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Machtkampf bei der Deutschen Bank: Unterliegt Michael Cohrs dem Top-Investmentbanker Anshu Jain?

Nach einem Bericht der New York Post scheint Michael Cohrs den langjährigen Machtkampf um die Leitung der Investmentbanking-Sparte der Deutschen Bank verloren zu haben. Demnach will Cohrs verschiedene Verwantwortlichkeiten abgeben, darunter auch seinen Titel als Co-head des Corporate and Investment Banking (CIB) der Deutschen Bank. Auch ein genereller Rückzug aus der Bank erscheint möglich.

Michael Cohrs

Dies dürfte die Position des anderen CIB-Chefs Anshu Jain im Konzern weiter stärken. Beide Spitzenbanker haben die Leitung der CIB mit Sitz in London bereits seit 2004 inne und waren im vergangenen Jahr zeitgleich in den Vorstand aufgestiegen.

Anshu Jain

Dabei ist der Amerikaner Cohrs als “Head of Global” Banking für das Geschäft mit Unternehmensfinanzierungen sowie Merger & Acquisitions verwantwortlich. Jain dagegen leitete das überaus lukrative Kapitalmarktgeschäft des Finanzriesen, der mit dem Handel von Anleihen, Devisen, Rohstoffen und Aktien Milliarden für die Deutsche Bank scheffelte.

So hat der deutsche Branchenprimus allein in 2009 einen Jahresüberschuss von 5 Mrd. Euro eingefahren. Zu den guten Zahlen steuerte allein das CIB ein Vorsteuerergebnis von rund 4,3 Mrd. Euro bei, wobei laut dem Geschäftsbericht vor allem der von Jain verantworte Bereich Sales & Tradings verantwortlich gewesen ist.

Die unterschiedliche Position der beiden CIB-Chefs innerhalb des Konzerns dokumentiert auch der Vergütungsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr. So hat DB-Chef Josef Ackermann gut 9,5 Mio. Euro kassiert, gefolgt von Anshu Jain mit knapp 7,8 Mio. Euro. Dagegen lag Cohrs mit einer Gesamtvergütung von “nur” gut 3,2 Mio. Euro auf einem der hinteren Plätze. Somit hat Jain bereits in 2009 fast das Doppelte verdient wie alle anderen Vorstandsmitglieder – außer Ackermann.

Der Rückzug von Cohrs und der weitere Aufstieg Jains nährt Spekulationen über die Nachfolge des jetzigen DB-Chefs Josef Ackermann, dessen Vertrag in 2013 ausläuft.

“Einige Beobachter sehen in dem Rückzug des 53-jährigen, der erst im vergangenen Jahr in den Vorstand der Deutschen Bank aufgestiegen ist, den Höhepunkt eines gelegentlich hitzigen internen Machtkampfes zwischen Cohrs und Jain, der weithin als führender Kandidat für die Ackermann-Nachfolge gehandelt wird,” heißt es in der New York Post.

Dabei müsste Jain allerdings sein Heim im Londoner Westen aufgegeben und nach Frankfurt ziehen, was viele Beobachter bezweifeln. Denn der Schwerpunkt der CIB der Deutschen Bank ist in der Londoner City angesiedelt, wo das Unternehmen etwa 7000 Mitarbeiter beschäftigt und das in Branchenkreisen bereits als der heimliche Hauptsitz der Deutschen Bank gilt.

Anshu Jain wurde 1963 in Indien geboren und ist nach einem Bachelor in Economics an der Uni Delhi in die USA gegangen, wo er an der University of Massachusetts einen Master of Finance erworben hat. Nach einer Tätigkeit bei der US-Investmentbank Merrill Lynch ist Jain bereits 1995 zur Deutschen Bank gewechselt und hat die Stärkung des Investmentbankings maßgeblich vorangetrieben.

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