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Equity-Research-Analyst – Was bin ich wert?

Sie waren die Stars des Börsenhypes Ende der Neunzigerjahre und mit dem Glanz der großen bunten Aktienwelt ging auch ihr eigener Glanz verloren – die Research-Analysten. Doch die Leidenszeit der Branche scheint nun auch in Deutschland ein Ende zu haben.

Zu diesem Schluss zumindest kommt man, wenn man sich mit den Frankfurtern Headhuntern unterhält. “Die Nachfrage nach Research-Analysten ist insbesondere im Small- und Mid-Cap-Bereich in den letzten Monaten deutlich angestiegen”, berichtet Mark Unger, Recruiter im Frankfurter Büro der international tätigen Personalberatung Russell Reynolds Associates. Dabei macht er insbesondere eine gestiegene Nachfrage nach Analysten für den deutschen Markt aus.

Auch Tim Zühlke, Berater beim Frankfurter Headhunter Smith & Jessen, bestätigt diesen Trend: “Es gibt derzeit durchaus eine steigende Nachfrage nach Equity-Research-Analysten. Gesucht wird dabei nach Spezialisten für das Coverage von deutschen Werten, insbesondere Small- und Mid Caps.”

Zühlke zufolge ist dieser Trend vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen: “Die kleineren und mittelgroßen Werte sind in letzter Zeit recht ordentlich gelaufen, die Large Caps konnten bei dieser Performance zuletzt nicht mithalten. Da ist die Konzentration auf Small- und Mid Caps die logische Folge.”

Der zweite Faktor ist Zühlke zufolge eine Art Rückbesinnung einiger großer Häuser auf den lokalen Markt. “Banken wie die HypoVereinsbank, die Commerzbank, die WestLB und andere deckten ehemals die gesamten europäischen Aktienmärkte ab. Nun kehren sie zu ihren Wurzeln zurück.”

Im angelsächsischen Raum gibt es noch einen dritten Faktor, der die Nachfrage nach guten Equity-Research-Analysten steigen lässt. Die zunehmende Verbreitung von Hedge-Fonds, aber auch die Nachfrage von den Trading Desks der Investmentbanken und Brokerhäuser hellt die Perspektive von Research-Analysten weiter auf, denn auch hier bildet ein fundiertes Research die Grundlage für Investitionen.

Junior oder Senior: Suche nach Qualität

Wer aber profitiert von der gestiegenen Nachfrage? Ist es der erfahrene Senior oder haben auch Nachwuchskräfte als Neueinsteiger eine Chance?

Mark Unger von Russell Reynolds sieht bei der derzeitigen Nachfragesituation einen Vorteil für die erfahrenen Seniors: “Hier geht es im Wesentlichen um die Rekrutierung von erfahrenen Mitarbeitern”, beschreibt er die aktuelle Entwicklung. “Wichtig ist insgesamt eine hervorragende Qualifikation – dies gilt für Juniors wie für Seniors.”

Zühlke bringt die Frage “Junior oder Senior” auf eine einfache Formel: “Der Trend ist eindeutig die Suche nach Qualität.” Dabei gelte nicht immer, dass die erfahrenen Seniors auch bessere Qualität abliefern als die Juniors. Er sieht durchaus auch gute Jobchancen für gute Nachwuchskräfte.

Voraussetzung: Studium, Berufserfahrung plus Zusatzqualifikationen

Doch “Qualität” ist insbesondere für Nachwuchskräfte nur schwer nachzuweisen. Was also ist ein idealtypischer Analyst, nach dem die Banken und Kapitalanlagegesellschaften suchen? Mit einem reinen Studienabschluss kommen Hochschulabgänger nicht weit.

“Im Hinblick auf die Qualifikationen eines Research-Analysten wird es zunehmend wichtiger, dass jemand nach fundierter Ausbildung und guten Studienabschlüssen entsprechendes (Markt-)Know-how in dem relevanten Sektor, z.B. Consumer & Retail, TMT und so weiter, besitzt bzw. sich erworben hat”, erklärt Unger.

Berufserfahrung in der betreffenden Branche sieht auch Zühlke als wichtigen Baustein an. “Die Arbeitgeber suchen heute nach Leuten, die einen Industriehintergrund vorweisen können. Die Zeiten reiner Number-Cruncher sind vorbei. Ideal sind drei bis fünf Jahre einschlägige Berufserfahrung.”

Doch auch die Theorie darf nicht zu kurz kommen. Zühlke sieht dabei ein klassisches betriebswirtschaftliches Studium als bessere Voraussetzung an als einen MBA. Die in einem MBA-Studium vermittelten Managementkenntnisse bräuchte ein Analyst schließlich gar nicht in einem solchem Maß.

