Subprime-Loan-Krise: Ende des Booms?

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Trotz Krise am US-Hypothekenmarkt scheint der Arbeitsmarkt insgesamt positiv zu bleiben.

Restrukturierungen, Entlassungen, höhere Wechselbereitschaft - all dies dürften in Deutschland Folgen der Subprime-Krise sein. Von einem jähen Ende des seit zwei Jahren anhaltenden Booms im Financial Hiring gehen Branchenexperten jedoch nicht aus.

"Der Boom ist insgesamt sicherlich nicht gefährdet", meint Stefan Zweck, Leiter des Geschäftsbereichs Investment Banking & Financial Services beim international tätigen Personalberatungsunternehmen Michael Page in Frankfurt. "In den unter anderen betroffenen Sektoren Leveraged und Acquisition Finance wurde in den letzten Monaten auch vor der derzeitigen Situation nur punktuell und sehr gezielt eingestellt." Zumal der Bereich der strukturierten Produkte für Corporates ja auch nicht komplett eingestellt werden könnte. "Es ist notwendig, hier weiterhin Strukturierungen auf die Bedürfnisse der Kunden maßzuschneidern". Schwieriger aber wird es hier nach Zwecks Ansicht sicherlich werden.

Matthias Junges, geschäftsführender Gesellschafter der Bad Homburger MJ Consult Junges & Schüller Personalberatung, sieht gar positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: "Der Backlog, der sich aufgrund des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften in den Banken gebildet hat, ist viel zu hoch, als dass nun die Nachfrage nach Personal abrupt nachlassen könnte", weiß Junges.

Im Gegenteil könnte die gegenwärtige Situation insofern nun zu einem positiven Effekt für das Financial Hiring führen, dass Banker, gerade in den in Schieflage geratenen Banken, nun empfänglicher werden für Ansprachen. "Das Problem, dass Stellen nicht adäquat besetzt werden können, besteht ja weiterhin, so dass sich nun die Anstrengungen einiger Banken auf Angestellte dieser Häuser konzentrieren dürften. Ich könnte mir vorstellen, dass einige dieser Banker jetzt bei Angeboten potenzieller neuer Arbeitgeber aufmerksamer zuhören als in der Vergangenheit."

Wechselbereitschaft

Auch Zweck schließt in Bereichen wie Direct Investments eine sehr viel höhere Wechselbereitschaft nicht aus, weil die Banker in den direkt betroffenen Häusern sich sicherlich offener einem Wechsel gegenüber zeigen oder sogar direkt freigesetzt werden.

Den Haken an diesem Konstrukt für die betroffenen Banker verdeutlicht Özcan Acikel, Geschäftsführer des Frankfurter Büros der international tätigen Personalberatung Smith & Jessen: "Da die Personaler in den Banken um die schwierige Situation wissen, sind mehr Kandidaten im Markt verfügbar, sodass die Gehälter niedriger ausfallen."

Einig sind sich die Personalberater, dass neue Wachstumsfelder die Nachfrage nach qualifiziertem Personal durch die Banken anfeuern werden. So könnte der klassische Zins- und Kreditbereich auf Kosten der strukturierten Produkte wieder aufgewertet werden, auch Mezzanine-Finanzierungen werden als potenzielles künftiges Wachstumsfeld genannt. Smith & Jessen-Mann Acikel sieht einen weiteren heißen Sektor für die nahe Zukunft: "Auch im Bereich Alternative Investments wird die Suche der Banken nach Fachleuten 2008 deutlich zulegen."

Das Ende des Kandidatenmarkts scheint also - sollte nichts unvorhergesehenes mehr geschehen - noch nicht eingeläutet sein. Stellvertretend für seine Branchenkollegen zeigt sich Acikel überzeugt: "Der Markt wird weitergehen."

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