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Neueinstellungen und Gehälter im Private Banking steigen weltweit

Wollen Sie reich werden, indem Sie den Ultra-Reichen helfen, ihr Geld zu verwalten? Dann wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen, denn nach einem Superjahr in 2004 beginnen die Banken weltweit wieder einzustellen.

Man braucht keinen kriminaltechnischen Berater, um herauszufinden, warum. Der Vermögensberatungsgesellschaft Scorpio Partnership zufolge stiegen die Gewinne im Private Banking im 1. Halbjahr 2004 weltweit um fast 50%.

“Es gibt viele Neueinstellungen,” sagt Ted Wilson, Berater bei Scorpio. “Sie wurden begünstigt durch Rekordgewinne: Die Banken sind in der Lage, Banker einzustellen, die zusätzliche Vermögenswerte zur Verwaltung einbringen.”

Berater für Führungskräftevermittlung bestätigen diesen Trend. “Es gibt mehr als genug Stellenangebote,” sagt Christian Sulger-Buel von Sulger Buel & Co, einem auf Jobs im Private Banking spezialisierten Personalvermittler.

Internationale Banken wie Citigroup, Credit Suisse, UBS und HSBC suchen laut Sulger Buel nach Arbeitskräften. In Europa stellten die Banken insbesondere in ihren Heimatländern ein: Barclays rekrutiert in Großbritannien, BNP Paribas macht Neueinstellungen in Frankreich und Banca Intesa in Italien, während Banco Santander in Spanien nach Bewerbern sucht.

Inland statt Ausland

Gute Profite sind nicht der einzige Beweggrund für Anbieter von Private Banking, neues Personal anzustellen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften wurde auch von Programmen der nationalen Regierungen getrieben, Vermögen ins Inland zurückzuziehen, wo es versteuert und auf seine Legalität geprüft werden kann.

UBS war in der vordersten Reihe dieser Bewegung. 2001 verkündete die Schweizer Bank ihre Strategie, Inlandsgeschäfte in fünf europäischen Schlüsselmärkten (Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien und Großbritannien) zu gründen. Seitdem hat UBS über 450 Private Banker in diesen Märkten eingestellt und zahlreiche Akquisitionen getätigt, darunter Laing & Cruickshank in Großbritannien, Sauerborn Trust in Deutschland und Lloyds TSB in Frankreich.

Charles Gorman, Sprecher von UBS Wealth Management, sagt, dass es unwahrscheinlich sei, dass die Bank weitere Niederlassungen in Europa eröffnet. Aber sie stellt noch immer ein: “Wir wollen weiterhin durch das Einstellen der richtigen Leute organisch wachsen.”

Zürich und Genf: Jäger gesucht

Der Schweizer Markt ist die Spitze der Verlagerung ins Inlandsgeschäft. Rund 30% des weltweiten grenzüberschreitenden Private-Banking-Vermögens wird in der Schweiz verwaltet, was dazu geführt hat, dass das ausländische Vermögen in der Schweiz über 1,1 Billion Euro betrug. Wilson von Scorpio Partnership berichtet, dass dieser Wert, durch die ins jeweilige Heimatland zurückverlagerten Gelder, sinkt.

Dr. Bruno Slongo, der als Berater beim Führungskräftevermittler Heidrick & Struggles in Zürich auf Private Banking spezialisiert ist, sagt, dass die neuen Rivalen in den Herkunftsländern der Vermögenswerte die Schweizer Vermögensverwalter dazu treibt, einen anderen Typ Angestellten zu bevorzugen. “Das Geld floss seit jeher von überall auf der Welt in die Schweiz,” sagt Slongo. “Jetzt ist es schwieriger, Gelder anzuziehen, daher brauchen die Banken Leute, die neue Vermögenswerte hereinholen können: Sie brauchen Jäger statt Sammler.”

Zu den Schweizer Banken, die Leute suchen, gehören ehrwürdige Institutionen wie Vontobel, Pictet & Cie und Julius Bär, berichtet Slongo.

Die neue Mentalität bedeutet auch, dass die Gehälter zunehmend an den Erfolg geknüpft werden. Schweizer Banken bezahlen selten mehr als 250.000 Schweizer Franken (160.000 Euro) Grundgehalt, aber Slongo weiß, dass die Bonifikationen bis zu über 1 Million Schweizer Franken (650.000 Euro) betragen können.

Frankfurt und Mailand: Mangel an erfahrenen Kräften fördert Flexibilität

In Deutschland und in Italien werden erfahrene Private Banker händeringend gesucht. 2001 bot die italienische Regierung eine Steueramnestie für Gelder an, die von Banken im Ausland wieder zurück ins Inland gebracht werden. Als Ergebnis wurden Vermögenswerte im Wert von rund 37 Milliarden Euro repatriiert.

