☰ Menu eFinancialCareers

Abfindungsvereinbarungen verlieren ihren Glanz

Banken werden zunehmend unspendabler in Bezug auf Zahlung und Beratung. Zu merken, dass man überflüssig geworden ist, ist selten spaßig. Doch bei einigen Banken ist es schwieriger als bei anderen und es gibt Belege dafür, dass Arbeitgeber weniger großzügig ihren überflüssigen Angestellten gegenüber sind.

Die Deutsche Bank, die ein Programm zum Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen eingeleitet hat, dürfte einer der Unternehmen sein, bei denen es noch am angenehmsten ist, entlassen zu werden.

Einer Meinungsumfrage von vier Outplacement-Dienstleistern zufolge widmet der deutsche Bankkonzern der Unterstützung für entlassene Mitarbeiter überdurchschnittliche Aufmerksamkeit. Arbeitsrechtsanwälte bestätigen, dass die Bank auch generöse Abfindungszahlungen leistet.

Was aber macht in diesem Zusammenhang Generosität aus? Die Deutsche Bank äußert sich nicht zu Details, aber es heißt, sie böten entlassenen Arbeitskräften ein Monatsgehalt für jedes Arbeitsjahr sowie eine variable Pauschalzahlung.

In Großbritannien gibt es hierfür gesetzliche Regelungen: Das Minimum ist 280 britische Pfund (410 Euro) für jedes Arbeitsjahr, maximal bis zu 12 Jahren. Doch David Whincup, Leiter der Londoner Abteilung für Arbeitsrecht der Rechtsanwaltskanzlei Hammonds, berichtet, dass Banken zunehmend knauseriger werden mit ihren Abfindungen. “Ein Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr war früher im Investmentbanking Standard. Aber die meisten Banken zahlen inzwischen nur noch drei Wochegehältern pro Beschäftigungsjahr, einige sogar nur noch zwei,” erklärt er.

Kleinere deutsche Banken in London zahlen dem Leiter eines Londoner Outplacement-Dienstleisters zufolge in der Regel am schlechtesten. Er berichtet, ein kleines deutsches Unternehmen habe im letzten Jahr versucht, die Abfindung ganz einzubehalten, nachdem ein Telefonanruf eines Headhunters ergeben hatte, dass der entlassene Angestellte einen neuen Job gefunden hatte.

Philip Landau, Leiter der Abteilung für Arbeitsrecht der Rechtsanwaltskanzlei Landau Zeffertt Weir, beklagt, dass einige Banken versuchten, Abfindungszahlungen zu umgehen, indem sie behaupten, die Leute wegen unbefriedigender Leistungen entlassen zu haben. Er erklärt: “Die Banken akzeptieren nicht, dass es ungerechtfertigte Entlassungen aus betrieblichen Gründen sind, obwohl die Umstände deutlich machen, dass es sehr wohl so ist.”

Arbeitgeber aus der Finanzdienstleistungsbranche gelten allgemein als relativ menschenfreundlich wenn es um Abfindungszahlungen an überzähliges Personal geht.

James Davies, Co-Leiter der Abteilung für Arbeitsrecht bei Lewis Silkin in London, meint sogar, die kleinsten Banken zahlten typischerweise mehr als das gesetzlich vorgeschriebene Minimum.

Die Gründe dafür sind jedoch nicht unbedingt bewundernswert. Davies erklärt: “Die Banken bieten ausreichend freigiebige Zahlungsbedingungen bei Entlassungen an, damit sie die üblichen prozessualen Hürden umgehen können.

In Großbritannien sind Zahlungen für ungerechtfertigte Entlassungen auf maximal 55.000 britische Pfund (80.000 Euro) begrenzt. Indem sie Abfindungszahlungen nahe an dieser Grenze anbieten, schaffen es die Banken Davies zufolge oft, ihr Personal zu überreden, vor Ablauf der Kündigungsfrist und ohne viel Aufhebens zu gehen.

