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Treasurer: Vielbeschäftigte Zahlenjongleure [Teil 2]

Treasurer in der Bank oder in einem Unternehmen? Nicht nur das Gehalt sondern auch die Aufgabenvielfalt unterscheidet sich deutlich.

Der Einstieg in das Treasury Management verläuft vielfach über die Banken und ihr Firmenkundengeschäft. Die Grundausbildung bei der Bank bietet den Treasurern das nötige Rüstzeug für die spätere Tätigkeit. Jedoch sollten sich die Kandidaten frühzeitig überlegen, in welche Richtung der weitere berufliche Werdegang gehen soll. “Das Aufgabenfeld in einem Unternehmen ist viel breiter. Viele Aufgaben, die in Unternehmen von Treasurern übernommen werden, sind bei Banken den originären Bankgeschäften zugeordnet und werden daher von anderen Mitarbeitern übernommen”, erklärt Thomas Gerwert, Geschäftsführer des Mönchengladbacher Unternehmens- und Personalberaters GeCon. Der Konkurrenzkampf um die interessanten Jobs ist damit innerhalb der Bank härter, da sich die Qualifikationen der Kollegen in der Regel ähneln. Die Ausbildung eines Treasurers im Rechnungswesen eines Unternehmens ist vielseitiger. Dementsprechend gestaltet sich der Berufsalltag des Corporate Treasurers anstrengender, weil die Aufgabenlast nicht auf so vielen Schultern verteilt werden kann wie bei einer Bank.

Deutliche Gehaltsunterschiede

Aber nicht nur auf Grund der Aufgabenvielfalt, sondern auch hinsichtlich der Vergütung unterscheiden sich die Treasurer eines Unternehmens von denen einer Bank. Die Bankangestellten werden laut Gerwerts Einschätzung nach dem Bankentarifvertrag entlohnt. Die Einstiegsgehälter liegen damit zwischen 38.000 und 42.000 Euro, wenn die Kandidaten direkt von der Universität kommen. Für Bewerber, die bereits einige Jahre in anderen Bereichen tätig gewesen sind, kann die Einstufung von vorneherein ein oder zwei Tarifgruppen höher liegen.

In Unternehmen liegen die Einstiegsgehälter nach Einschätzung von Arne tom Wörden, Manager beim Kölner Personalberater access, zwischen 40.000 und 50.000 Euro. “Prämienzahlungen können bis zu 30 Prozent des Grundgehalts betragen. Ob es aber überhaupt einen variablen Vergütungsanteil für den Treasurer gibt, hängt sehr stark von den einzelnen Unternehmen ab”, meint tom Wörden. Auch die Unternehmensgröße gibt noch keinen Aufschluss darüber, ob zusätzlich zum fixen Gehalt noch ein variables Gehaltselement erwartet werden kann. Jutta Kömm, Vergütungsexpertin bei Towers Perrin in Frankfurt, schätzt das Grundgehalt eines Einsteigers auf rund 50.000 Euro. Der Bonus für Einsteiger liegt ihren Einschätzungen zufolge bei 8 bis 10 Prozent des Grundgehalts.

Gut bezahlter Aufstieg

“In höheren Positionen mit vier bis fünf Jahren Berufserfahrung steigen die Gehälter der Corporate Treasurer auf etwa 57.000 Euro. Der Bonus liegt auch hier bei 8 bis 10 Prozent”, beschreibt Kömm die Gehaltsentwicklung. Für den weiteren Karriereweg sieht Kömm zwei Entwicklungsmöglichkeiten für einen Treasurer: die zum Fachspezialisten und die zur Führungskraft. Auf der höchsten Spezialistenebene schätzt Towers Perrin die Gehälter auf etwa 105.000 Euro mit einem variablen Anteil von rund 20 Prozent. Allerdings verdienen Führungskräfte im Treasury noch immer rund 25 Prozent mehr als Fachkräfte auf vergleichbarer Karrierestufe – eine Situation, die sich laut Beraterin Kömm, wenn überhaupt, auch nur langsam angleichen wird.

Üblicherweise wird die Karriereleiter Schritt für Schritt bestiegen, vom Junior über den Senior bis zum Group Treasurer. “Der Aufstieg kann sich über einen größeren Verantwortungsbereich oder über einen stärkeren internationalen Bezug ergeben”, ergänzt Thomas von Ciriacy Wantrup, Executive Manager bei Michael Page International in Frankfurt. Bei einzelnen Kandidaten kann sich der Manager durchaus auch die Weiterentwicklung in Richtung Finanzdirektor vorstellen.

Deutlich mehr verdient derjenige, der sich für eine Führungslaufbahn entscheidet. Ein Teamleiter verdient etwa 76.000 Euro. Hinzu kommt ein variabler Gehaltsanteil von 15 Prozent. Das Gehalt eines Abteilungsleiters im Bereich Treasury setzt Towers Perrin bei 100.000 Euro mit einem Bonus von 20 Prozent an. Bereichsleiter in Großunternehmen können sich auf Gehälter um die 134.000 Euro mit einem variablen Anteil von 30 Prozent einstellen. Der Executive-Level ist dann immer noch nicht erreicht. Deren Gehälter liegen noch einmal höher.

Wenig Stellen für viele gute Bewerber

Die guten Gehaltsaussichten klingen verlockend, jedoch: “Der Markt ist weiterhin ein Arbeitgebermarkt. Die Stellenangebote sind rar, und 95 Prozent der Bewerber auf die Stellen sind hoch qualifiziert”, erzählt Arne tom Wörden über die Konkurrenzsituation unter den Treasurern. Von Ciriacy Wantrup von Michael Page International sieht die Situation genauso wie tom Wörden: “Insbesondere für höher angesiedelte Positionen wie Group Treasurer gibt es deutlich mehr Bewerber als Stellen.”

Ulrike Saitz, Leiterin der Geschäftsstelle des Verbands Deutscher Treasurer, berichtet hingegen von anderen Erfahrungen: “Es sind durchaus Stellen ausgeschrieben, jedoch finden die Unternehmen keine geeigneten Bewerber für diese Positionen”, erzählt Saitz. “Der Beruf des Treasurers etabliert sich erst in Deutschland. Ähnlich wie beim Controller müssen sich die Kandidaten erst mit dem Berufsbild anfreunden.” In vier bis fünf Jahren rechnet sie zudem mit einem deutlichen Stellenzuwachs, da sich dann das Berufsbild nach Einschätzung des Verbands überall durchgesetzt haben dürfte. Thomas von Ciriacy Wantrup erwartet eine ähnliche Entwicklung: “Es wird keine Masseneinstellungen geben, allerdings wächst gerade in Deutschland das Bewusstsein für den Bereich. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass der Einfluss ausländischer Unternehmen und Investorengruppen größer wird. Insofern ist der Trend zur Neueinstellung von Treasurern in den Unternehmen klar ansteigend.”

Die Treasury-Aspiranten sollten also schon einmal die Bleistifte spitzen, damit sie zur rechten Zeit am rechten Ort sind, um eine der begehrten Stellen zu ergattern.

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