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DIE KOLUMNE – Worauf es in der Bonus-Debatte wirklich ankommt!

Bonuszahlungen für Mitarbeiter von staatlich gestützten Finanzinstituten, die ohne Unterstützung schließen müssten, sind Nachrichten, an die man sich nicht gewöhnen will. Der Staat muss verschiedenen Banken mit Milliarden aus Steuergeldern aushelfen, damit ein Zusammenbruch dieser Institute nicht noch mehr Unheil über die Wirtschaftswelt bringt. Dadurch ist der Staat erpressbar geworden.

Unregulierte und nicht erfasste Spekulationsgeschäfte der Investmentbanken sind eine wesentliche Ursache für unsere Misere. Eine Mischung aus fehlendem Risikobewusstsein, Maßlosigkeit und Fahrlässigkeit machte sich in der Wirtschaft breit. Auch in der Entlohnung fehlte oft das rechte Maß.

Der Begriff Bonus steht für einen einmaligen, leistungsbezogenen Zuschlag auf das Arbeitsentgelt. Damit soll ein weiterer Leistungsanreiz für die Mitarbeiter geschaffen werden: Je mehr Arbeitsleistung ein Mitarbeiter erbringt und je mehr Erfolge er erringt, desto mehr Geld soll für ihn herauskommen.

Es kann aber doch nur ausgezahlt werden, was zuvor verdient wurde.

Entgegen jeder Logik erhalten auch Angestellte der Krisenbanken, teilweise erst durch staatliche Unterstützung ermöglicht, Boni in Millionenhöhe. Aber dieser sollte doch eigentlich für eine besondere Leistung erfolgen. Doch wie so oft im Leben verändern Menschen bei sich bietender Gelegenheit die Dinge zu ihren Gunsten. So verkam teilweise, ein an sich gutes Entlohnungssystem, zu einem Selbstbedienungsladen für Manager mit garantierten Zusatzbezügen.

In Zeiten, in denen “Geiz ist geil” als Werbeslogan erfolgreich eingesetzt wird, ist Gier und Geiz offensichtlich akzeptierter Bestandteil unserer Gesellschaft. So verwundert es nicht weiter, dass viele Investmentbanker auf die Erfüllung ihrer Verträge pochen, die nun einmal zuvor von zwei Vertragsparteien unterzeichnet worden waren.

Die Frage lautet also nicht, weshalb die Angestellten ihre Boni trotz Versagens kassieren wollen, sondern viel eher, weshalb solche Verträge mit garantierten Zusatzzahlungen von Arbeitgebern abgeschlossen wurden.

Ein Grund dafür lag wohl auch in dem ehrgeizigen Bestreben der global aufgestellten Banken, die internationale Elite der Investmentbanker an sich zu binden. Um diese Eliteangestellten zu akquirieren, gaben sie ihnen Garantieverträge mit Fixgehalt und garantierten Boni oder Pensionsansprüchen. Diese Form der Mitarbeiterwerbung machte Schule, denn die Geschäfte mit den heute sogenannten “faulen Anleihen” und Firmenübernahmen liefen prächtig.

Auch weiterhin werden Unternehmen eigenständig Arbeitsverträge mit ihren Mitarbeitern abschließen. Für die Kontrolle dieser Vorgänge gibt es Kontrollgremien wie z.B. Aufsichtsräte. Ob diese meist von ehemaligen leitenden Angestellten des Unternehmens geführten Gremien dabei erfolgreich agieren, wäre eine eigene Kolumne wert. Dennoch bleibt Fakt, dass Verträge geschlossen werden, um eingehalten zu werden.

Das Besondere an dieser Finanzkrise ist jedoch, dass der Steuerzahler teilweise für die Bonus-Forderungen aufkommen muss. Das ist der Skandal.

Sind nun die Angestellten alleine daran schuld? Wohl kaum, wobei sie natürlich freiwillig auf das Geld verzichten könnten. Würden Sie das tun? Einige der Boni- Profiteure haben tatsächlich auf ihre Geld verzichtet wie z.B. der Chef von Dresdner Kleinwort. Dabei sind Investmentbanker ein Spiegel unserer Gesellschaft. Sie sind nicht besser oder schlechter als andere Menschen in vergleichbarer Situation.

Eine Debatte über ethische Grundsätze sollte jedoch dringend geführt werden, damit in unserer Gesellschaft wieder Tugenden wie Sparsamkeit, Fleiß und Mäßigung honoriert werden.

Insbesondere Vorstände haben hier eine besondere Vorbildfunktion in der Gesellschaft und damit auch eine Verantwortung für die Akzeptanz der Marktwirtschaft in großen Teilen der Bevölkerung.

So sind zwar garantierte Boni rechtlich nicht zu beanstanden, moralisch aber schon. Weltweit haben die Regierungen versäumt, vor den Geldspritzen an die Institute sicherzustellen, dass Boni an Mitarbeiter nicht ausgezahlt werden können. Dass Bonuszahlungen zukünftig wieder nur nach Leistung und Erfolg gezahlt werden sollten, darin stimmen Sie mir sicher zu.

Arbeitsverträge sollten so geschlossen werden, dass Zusatzzahlungen nur erfolgen, wenn eine gute Leistung erbracht wurde und am Ende des Jahres für die Firma Geld übrig bleibt.

Das Große und Ganze zählt.

Ex-Fußballprofi Oliver Roth, 41, ist Chefhändler und Börsenstratege bei der Close Brothers Seydler Bank in Frankfurt. (Die vollständige Kolumne wurde bei der Deutschen Börse veröffentlicht.)

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