GASTKOMMENTAR: Finanzdienstleistungs-Karrieren sind nichts als Schneeballsysteme

eFC logo

Die Überschriften sind ohrenbetäubend: Goldman Sachs hat einen massiven Schwindel begangen, Jamie Dimons JPMorgan hat Washington Mutual billig gekauft, weil er zu einer Intrige von Politikern und Wall Street-Bankern gehört und Standford bzw. Madoff haben unter den Augen der Aufsicht alten Ladies Geld gestohlen. Und noch immer nehmen Einsteiger im Investmentbanking an einem riesigen Schneeballsystem teil - den Trainee- und Associate-Programmen.

Wickeln Sie ein nasses Handtuch um Ihren Kopf und denken Sie einen Augenblick darüber nach. Ein wohldurchdachter Trickbetrug, bei dem einige wenige Leute an der Spitze sich als Banditen herausstellen und der Rest erhält relativ wenig oder gar keine Rückzahlungen. Klingt das vertraut?

Die Vergütungspyramide ist der Grund, wieso viele Absolventen überhaupt erst in ins Bankgeschäft gehen. Sicher, sagen Sie sich selbst, dass die Leute an der Spitze Millionen erhalten. Und wenn ich hart arbeite, dann kann auch ich ihren Erfolg (oder ihre Belohnung) erreichen.

So schlagen Sie sich durch die Top-Business Schulen, schwitzen über ihren Online-Bewerbungen und arbeiten sich durch Campus-Karrieremessen. In ganz ähnlicher Weise wie sich Bernie und Allen ihre Investoren herauspicken konnten, können sich auch die Banken ihre Talente auswählen.

Die Gerisseneren mögen eine Ahnung davon haben, dass die Gebühren und Provisionen, die ihnen von den Banken berechnet werden, weit von den Leistungen entfernt sind, die dafür erbracht werden.

Sie mögen sogar den Verdacht hegen, dass die Kunden irgendwann einen großen Trubel veranstalten werden und dass die Gebühren in Folge unter Druck geraten werden. Man möchte hoffen, dass die meisten unter ihnen erkennen, dass ihre Beiträge als Einsteiger relativ niedrig sind. Denn es gibt eine Menge Routinearbeit zu erledigen.

Das Schlimmste von all dem ist, dass wir als Einsteiger Komplizen in einem Schneeballsystem sind. Wenn die Bonussaison anrollt, geht jeder von uns für ein zehnminütiges Gespräch in das Eckbüro, worauf wir das ganze Jahr gewartet haben. Dies ist wahrscheinlich das einzige Mal im Jahr, dass Sie ein persönliches Gespräch mit Ihrem Chef führen. Er widmet Ihnen zehn Minuten seiner Zeit, die er für Kundengespräche oder im Fitnesscenter verbringen könnte. Er erzählt Ihnen, dass Sie einen soliden Beitrag leisten, doch dabei handelt es sich nur um einige wenige Punkte, die von dem Vice Präsident, für den Sie arbeiten, aus einer 360 Grad-Bewertung herausgepickt wurden.

In Wahrheit sind es gerade einmal 180 Grad: Ich bezweifle, dass Sie die Courage (oder die Dummheit) aufbringen, schriftlich auszuarbeiten, wie ineffizient oder soziopathisch Ihre Vorgesetzten sind - insbesondere wenn die gleichen Leute über Ihre Boni entscheiden.

Und wenn sie Ihnen eine Zahl für das Jahr nennen und es ist nicht dasjenige, was Sie erwarten (es ist niemals genug), dann wette ich das Gehalt eines Top-Traders von Goldman Sachs, dass Sie als erstes, nachdem Sie das Büro verlassen haben, Ihren Kollegen erzählen, dass sie ein Vielfaches des tatsächlichen Bonus erhalten haben. Wieso sollten Sie auch nicht - unsere Persönlichkeit neigt zur Angeberei. Wir wollen, dass unsere Kollegen denken, wir seien die besten.

Indem Sie das tun, stärken Sie den allgemeinen Verdacht, dass alle anderen es irgendwie besser machen als Sie; dass es Ihnen irgendwie an Performance mangelt.

Bei vielen verstärkt das einfach den Druck, es in der nächsten Bonusrunde besser zu machen. Unterschätzen Sie niemals die Fähigkeit junger, arroganter und ambitionierter Banker, eine Statistik zur Kenntnis zu nehmen und sie anschließend stillschweigend zu beerdigen. Sicher, es handelt sich um ein Zahlenspiel, und es ist ein rutschiger Anstieg zum Gipfel. Doch ich werde zu der Minderheit der Leute gehören, die ihn erreichen.

Auf geht's Tiger.

Der Autor ist ein ehemaliger Junior-Investmentbanker, der sich auf der Suche nach Reichtümern auf der Käuferseite befindet.

Close