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Frankfurt könnte wegen der Finanzkrise näher an London rücken

Wie jederman weiß, spielt London in der Champions League – und Frankfurt nur in der Bundesliga. Nein, die Rede ist ausnahmsweise einmal nicht von König Fußball, sondern von Finanzplätzen, genauer dem “Ranking” der weltweit führenden Finanzplätze.

Die Stadt am Main ist zwar Heimat der Europäischen Zentralbank, die Hoffnung, dass der Bankenstandort Frankfurt durch die EZB in eine Liga mit New York und London aufsteigen könnte, hat sich jedoch nie erfüllt.

Nun sieht es aber so aus, als könnte ausgerechnet die seit mehr als einem Jahr schwelende und von Zeit zu Zeit wie ein Vulkan ausbrechende Finanzkrise Frankfurts Stellung stärken.

Derzeit herrscht nämlich in der City of London Endzeitstimmung. Ein Bericht der Beratungsgesellschaft Hay Group und des Centre for Economic and Business Research kommt zu dem Ergebnis, dass die britische Hauptstadt bis Ende 2009 rund 110.000 Finanzarbeitsplätze verlieren könnte. Das wäre immerhin jede dritte Stelle in der City!

Nun übernimmt die viertgrößte britische Bank Lloyds TSB in einer Art Notoperation auch noch den Konkurrenten Halifax/Bank of Scotland. Bis zu 40.000 Jobs könnten dem Rotstift zum Opfer fallen. Schließlich unterhalten die beiden Privatkundenbanken ein großes Filialnetz, das sich vielerorts überschneidet.

Wenn die Zahl der Jobverluste in Deutschlands Geldbranche trotz der angekündigten Fusionen von Commerz- und Dresdner Bank sowie Deutscher und Postbank dagegen dem Trend der vergangenen Jahre folgt, muss sich der Abstand zwischen Großbritannien als dem führenden europäischen Finanzplatz und Frankfurt automatisch verringern.

Die Insel ist kurzfristig nicht nur wegen des niedrigeren Kündigungsschutzes verwundbarer als die Konkurrenten auf dem Kontinent. Darüber hinaus hat sich London in den vergangenen Jahren regelrecht auf das Investmentbanking spezialisiert.

Solange die Gewinne sprudelten, profitierte die Stadt, aber auch das Land davon. Jetzt aber, wo das Investmentbanking weltweit durchgeschüttelt wird und die Banken ihre Risikobereitschaft drastisch senken müssen, zeigt sich die Schwäche einer zu starken Spezialisierung.

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