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Topmanager von Bosch und Allianz wenden sich gegen Boni

Die Kritik an den Bankerboni wird auch in den Chefetagen von Industrie- und Versicherungs-Konzernen immer lauter. Der Bosch-Konzern soll bereits vor einigen Wochen laut der Financial Times Deutschland einer Bank wegen überhöhter Boni die Zusammenarbeit aufgekündigt haben.

Bei der Vorstellung der tiefroten Geschäftszahlen des weltgrößten Autozulieferers am Mittwoch hatte Bosch-Chef Franz Fehrenbach den Kreditinstituten offen gedroht: “Ist eine Bank der Meinung, die Finanzierung von Boni sei ein Unternehmenszweck, dann machen wir mit ihr keine Geschäfte mehr.”

Fehrenbach nannte es verantwortungslos, wenn die Bankenbranche zu Praktiken wie vor der Finanzkrise zurückkehre. Auch andere Unternehmen sollten ihre Zusammenarbeit mit Banken kritisch prüfen: “Das macht das Leben für uns nicht leichter, aber sicherer.”

“Verzicht wäre sinnvolle Maßnahme”

Etwas moderatere Töne hat Allianz-Vorstandsmitglied Paul Achleitner in einem Interview mit der Welt angeschlagen: “Ein Verzicht auf die Ausschüttung von Boni und Dividenden wäre ein Jahr nach der Krise richtig gewesen und wäre auch jetzt noch eine sinnvolle Maßnahme.”

Das pikante daran: Achleitner war selbst rund zwölf Jahre für die US-Investmentbank Goldman Sachs tätig. Auf die Frage, ob er glücklich sei, nicht mehr für eine Bank zu arbeiten entgegnete Achleitner: “Ja, bin ich. Und das nicht nur, weil mir meine heutige Aufgabe viel Spaß macht. Derzeit wird pauschal ein ganzer Berufsstand abqualifiziert. Da macht es nicht unbedingt Freude, als Banker zu arbeiten. Das solle uns alle nachdenklich stimmen.”

“Bonidiskussion ist ein Nebenschauplatz”

Doch unter den Industriekapitänen gibt es auch Stimmen, die die aktuellen Forderungen nach Bonusverzicht für verfehlt halten. “Ich halte das für keine gute Idee. Die Bonidiskussion ist ein Nebenschauplatz”, sagte der Chef des Mischkonzerns Evonik Klaus Engel.

Wichtiger sei es, die Interessenkonflikte zwischen der Finanz- und der Realwirtschaft zu lösen. Als Beispiel nannte er die Spekulation der Banken mit Rohstoffen, die dringend für die Versorgung der Realwirtschaft benötigt werden.

Das angeschlagene Verhältnis zwischen Banken und den übrigen Branchen scheint bereits Auswirkungen zeigen. So stellen immer mehr deutsche Unternehmen ihre Kreditversorgung von Banken auf Unternehmensanleihen um. Als Beispiele werden in der englischen Financial Times Haniel und HeidelbergerCement genannt.

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