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Warum Berlin und London über Boni für Banker streiten!

Auf den ersten Blick ist die Sache klar. Geht es nach führenden Politikern, müssen sich Banker in Deutschland und Großbritannien warm anziehen.

“Die Schlüsselbotschaft ist, dass die Party für Banker vorbei sein muss”, verkündete der britische Finanzminister Alastair Darling kurz vor Beginn des Pittsburgher G20-Gipfels. Schließlich hätten die Banker die Krise verursacht, indem sie “Produkte verkauft haben, von denen sie nichts verstanden”. Darling: “Das Tragische ist, dass nicht sie gelitten haben, sondern alle anderen, weil die Welt in die Rezession gerutscht ist.” Er wolle deshalb ein System, bei dem Boni eingeschränkt werden. Dabei sollten die Bonuszahlungen auch zurückgefordert werden können, wenn die Bank Verluste macht. Dann jedoch die Einschränkung: Zugleich gebe es ein Limit, wie viel durch Regulierung erreicht werden könnte.

Die Stellungnahmen deutscher Spitzenpolitiker klingen nicht viel anders: Pittsburgh werde eine entscheidende Wegmarke sein, ob die Finanzmarktregulierung ein zentrales Thema bleibe, sagte CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel: “Wir dürfen uns jetzt nicht Ersatzthemen suchen und darüber die Finanzmarktregulierung vergessen.”

Trotz Fortschritten sehe die Bundesregierung noch Defizite bei der Begrenzung von exzessiven Banker-Boni oder der besseren Ausstattung der Großbanken mit Eigenkapital. Zudem fehle ein Verfahren zur Abwicklung von systemrelevanten Großinstituten, die bisher mit Steuermilliarden gerettet werden.

Eigentlich also alles in Butter – hätte SPD-Finanzminister Peer Steinbrück nicht – drei Tage vor der Bundestagswahl in einem Stern-Interview noch einmal so richtig auf den Putz gehauen. “Da ist in London klar eine Lobby, die einen Wettbewerbsvorteil mit Zähnen und Klauen verteidigen will”, sagte Steinbrück, der zuvor bereits die Schweizer wegen der Steuerflucht-Debatte gegen sich aufgebracht hatte, gewohnt undiplomatisch.

Trotz gleicher Rhetorik sind die beiden Länder von ihrer Finanzindustrie nämlich ungleich abhängig. Während die “Square Mile”, “City of London”, 15 Prozent des britischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet, sind es in Deutschland nur sechs Prozent.

Und da Londons Stadtteil Mayfair die Heimat zahlreicher Hedgefonds ist, tue sich Britannien mit der Regulierung “schwer, um es höflich zu sagen”, so Steinbrück.

Die Reaktion folgte prompt. Großbritannien habe die Bemühungen zur Begrenzung der “riskanten Vergütungs- und Boni-Kultur” der globalen Bankenindustrie sogar vorangetrieben, entgegnete das britische Finanzministerium ungewohnt scharf. Und Premierminister Gordon Brown, der sonst wie die meisten Briten gegen eine Überregulierung von Brüssel wettert, hatte noch am Mittwoch eine Art “Weltwirtschaftsregierung” gefordert.

Aber vielleicht hat sich das Thema Banker-Boni ohnehin bald erledigt. Wenn Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nämlich recht hat, könnte die Profitabilität der Branche unter den breit diskutierten Regulierungsvorschlägen leiden. Selbst wenn sich die 20 führenden Staaten auf ihrem Gipfel nicht auf eine absolute oder relative Boni-Begrenzung einigen. “Dem Bankensektor werden engere Grenzen gesetzt, und die Profitabilität des Finanzsektors in seiner Gesamtheit wird geringer sein”, warnte Ackermann als Vorsitzender der weltweiten Banker-Vereinigung Institute of International Finance.

Was meinen Sie? Liegen Deutschland und das Vereinte Königreich in der Boni- und Regulierungsfrage wirklich so weit auseinander? Und haben die jeweiligen Finanzbranchen wirklich einen solchen Einfluss auf die Volksvertreter?

Kommentare (1)

Comments
  1. Steinbrück hat auch gesagt, dass man einem Hund nicht den Wurstvorrat zur Bewachung überlassen darf. Ich finde, er hat recht.

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