Laut Alberto Gavazzi. Chef der Financial Services-Division bei Russell Reynolds in Mailand, suchen die italienischen Banken verzweifelt nach Private Bankern für den neu erstarkten Inlandsmarkt. “Jeder will in Italien derzeit Private Banker einstellen, aber es gibt nur sehr wenige Banker mit den richtigen Erfahrungen.”

UBS und Credit Suisse gehören laut Gavazzi zu den internationalen Banken die Private Banker suchen. Auch italienische Banken wie Unicredito und Banco Intesa suchen nach neuem Personal.

Der Mangel an erfahrenen Private Bankern verlangt von den italienischen Personalern ein erhöhtes Maß an Flexibilität: “Banken nehmen auch Angestellte aus Geschäftsbanken und junge Menschen mit Erfahrungen in den Kapitalmärkten und machen aus ihnen Private Banker,” sagt Gavazzi.

Gemessen an internationalen Maßstäben ist die Bezahlung in Italien jedoch relativ mager. Eine Führungskraft im Private-Banking-Sektor mit mehr als 10 Jahren Erfahrung dürfte zwischen 120.000 und 150.000 Euro verdienen, zuzüglich einer Bonifikation zwischen 20 und 50%.

Sabine Wehle, Private-Banking-Spezialistin bei Heidrick & Struggles in Frankfurt, berichtet von Gehältern für deutsche Private Banker zwischen 250.000 und 1 Million Euro. Wie in Italien ist laut Wehle auch in Deutschland die Nachfrage stark und wird getrieben von der Repatriierung von Vermögenswerte aus dem Ausland.

Deutsche Banken wollen Wehle zufolge eigentlich Private Banker mit bestehenden Kundenbeziehungen einstellen, aber aufgrund des Mangels an erfahrenen Kräften stellen sie so ziemlich jeden ein – vom Juristen über den Wirtschaftsprüfer bis hin zum Banker aus dem Firmenkundengeschäft: “Jeder mit guten Beziehungen kann in die engere Wahl kommen.”

London: Private Client Broker machen das Rennen

Führungskräftevermittler auf dem Private-Banking-Markt in London berichten von Neueinstellungen bei Citigroup, Coutts & Co, HSBC Private Bank und UBS.

Simon Culliford, Direktor beim Personalvermittler Culliford Edmonds Associates, erklärt, dass die Vermögensverwalter in London an Leuten interessiert sind, die verwaltetes Vermögen mitbringen und etwas von komplexen Produkten verstehen. “Private Banker müssen ihren Horizont erweitern um auch Lösungen rund um Hedge Fonds oder strukturierte Finanzprodukte anbieten zu können.

Die meisten der angebotenen Stellen wenden sich an erfahrenes Personal. Doch es mehren sich die Anzeichen dafür, dass Banken zunehmend dazu übergehen, Talente auch in-house auszubilden. Coutts & Co., Goldman Sachs und HSBC stellen in Großbritannien Universitätsabgänger ein, um sie zu Private Bankern auszubilden.

Sulger-Buel weiß, dass die Banker in London zu den am besten bezahlten der Welt zählen. Londons Top-Banker in der klassischen Beziehungsrolle (Private Banker halten ihren reichen Klienten die Hand und helfen ihnen nett dabei, die richtige Produkte für die Verwaltung ihres Vermögens auszuwählen) können bis zu 500.000 britische Pfund (715.000 Euro) verdienen.

Doch das richtige Geld sei bei der Arbeit für US-Banken zu verdienen, die im Brokerage-Modell operieren (Private Banker rufen reiche Kunden an und tun ihr Bestes, um ihnen Aktien, Bonds, Derivate oder sonstige Wertpapiere zu verkaufen). Solche Private Client Broker erhalten einen prozentualen Anteil an den dabei verdienten Provisionen. Londoner Broker, die ihren Arbeitgebern Provisionen in Höhe von 3 Millionen britische Pfund (4,3 Millionen Euro) hereinholen, können so leicht 1 Million Pfund (1,4 Millionen Euro) verdienen.

New York: Broker steigern die Nachfrage

Der US-Markt für Private Banking wird von solchen Private Client Brokern dominiert. Banken wie Merrill Lynch, Morgan Stanley, JP Morgan und Citigroup beschäftigen Private Client Broker zu Zehntausenden. Und sie stellen weiterhin ein.

“Der Reichtum steigert die Nachfrage nach Brokern im US-Markt,” berichtet Harry Pilkingon, Personalvermittler bei Armstrong International, der den US-Markt von London aus abdeckt. “Merrill Lynch, UBS Paine Webber, Deutsche Alex. Brown, Smith Barney – alle großen Brokerhäuser stellen neues Personal ein.”

Die starke Nachfrage treibt die Preise. Private Client Broker in den USA erhalten üblicherweise 30 bis 40% der Provisionen, die sie generieren – das können bis zu 2 Millionen US-Dollar (1,5 Millionen Euro) sein. Um Top-Leute dazu bringen, zu ihnen zu kommen, bieten einige Institute laut Pilkington sogar Vorauszahlungen im Wert einer kompletten Jahresprovision an.

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