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Trau’ schau’ wem?

Die Wahl des richtigen Recruiters ist schwierig geworden, denn nicht
alle Anbieter sind seriös.

Egal, ob man im Internet oder in den Printmedien nach Stellenanzeigen sucht, in jedem Medium dominieren die Anzeigen der Personalberater und -vermittler. Ihre Inserate klingen verlockend, die ausgeschriebenen Positionen viel versprechend. Doch Stellensuchende sollten erst überlegen, bevor sie dem ersten Impuls folgend, ihre Unterlagen an den Recruiter für eine scheinbar verheißungsvolle Job-Zukunft schicken.

Inzwischen tummeln sich am Markt der Personalberater nämlich auch zahlreiche dubiose Anbieter – angelockt von der Hoffnung auf das schnelle Geld durch einige gelungene Vermittlungen.Angesichts der unübersehbaren Anzahl an Beratern ist es heute fast so schwierig, einen passenden Personalberater zu finden, wie einen passenden Job.

An welchen Kriterien können sich also Stellensuchende bei der Wahl eines
Personalberaters orientieren?

Zunächst sollte der Anzeigentext genau studiert werden. Bei der Selbstdarstellung des Beraters kann ein wichtiger Anhaltspunkt die Mitgliedschaft in einem Branchenverband oder in der Vereinigung Deutscher Executive-Search-Berater e.V. (VDESB) sein. Diese Mitglieder verpflichten sich zur Einhaltung bestimmter Standards und können bei Verstößen mit dem Ausschluss aus dem Verband bestraft werden. In der Schweiz gilt eine Zertifizierung durch den Verband der Personaldienstleister der Schweiz (VPDS) als Qualitätsmerkmal, wie Christoph Becker, Partner bei Schädler + Partner Consulting in Liechtenstein, erklärt.

Doch zunächst sind Bewerber auf sich allein gestellt und müssen ihrem eigenen Urteilsvermögen trauen. Fehlen Informationen zum Beratungsunternehmen in der Anzeige, kann das ein Minuspunkt sein.
Besondere Wünsche des Beraters können ebenfalls aufschlussreich sein. Wird etwa ein handschriftliches Anschreiben verlangt, hat man es wohl mit einem Berater zu tun, der noch an die Pseudowissenschaft Graphologie glaubt. Werden keine elektronischen Bewerbungen gewünscht, könnte dies die falsche Adresse für Technik-Freaks sein. Ein weiteres mögliches Warnzeichen kann es sein, wenn sich in der Stellenbeschreibung kein Hinweis auf den Arbeitgeber findet oder ob es sich um eine Suche im Kundenauftrag handelt. Vielleicht handelt es sich um eines jener Unternehmen, die unzählige Bewerbungen sammeln und diese vertraulichen Informationen zu allen möglichen Zwecken verwenden – nur nicht zur
Stellenvermittlung. Immer mehr Trittbrettfahrer durchforsten nämlich die Stellenanzeigen und versuchen sich dann als Vermittler in den Suchprozess einzuschalten.

Markus Senn von Zürich Fiancial Services stellt allerdings klar: “Wenn wir ein Mandat an einen Personalberater vergeben, dann wollen wir auch nur mit diesem zusammenarbeiten. Sonst müssten wir ja kein Mandat vergeben.”
Wieder andere wollen in erster Linie Assessments an ihre Auftraggeber zu verkaufen, die Vermittlung Stellensuchender scheint dabei im Hintergrund zu stehen.

Recherchieren Sie ruhig im Internet, ob sie etwas über das Personalberatungsunternehmen finden. Vielleicht stützt das Ergebnis Ihr Interesse, vielleicht finden Sie auch heraus, dass ihr Berater einer religiösen, politischen oder sonstigen Gruppierung angehört, von der Sie sich lieber distanzieren wollen. Christoph Becker: “Die Website des Recruiters kann Auskunft geben, wie lange das Unternehmen schon existiert. Wie professionell die Inserate gestaltet sind und welche anderen Stellen überhaupt angeboten werden.” Wer also nach reiflicher Überlegung seine Unterlagen an den Berater geschickt hat, sollte umgehend eine Eingangsbestätigung erhalten. Wenn nicht, trauen Sie sich nachzufragen. Ist die Antwort dann professionell oder artet die Sache gleich in ein Wortgefecht aus? Wer seine Unterlagen bei einem bestimmten, in Düsseldorf und Zürich ansässigen Unternehmen einreicht, muss in solchen Fällen eher mit einem rauen Ton rechnen, wie eFinancialCareers erfahren hat.

Sollte Interesse an ihren Unterlagen bestehen, werden Sie zu einem ersten Gespräch geladen. Skepsis ist angebracht, wenn das Treffen ohne besonderen Grund nicht im Büro des Beraters stattfindet, sondern etwa in einem pompösen Hotel. Spätestens bei diesem Gespräch sollten Ihre offenen Fragen geklärt werden. Hier stellen sich auch die Weichen, wie der Bewerbungsprozess weitergehen soll. Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn Sie nach dem ersten Treffen nie wieder etwas von dem Berater hören, das ist in dieser Branche mehr die Regel als die Ausnahme. Ansonsten wird der Recruiter Ihre Unterlagen aufbereiten und bei seinem Auftraggeber einreichen. Ist dieser Schritt geschafft, heißt es “gute Zusammenarbeit und viel Glück beim weiteren Bewerbungsprozess.” Bei seriösen Beratern werden Sie von nun an über jeden weiteren Schritt detailliert informiert. Wenn Sie dann spüren, dass der Personalberater ein echtes Interesse daran hat, Sie zu vermitteln, dann sind Sie an der
richtigen Adresse.

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