vielbeschworene Bankenkonsolidierung betrifft.

    Also demnächst wird es wieder Kontoführungsgebühren für die Onlinekonten geben – alles nur eine Frage der Zeit.

    Und wenn die Deutsche Börse die Fusion mit der Nyse nicht zum deutschen Vorteil hinbekommt, kann Frankfurt einpacken – Lichter aus!

  2. Ich hatte mit der BaFin in der Vergangenheit zu tun. Es ist eine fuerchterliche Behoerde mit nicht zu ueberbietender Buerokratie, voellig ueberorganisiert und realitaetsfremd, internen Kompetenzstreitigkeiten, alles dauert ewig, sie sind extrem formalistisch und von Kundenfreundlichkeit haben sie noch nie etwas gehoert. Definitiv eine Behoerde, die es zu vermeiden gilt. Es erstaunt mich auch gar nicht, dass sie sich fuer politische Zwecke einspannen lassen, wie im Artikel beschrieben.

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