Unger konkretisiert den idealen Studienabschluss: Der Fokus liegt demnach auf Bilanzierung, Rechnungswesen und Controlling.

Beide Headhunter sehen Zusatzabschlüsse als ein Muss an. “Mittlerweile wird auch eine Zusatzqualifikation immer wichtiger, die man sich nach seinem Studienabschluss und während der ersten Berufsjahre erwirbt, nämlich die eines DVFA-Analysten oder einen entsprechenden CFA-Abschluss.”

Zühlke ergänzt: “CIIA (Certified International Investment Analyst – Nachfolgeausbildungsprogramm des DVFA-Analysten) und ähnliche Abschlüsse sind heutzutage Standard für Analysten und Portfolio-Manager.”

Der idealtypische Analyst

Neben den Grundvoraussetzungen gibt es natürlich noch Eigenschaften und Fähigkeiten, die den aus Sicht der Arbeitgeber den idealtypischen Analysten auszeichnen. Der Analyst sieht sich in der heutigen Zeit zunehmend mit der Herausforderung konfrontiert, seine Arbeiten auch gleich selbst zu vermarkten und sich so zumindest teilweise selbst zu finanzieren. Zühlke nennt dies die “Vermarktungsfähigkeit” eines Analysten.

Ist ein Analyst in der Lage, sein Research gut an den Mann zu bringen, ist er ein gern gesehener Angestellter. “Ein starkes Kundenfranchise wird zunehmend wichtiger”, erklärt Zühlke.

Auf der anderen Seite verfügt der ideale Analyst aber auch über ein hervorragendes Standing in den Unternehmen, die er covert. “Eine gute Beziehung zu beiden Seiten ist für einen Analysten ideal”, so Zühlke.

Ralf Frank, Geschäftsführer der DVFA GmbH, der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung, sieht daneben noch eine weitere wichtige Eigenschaft als Grundvoraussetzung, ein guter Analyst zu werden: Begabung. Darunter versteht Frank die besondere Eignung, eine Branche bzw. einen Sektor zu verstehen.

“Es ist im angelsächsischen Raum durchaus üblich, erfahrene Senior Manager mit fundiertem Know-how über Geschäftsmodelle, Produkte, Praktiken und Akteure als Analysten einzustellen.” Doch diese Art Analysten lässt in seinen Augen durchaus Platz für “Number-Cruncher”: “Diese Analysten stehen häufig im Rampenlicht der Medien, werden aber intern von weiteren Analysten unterstützt, die die Finanzkennzahlen aufarbeiten.”

Gehälter: Hoffnung auf Gehaltssteigerungen

Die momentane Markterholung schlägt sich Zühlke von Smith & Jessen zufolge derzeit noch nicht in einem steigenden Gehaltsniveau nieder. Denn Analysten müssen schließlich auch refinanziert werden – und das ist noch immer nicht leicht.

“Die Aufnahme der Coverage durch den Analysten bedeutet eine Zuteilung von teuren Ressourcen, nämlich Arbeitszeit und -kraft des Brokers, die in aller Regel dann geschieht, wenn das Brokerhaus die Möglichkeit sieht, mit der Distribution des Research über das Wertpapier Handel und damit Umsatz zu generieren”, erklärt DVFA-Mann Frank das Problem.

Genau diese Möglichkeit der Umsatzgenerierung eröffnet sich den Banken derzeit nicht in ausreichendem Maße, weswegen viele Banken nicht mehr Analysten beschäftigen als für den Geschäftsbetrieb unbedingt nötig sind.

Dies verhindert zurzeit noch trotz der anziehenden Nachfrage einen Anstieg der Gehälter. Doch darben müssen Analysten dennoch nicht.

“Für Junior-Kräfte mit bis zu vier Jahren Erfahrung gibt es derzeit einen Gehaltskorridor von 55.000 Euro bis 110.000 Euro pro Jahr”, heißt es dazu aus Frankfurter Recruiterkreisen. Wobei die untere Grenze wirklich das Minimum bedeutet, das für diejenigen gezahlt wird, die direkt von der Uni kommen und höchstens einige Praktika als Berufserfahrung vorzuweisen haben.

Bei Intermediates mit mehr als vier Jahren Berufserfahrung fängt der Level bei 100.000 Euro an und geht Headhunter-Angaben zufolge bis zu 150.000 Euro. Diese Angaben beziehen sich – wie auch die Zahlen für die Nachwuchskräfte – auf Gesamtpackages, beinhalten also das Fixum wie auch den variablen Anteil.

Für Seniors werden den Angaben zufolge Packages von 130.000 bis zu 250.000 Euro bezahlt. Wenn sich nun noch die Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken und Brokerhäuser verbessern, dürfen Equity-Research-Analysten bei der nächsten Gehaltsrunde auch auf steigende Einkommen hoffen.

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