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Deutsche Bank hält sich mit dem Einstieg bei der Postbank alle Optionen offen

Auftatmen bei den Mitarbeitern der Postbank. Ihre Arbeitsplätze sind sicher. Zumindest fürs erste. Die Deutsche Bank wird die Tochter der Deutschen Post nun doch nicht sofort schlucken, sondern in mehreren Häppchen. Wenn überhaupt!

Die Frankfurter Großbank wird nämlich zunächst nur knapp 30 Prozent der Postbank-Aktien kaufen. Erst zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sich die Finanzmärkte erholt haben und der Branchenprimus nicht mehr so knapp bei Kasse ist, kommt der Kauf von weiteren 20 Prozent in Frage. Und erst dann wäre die Deutsche Bank verpflichtet, den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot zu machen.

Und da es zwischen den beiden Banken nicht so viele Überschneidungen gibt, wie zum Beispiel zwischen Commerzbank und Dresdner Bank – beide sind im Investmentbanking, Firmen- und Privatkundengeschäft aktiv – , gewinnen die Mitarbeiter in den Zentralfunktionen bei
Deutscher Bank und Postbank erst einmal wertvolle Zeit.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es zwar unwahrscheinlich, aber mit dieser Konstruktion hält sich die Deutsche Bank sogar ein Hintertürchen offen: Sollte ein Ausländer wie die spanische Santander Bank später doch noch richtig viel Geld in die Hand nehmen wollen, dann könnte die Deutsche Bank versucht sein, sich ihr 30-Prozent-Paket vergolden zu lassen.

Deutsche-Bank-Chef Joe Ackermann sprach deshalb nicht ohne Grund von einer guten “Finanzinvestition”. Zum jetzigen Zeitpunkt kann die Deutsche Bank nur gewinnen. Sollte die Postbank-Aktie sinken, kann die Deutsche Bank den Rest der Postbank billiger als erwartet übernehmen. Steigen die Kurse, müsste ein Konkurrent ziemlich bluten, wenn er die Deutsche Bank doch noch herauskaufen wollte.

Außerdem würde sich dann auch das zyklische Investmentbanking wieder erholen – die Deutsche Bank müsste dann nicht, wie heute geschehen, die Aktionäre per Kapitalerhöhung an der Finanzierung beteiligen, sondern könnte einen höheren Postbank-Kurs vermutlich mit dann gestiegenen Erträgen aus dem Investmentbanking bezahlen.

Während die Börse den Einstieg mit Kursverlusten bei beiden Banken quittiert, sehen die Medien diesen Bankkauf “auf Raten” durchaus kritisch. Der Kölner Stadt-Anzeiger hält den geplanten Einstieg nur für ein “defensives” Manöver, von einem großen Wurf könne trotz der 14 Mio Postbank Kunden keine Rede sein. Nach der Citibank Deutschland sollte nicht auch noch die zahlenmäßig dreimal größere Privatkundenbank ans Ausland fallen, mutmaßt das Blatt.

Die Sächische Zeitung erinnert die Leser daran, dass die Deutsche Bank Privatkunden in der Vergangenheit überheblich behandelt hat – man denke nur an die unsägliche Deutsche Bank 24. Offenbar habe das Institut noch rechtzeitig erkannt, dass auch das Privatkundengeschäft profitabel ist – wenn es denn gut gemanagt wird.

Die FAZ nimmt diese Vorlage auf und rät der Deutschen Bank allen ernstes, von der Postbank zu lernen. Statt die Post(bank)-Filialen lediglich als Vertriebskanal für Investmentprodukte zu missbrauchen, solle sich die Deutsche Bank – man höre und staune – von der effizienten Postbank leiten lassen.

Kommentare (3)

Comments
  1. 55 oder 57 Euro je Postbank-Aktie sind eindeutig zu viel – jedenfalls im Vergleich zur Citibank, die noch effizienter arbeitet als die Postbank und pro Kunde deutlich höhere Erträge erwirtschaftet als die Bonner mit ihren geschätzten zehn Millionen “Karteileichen”.

  2. Die Deutsche Bank konnte sich die Postbank nicht entgehen lassen. 14 Millionen Kunden sind eine “Bank”, selbst wenn nur jeder dritte Kunde mehr als nur ein Sparbuch besitzt.
    Schließlich gilt für Banken das gleiche wie für Versicherungen. Es gibt keine schlechten Produkte, es gibt nur einen schlechten Vertrieb.

  3. Ackermann hätte sich doch bis auf die Knochen blamiert, wenn jemand anderes als die Deutsche Bank die Postbank bekommen hätte. Seit Monaten verspricht er, sich die Kandidaten anzuschauen … und dass man nur einen angemessenen Preis bezahlen werde – naja, wer das glaubt, wird selig.

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