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Schweiz: deutsche Banker chancenlos?

Nach der Liechenstein-Affäre sieht ein Schweizer Privatbanker kaum noch Arbeitschancen für deutsche Banker in Helvetien.

Geht es nach Michel Derobert, dem Geschäftsführer der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers, so stehen deutschen Arbeitskräften auf dem Finanzplatz Schweiz möglicherweise harte Zeiten bevor.

Derobert nimmt Anstoß daran, dass der Bundesnachrichtendienst persönliche Daten von Kunden Liechtensteiner Banken gekauft hat, um Steuersünder aufzuspüren.

Er bezeichnet dies in einem Interview mit der Schweizer Zeitung “Le Matin” als verwerflich und rät den Schweizer Banken, Mitarbeiter, die Zugang zu sensiblen Daten hätten, mit Sorgfalt auszuwählen. “Ich glaube, dass diese Episoden die Deutschweizer Banken künftig in jedem Fall davon abhalten wird, deutsche Bürger anzustellen”, orakelt Derobert.

Einzelmeinung

Mit dieser Meinung scheint der oberste Privatbanker der Schweiz jedoch ziemlich allein dazustehen. Branchenexperten bezweifeln, dass die Liechtensteiner Affäre negative Auswirkungen auf die Chancen deutscher Banker in der Schweiz hat.

Dr. Claudio Lupi, von der international tätigen Personalberatung Heads! in Zürich, erkennt aktuell keine Hinweise auf eine solche Entwicklung. “Ich halte das für sehr unwahrscheinlich”, kommentiert er die Aussagen Michel Deroberts. “Zumal ja die Daten von einem Liechtensteiner, nicht von einem Deutschen veruntreut worden sind”, gibt er zu bedenken. “Schweizer Banken werden allenfalls unabhängig von der Nationalität noch besser auf den Hintergrund und den Leumund von Kandidaten achten.”

Für überzogen hält auch Klaus Biermann, Leiter des Züricher Büros von Smith & Jessen Headhunters, die Aussagen Deroberts. “Der Schweizer Finanzsektor ist auf internationale Spezialisten angewiesen – und zwar in fast allen Bereichen.” Als Ausnahme nennt er den Sales-Bereich: “Die Sales-Seite wird oft mit Schweizern besetzt.”

Vorsicht im Front-Office-Banking

Den einzigen Bereich, in dem Biermann eine gewisse Zurückhaltung der Schweizer Banken gegenüber der Neueinstellung deutscher Banker nicht ausschließen möchte, ist das reine Front-Office-Banking.

Gegenüber Bankern, die von der Schweiz aus dank eines guten Netzwerks Kunden in Deutschland direkt betreuen, zeige man sich derzeit unter Umständen eher zurückhaltend. “In allen anderen Bereichen kann ich die von Herrn Derobert angesprochenen Konsequenzen überhaupt nicht erkennen.”

Der Smith & Jessen-Mann befürchtet insgesamt keine negativen Auswirkungen auf den Ruf deutscher Banker in der eidgenössischen Finanzbranche. Seiner Ansicht nach wird sich der Steuerskandal auch nicht schwächend auf das Geschäft der Schweizer Banken mit deutschen Kunden auswirken. Er will sogar nicht ausschließen, dass das Geschäft rund um Stiftungen & Co. weiter zunimmt.

Kommentare (3)

Comments
  1. Diesem Kommentar kann ich nur zustimmen. Wenn der Staat aus solchen Gründen zum Hehler wird, ist es schlecht um diesen Staat bestellt. Eine solche Herangehensweise ist übel und zeigt auch die immer noch vorhandene Großmannssucht der deutschen Politik. Mit entsprechenden länderübergreifenden Vereinbarungen (Schweiz, Liechtenstein, etc ect.) und mit einer anderen Steuerpolitik in der BRD, wären solche Vorgänge vermeidbar. Das deutsche Bankgeheimnis ist inzwischen nichts mehr wert und auch deshalb braucht sich niemand zu wundern, wenn sich die Politik zum Hehler macht. Diese Damen und Herren sind sich für nichts zu schade.
    Man erzählt schon einmal, die Schweiz sei ein Polizeistaat, aber offensichtlich trifft dies eher für die BRD zu oder? Viele Grüße

  2. @ Herbert Frindert: Das mag ja alles stimmen – dass die Umstände des Erwerbs der Liechtensteiner Kundendaten sagen wir mal leicht zwielichtig sind, ist ja unbestritten. Was aber soll das mit deutsch-stämmigen Bankern in der Schweiz zu tun haben? Nur weil ein Herr Bush die Welt mit Kriegen überzeiht, heißt das ja schließlich nicht, dass alle Exil-Amerikaner auch Kriegstreiber sein müssen!?
    M.E. wird diese “Affäre” auf die Karrieremöglichkeiten von Deutschen in Schweiz (und vermutlich noch nicht einmal in Liechtenstein selbst) keinerlei Einfluss haben.

  3. You’re on top of the game. Thanks for srhaing.

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