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Banker als Leiharbeiter: Temporäre Beschäftigung wird bei Schweizer Finanzdienstleistern immer beliebter

Leiharbeiter gelten als gering qualifiziert, unterbezahlt und als Freiwild auf dem Arbeitsmarkt. Diese eher prekären Beschäftigungsverhältnisse waren bei Schweizer Banken bislang vornehmlich als Hilfskräfte wie z.B. an Kaffeemaschine oder Kopierer im Einsatz. Nur in den IT-Abteilungen fanden sich Fachkräfte, weil hier die Arbeit sehr projektorientiert ist.

Doch jetzt dringen die Temporären auch in die Kernkompetenzen der Banken vor. Vor zehn Jahren war dies in Zürich noch unbekannt, wie Emanuel Kessler von Kessler.Vogler Human Capital Management in Zürich weiss.

“Es gibt praktisch keine Bank, die keine temporären beschäftigt

“Heute wird Fachwissen auch dort verlangt. Es gibt praktisch keine Bank, die keine Temporären beschäftigt”, ergänzt der Personalexperte. Eine wesentliche Ausnahme stellen die Kundenberater im Private Banking dar, wo der langjährige persönliche Kontakt zu den Kunden unerlässlich ist.

Ein Grund für diese Entwicklung sieht Kessler in dem immer schnelllebigeren Bankgeschäft und im wachsenden Bedarf Flexibilität. Dennoch können die Banken nicht auf qualifiziertes Personal verzichten. “Die Banken wollen Leute, die sofort starten”, erklärt Kessler. Da festangestellte Mitarbeiter sich einen Stellenwechsel oftmals zweimal überlegen und gegebenenfalls Kündigungsfristen zu beachten haben, wachse die Bedeutung des Personalverleihs.

Vor allem im Backoffice gefragt

Die wachsende Bedeutung des qualifizierten Personals im Temporärbereich beobachtet auch Randstad Schweiz: “Dies erklärt sich damit, dass die Banken vor allem im Backoffice-Bereich viel automatisiert und zentralisiert haben. Stellen, die früher klassische Temporärstellen waren, die existieren heute gar nicht mehr. Die Folge davon ist, dass die Anforderungen an das temporäre Personal höher und eher Einsätze für qualifiziertes Personal gefragt sind.”

Dies bestätigt auch Jan Jacob, Director Business Line Finance bei Adecco Schweiz: “Wir beobachten eine verstärkte Nachfrage nach temporären Arbeitskräften im Backoffice. Hingegen sehen wir keine verstärkte Nachfrage für den Frontoffice-Bereich.”

Allerdings begrenze die traditionell gute Arbeitsmarktsituation in der Schweiz die temporäre Beschäftigung in der Fachkräftevermittlung . “Die grösste Herausforderung im Bereich des Verleihs von Fachkräften in der Schweiz ist, dass bei den entsprechend ausgebildeten Kandidaten die Nachfrage nach temporären Arbeitseinsätzen geringer ist”, ergänzt Jacob.

Die Credit Suisse will diesen Trend indes nicht bestätitgen: “Die Anzahl der Temporärmitarbeitenden bei der Credit Suisse ist über die letzten Jahre konstant. Temporäranstellungen eignen sich nur bedingt und sind z.B. in Front-Funktionen nicht geeignet.”

Auch grosse Vorteile für viele Kandidaten

Bei Kessler.Vogler stellt dieses Geschäft mittlerweile ein wichtiges Standbein des Unternehmens dar. Nicht alle Verleihfirmen brächten die spezifischen Anforderungen mit. So verfügten die wenigsten Executive Search-Unternehmen über die Bewilligung zum Personalverleih, wie es in der Schweiz Pflicht ist. Andererseits bringe nicht jede Verleihfirma das bankenspezifische Knowhow mit.

Die Beschäftigung beträgt üblicherweise drei bis sechs Monate. “Temporäre werden dort eingesetzt, wo es bestimmte Peaks gibt, die abzuarbeiten sind”, sagt Kessler. Das betreffe namentlich die Bereiche Steuern, Legal / Compliance, Assistenten und auch Assistenz Private Banking.

Dabei seien die Chancen durchaus hoch, anschliessend eine unbefristete Stelle zu erhalten, weshalb die temporäre Beschäftigung eine Einstiegsvariante darstelle. Es handle sich um eine interessante Möglichkeit, Karrieredellen zu überwinden: “Man ist nicht gezwungen eine Stelle anzunehmen, die man ansonsten nicht annehmen würde”, sagt Kessler.

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