Während Abfindungszahlungen mitunter also mit zweifelhaften Absichten angeboten werden, ist Outplacement-Beratern zufolge auch eine Bewegung zu beobachten, die Unterstützungs- und Beratungsleistungen zu kürzen.

Marta Matajz, Beraterin beim Outplacement-Berater Cedar International, erinnert sich, dass Investmentbanken bis vor einigen Jahren 3.500 bis 5.000 britische Pfund (5.100 bis 7.300 Euro) an Outplacement-Gebühren pro Kandidat zahlten. Jetzt seien viele nicht einmal bereit, mehr als 750 britische Pfund (1.100 Euro) zu zahlen.

Die späten 90-er waren eine glückliche Zeit um seinen Job in einer Investmentbank zu verlieren, berichtet Philip Beddows, Director bei Rialto Consultancy, einem weiteren Outplacement-Berater.

Es gab nicht nur viele andere Jobs ringsum, die Banken boten Directors und Managing Directors Outplacement-Lehrgänge zwischen 6 Monaten und 1 Jahr an, die unlimitierte Beratungsstunden beinhalteten. Nun dauern solche Vorgänge oft kaum mehr als 3 Monate und enden oft damit, dass die Ex-Angestellten ihre Zukunft allein auf Karriereportalen im Internet planen.

Als Ergebnis dieser Entwicklung erfahren entlassene Banker oft weniger Unterstützung als ihre Gegenstücke aus der Wirtschaft.

John Stork von Stork and May, einem Outplacement-Dienstleister, der insbesondere leitenden Angestellten gegen Honorare zwischen 35.000 und 40.000 britische Pfund (51.000 bis 73.000 Euro) hilft, berichtet, dass nur wenige seiner Kunden Banker sind.

“In der Londoner City wird nicht nach Leuten gesucht. Dienstleistungsunternehmen außerhalb des Finanzsektors sind eher bereit, hohe Gehälter zu zahlen,” erklärt er.

Wenn man im Finanzsektor vor der Entlassung steht, ist es Beddows zufolge besser, von einem kleineren Unternehmen vor die Tür gesetzt zu werden. Solche Unternehmen zahlen nicht nur in der Regel mehr für das Outplacement, sondern behandeln auch den individuellen Angestellten mit mehr Respekt.

Beddows erklärt: “Je kleiner die Organisationseinheit ist, um so wahrscheinlich ist es, dass eine persönliche Beziehung zwischen dem Management, das die Entscheidung trifft, der Person, die sie umsetzt und der Person, die entlassen werden soll, existiert.

George Wilson, Leiter der Personalabteilung bei Rothschild, wo 1.000 Leute in Großbritannien angestellt sind, erklärt, er versuche zu verfolgen, was mit den Menschen, die entlassen wurden, geschieht.

Rothschild entließ im vergangenen Jahr 50 Angestellte. Wilson berichtet, er stehe in Kontakt mit einigen von ihnen.

Als Vergleich: Outplacement-Dienstleister berichten, dass Brokerhäuser zu den Unternehmen zählen, bei denen es am unangenehmsten ist, entlassen zu werden, und sei es nur, weil Broker es vermeiden wollen, ihre Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Collins Stewart Tullett, britisches Broker-Haus und Fondsgesellschaft, nutzte die Dienste von Outplacement-Beratern nicht, als es aufgrund des Mergers mit Prebon vergangenen November zu Entlassungen kam. Quellen nahe eines konkurrierenden Brokerhaus führen das darauf zurück, dass Broker wenig Interesse daran haben, sich mit professioneller Hilfe auf dem Arbeitsmarkt zu bewegen.

Einer von ihnen meint: “Cash ist das, was in dieser Branche zählt. Die Leute wollen das Geld, dass sie für Outplacement ausgeben müssten, lieber in der eigenen Tasche haben. Sie meinen, sie könnten das alles alleine schaffen.”

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier