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Investmentbanking bleibt trotz Finanzkrise begehrtes Berufsziel

Die Finanzkrise hat dem Ruf von Bankern, vor allem Investmentbankern, schwer geschadet. Zunächst hat die Branche befürchtet, dass sich junge Leute abwenden und andere Berufe ergreifen würden. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Es ist vor allem das Geld, das weiter eine magische Anziehungskraft ausübt.

Noch im Juni hatte Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen davor gewarnt, dass die Banken durch die Krise einen so immensen Imageschaden erlitten hätten – und dass viele junge Leute deshalb lieber andere Berufe wählen würden.

Nun scheint es indes so, als habe Fitschen sich umsonst Sorgen gemacht. Der Reputationsschaden, den der Beruf des Bankers erlitten hat, hält den Nachwuchs nicht davon ab, sich der Branche zuzuwenden.

Die Privatuniversität Frankfurt School of Finance etwa hat in diesem Jahr sogar mehr Interessenten: Schrieben sich 2008 noch 85 Studenten für den “Master of Finance” ein, so sind es in diesem Jahr 126. Auch an anderen privaten und staatlichen Universitäten sind die Studiengänge mit Schwerpunkt Finanzen bei Studenten gefragt.

“Die Attraktivität der Finanzbranche ist aber nach wie vor hoch, auch wegen der guten Gehaltsaussichten”, sagt Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance in einem Zeitungsinterview.

Der von seiner Universität verliehene Abschluss als “Master of Finance” führt viele Studenten in das Investmentbanking: “Die Studenten wissen, dass man dort auch als relativ junger Mensch sehr viel Geld verdienen kann. Für diese Chance rennen viele”, so Steffens.

Moralische Bedenken scheinen die Jung-Akademiker trotz des fragwürdigen Verhaltens vieler Investmentbanker und der hohen Boni nicht zu hegen. “Die persönliche und die gesamtgesellschaftliche Perspektive fallen da auseinander”, sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Uni Hohenheim. Für die Jobentscheidung des einzelnen Studenten spiele das kaum eine Rolle.

“Aus Sicht der Studenten hat die Finanzbranche keinen Makel gegenüber anderen Branchen”, bestätigt Bernhard Schwetzler, Professor an der Leipziger Privatuni HHL. Allerdings fragten einige Studenten in privaten Gesprächen schon, “ob sie als Investmentbanker denn alle Schweinereien mitmachen müssten”, verrät Schwetzler.

An verschiedenen Universitäten in Europa, darunter der European Business School in Oestrich-Winkel, wird daher diskutiert, die Studenten einen “Hippokratischen Eid” auf Anstand, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Verantwortung schwören zu lassen. In Harvard haben dies in diesem Sommer bereits Studenten getan. Und die HHL in Leipzig verstärkt ihr Co-Teaching: Banken- und Ethikprofessoren beleuchten mit ihren Studenten dasselbe Finanzthema von ganz unterschiedlichen Standpunkten aus.

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