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Möglichkeiten für Programmierer in Software-Häusern

Investmentbanken wenden sich in punkto neue IT-Systeme an externe Softwareanbieter. Können diese Unternehmen Programmierern interessantere Perspektiven bieten als die Investmentbanken?

Sollten Sie im Bereich Finanz-IT tätig sein und bislang noch nie von Namen wie Murex, Fidessa und Calypso Technology gehört haben, ist es an der Zeit, dass Sie diese kennen lernen. All drei sind wichtige Dienstleister für Softwaresysteme im Bereich Trading und Risk Management für Investmentbanken. Und es sieht so aus, als würde ihr Einfluss noch steigen.

Eine Umfrage von Forrester Research, einem auf die Technologiebranche spezialisierten Marktforschungsunternehmen, aus dem Juli hat ergeben, dass europäische Investmentbanken bereits 40 Prozent ihrer künftigen IT-Budgets für externe Dienstleister vorsehen. Im Gegensatz dazu sind nur 27 Prozent des Budgets für laufende Projekten an Externe vergeben worden. “Europäische Banken greifen immer seltener auf die eigenen Angestellten und selbst entwickelte Software zurück, sondern verlassen sich verstärkt auf Dienstleister und externe Software”, meint Studienautor Jost Hopperman.

Die Geschäftszuwächse von Software-Dienstleistern bestätigen diesen Trend. Die HSBC greift auf Fidessa als globale Plattform zurück, um ihre Cash-Geschäfte abzuwickeln. Im Mai hat Bear Stearns seine Front-to-back-office-Kommunikation im Derivatehandel an die Handelsplattform von Calypso ausgelagert. Im April hatte bereits die HypoVereinsbank die Abwicklung ihres Devisenhandels an Calypso abgegeben.

Mit steigendem Geschäft stellen die Software-Häuser auch wieder ein. Im April hat der auf das Asset Management spezialisierte Softwareentwickler Latent Zero neue Räume in Boston bezogen, um den erweiterten Personalbestand unterzubringen. Ein Unternehmenssprecher berichtet, dass der Londoner Personalbestand im letzten Jahr um 20 Prozent gestiegen sei. Calypso-Geschäftsführer Charles Marleston sagt, dass das Unternehmen weltweit mittlerweile 185 Angestellte habe. Letztes Jahr waren es noch 120.

Wäre also jetzt der Moment gekommen, um von der Bank in ein Softwareunternehmen zu wechseln? Ja – und nein.

Tun Sie’s doch

Nach Ansicht von Marleston lohnt sich für diejenigen ein Wechsel zu einem Softwareunternehmen, die an den neuesten Entwicklungen mitarbeiten möchten. “Wenn Sie am liebsten an der Softwareentwicklung selbst mitarbeiten, dann sind Sie in einem Softwareunternehmen am besten aufgehoben”, meint Marleston. “Da die Banken immer mehr Prozesse auslagern, sind die internen Softwareentwickler meist gar nicht mehr für die Softwareentwicklung, sondern für die Integration und die Pflege der technischen Infrastruktur zuständig.”

Zudem spricht die Arbeitsatmosphäre bei Softwareunternehmen für einen Wechsel. Auch wenn Softwareunternehmen keine dotcoms mit aufblasbarem Konferenzraummobiliar sind, meint Miles Miller, Leiter des Kapitalmarktteams beim britischen Personalberater Spring, dass Softwareunternehmen häufig wesentlich entspannter als Banken seien. “Man kann sich wesentlich besser auf die eigentliche Aufgabe, d.h. auf Softwareentwicklung, konzentrieren. Denn man muss sich weder mit Unternehmensangelegenheiten noch mit Unternehmenspolitik auseinandersetzen.”

Alistair Singleton, Recruiter bei der britischen 7 Fifty Two Solutions, glaubt, dass diejenigen, die vom Banken- in den Softwarebereich wechseln, häufig nach Abwechslung lechzen: “Zwar arbeitet man bei einem Softwareunternehmen in einem Nischenbereich, aber man ist an verschiedenen Projekten für unterschiedliche Kunden beteiligt.”

Auch das Gehalt kann ganz passabel ausfallen. Das durchschnittliche Gehalt in einem Softwareunternehmen wird sich zwar kaum mit den ansehnlichen Prämien der Investmentbanken messen können, aber wenn man bei einem nicht börsennotierten Unternehmen tätig ist, das an die Börse geht oder verkauft wird, dann könnte dieser Schritt für ein ansehnliches Zusatzeinkommen auf Grund eigener Anteile sorgen. So hat beispielsweise die Fitch-Gruppe, die Muttergesellschaft von Fitch Ratings, im vergangenen Jahr den kanadischen Softwareentwickler im Bereich Risikomanagement, Algorithmics, für 175 Millionen US-Dollar (142.000 Euro) gekauft.

Lieber nicht

Auf der anderen Seite warnen Kritiker vor niedrigen Gehältern, langen Arbeitszeiten und geringen Aussichten auf einen Unternehmensverkauf.

John Rountree, Principal beim New Yorker Technologie-Recruiter Lexington Software, meint, dass Angestellte von Softwareunternehmen hart arbeiten, aber kaum angemessen bezahlt werden. “Man ist in einer Investmentbank deutlich besser dran”, sagt er. “Der Grund, warum Unternehmen wie Goldman Sachs so erfolgreich sind, ist, dass sie harte Arbeit auch angemessen entlohnen. Bei einem kleinem Softwareunternehmen kann es dagegen passieren, dass man überhaupt nicht bezahlt wird.”

Brent Harrison, Personalberater beim Londoner Headhunter Aston Carter, erzählt, dass die Grundgehälter bei britischen Investmentbanken üblicherweise 30 Prozent über denen von Softwareunternehmen liegen. Auch die Prämien sind deutlich höher. “Wie man es auch dreht und wendet: In einem Softwareunternehmen wird man nie so gut bezahlt wie bei einer Bank”, meint er. “Viele Leute sind dort einfach unterbezahlt.”

Kein Weg führt am Off-Shoring vorbei

Allerdings ist auch der Wechsel zu einem auf Finanzen spezialisierten Softwareunternehmen kein Garant dafür, dass der eigene Job nicht doch irgendwann nach Indien ausgelagert wird. Wenngleich Calypso nicht auf indische Softwareentwickler zurückgreift, berichtet Marleston, dass jedoch eine Reihe Konkurrenten dies täten.

Wenn die Hauptsorge der eigenen Jobsicherheit gilt, rät Marleston sich einen Job zu suchen, der sich für das Off-Shoring nicht eignet, egal ob in einer Bank oder bei einem Softwareunternehmen. “Sehen Sie sich nach Jobs um, bei denen der Erfolg eines Projektes vom engen Kundenkontakt abhängt. Bei Handelssystemen ist beispielsweise enger Kundenkontakt notwendig. Diese Jobs werden immer vor Ort bleiben.”

Was tun, wenn man anschließend den Wechsel zu einem Softwareunternehmen wieder bereut? Wenn es sich um ein bekanntes Softwareunternehmen handelt, bereut man es vielleicht nicht lange. Phil Lee, IT-Recruiter bei Jonathan Wren in London, meint, dass eine gewisse Zeit bei einem führenden Softwareanbieter die eigene Attraktivität für Investmentbanken sogar noch erhöhen dürfte. “Am Ende versteht man das Produkt von A bis Z. Eine Bank, die genau dieses Produkt implementieren möchte, dürfte eher einen solchen Kandidaten einstellen.”

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